Ihre Meinung ist gefragt - Stimmen Sie ab!

Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Zorneding - „Wenn ein herrenloses Tier länger als ein viertel oder halbes Jahr im Tierheim ist, gehört es eingeschläfert.“ Dieser provokante Satz stammt von Zornedings FWG-Gemeinderätin Ursula Roth und fiel im Sozial, Kultur- und Sportausschuss.

Die Gemeinderätin will keinesfalls als „Tierfeindin dastehen“, sondern einfach „keine Tiere leiden sehen“ und appelliert, das von ihr aufgegriffene Thema „differenziert zu betrachten. Es sei durchaus wichtig, Tiere in einem Tierheim unterzubringen. Auch die Tagespflege eines Tieres gegen Entlohnung findet sie okay. Dann kommt aber Roths großes Aber: Ein Haustier sei ein Tier, das auf den Menschen fixiert ist. Und wenn das Tier keinen Menschen mehr habe, „verkümmert es seelisch“. Es fühle sich dann wie im Gefängnis. „Damit wird man dem Tier nicht gerecht.“ Dass dem so ist, sagt sie aus eigenem Erleben: „Selbst das Kaninchen im Stall freut sich, wenn ich auf es zugehe.“

Ursula Roth (FWG) will herrenlose Tiere einschläfern lassen.

Für Roth geht es nicht um den Cent-Betrag pro Einwohner, sondern um die Summen. „Tatsache ist leider oftmals, dass Fundhunde nicht in den Pflegestellen des Tierschutzvereins untergebracht werden konnten und somit für 25 Euro pro Tag sehr, sehr lange im Tierheim München betreut werden mussten“, lautete nämlich ein Satz in der Sitzungsvorlage. Ein anderer: Pro Einzelfall könnten die „tatsächlichen Kosten durchaus bei 1000 Euro liegen“. „Da bekomme ich einen dicken Hals, wenn ich mir vorstelle, von wie wenig manche Menschen täglich leben müssen“, ärgert sich Roth. Sie kommt deshalb auch zu noch einem anderen Stück Systemkritik: „Leute, die Tiere irgendwo anbinden, weil sie diese nicht mehr haben wollen, rechnen aufs Tierheim. Die Existenz von Tierheimen leistet deshalb solchem Verhalten Vorschub.“

Und deshalb sieht Roth auch den vom Tierschutzverein geplanten Bau eines Tierheims im Gewerbegebiet im Ebersberger Norden skeptisch. Grünen-Fraktionssprecher Helmut Obermaier war es, der sich in der Sitzungsrunde noch am weitesten im Sinne seiner FW-Kollegin hinauslehnte: Er könne ihre Aussage durchaus verstehen, die 25 Euro pro Tier und Tag lägen schließlich „weit über dem Hartz IV-Satz“. Eine Lösung sei aber schwierig. Noch zwei Tage später bewundert und lobt er Roths Mut. Bürgermeister Piet Mayr (CSU) zeigte sich von der Diskussion „schon überrascht“ und verwies darauf, dass eben die Gemeinde ihre ordinäre Aufgabe, sich um Fundtiere zu kümmern, dem Tierschutzverein übertragen habe. Es sei nicht Aufgabe des Gremiums, „hierüber die ethische Diskussion zu führen“, appellierte er.

In diese Kerbe schlägt auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins im Landkreis, Evelyn Bauer aus Vaterstetten: Roth solle sich „nicht wegen des Geldes zur Herrscherin über Leben und Tod aufspielen“. Wie komme Roth dazu, einen gesunden Hund einschläfern zu wollen, „der einfach nur das Pech hat, zur falschen Zeit gerade keinen Besitzer zu finden“, fragt Bauer. Für die Vorsitzende des Tierschutzvereines ist Roths Diskussionsanstoß „unfassbar“. Tiere im Tierheim würden „nicht verkümmern, sondern auch betreut“. Bauer weiter: „Dort gibt es auch Gassi-Geher.“ Die vom Tierschutzverein eingeforderten 40 Cent pro Einwohner und Jahr summieren sich zu einem respektablen Betrag, bei dem der Zornedinger Anteil nur 3560 Euro beträgt. Zahlen alle Landkreisgemeinden den beantragt höheren Zuschuss, kämen insgesamt 51 905,60 Euro zusammen, rechnet Bauer vor. Die tatsächlichen Kosten für die Betreuung liegen laut Tierschutzverein aber bei 63 473 Euro.

Eberhard Rienth

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Glonn prüft Bau einer Turnhalle
Überraschung in Glonn: Das Thema Turnhalle flammt wieder auf. Ein Gemeinderat bringt den Schulsportplatz ins Gespräch. Die Verwaltung prüft.
Glonn prüft Bau einer Turnhalle
Gesellige Alternative zum Fernseher
Seit 15 Jahren veranstaltet das Familienzentrum Poing Spieleabende für Jugendliche und Erwachsene. Und schon zum vierten Mal gab‘s jetzt ein …
Gesellige Alternative zum Fernseher
Immer ausverkauft seit 1995
Am 23. Februar vor genau 22 Jahren fand der erste Weiber- und Baziball in Markt Schwaben statt. Damals wie heuer an einem „Unsinnigen Donnerstag“.  
Immer ausverkauft seit 1995
Der kann was erzählen!
James Bond in Oberbayern! Kramer heißt der Mann. Michael Kramer. In „Rabenkrähe die letzte“ erlebt Kramer sein letztes Krimiabenteuer aus der Feder des Zornedingers …
Der kann was erzählen!

Kommentare