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„Die Kinder sind mit sich oft strenger als wir“: Schulleiterin Nadine Sauer im Gespräch mit Schülern. 

"Giftzettel" zum Halbjahr sind Geschichte

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Landkreis - Die meisten Grundschulen im Landkreis Ebersberg führen Lernentwicklungsgespräche anstelle des Zwischenzeugnisses ein.

Für die Erst- bis Drittklässler der Region ereignet sich dieser Tage eine kleine Revolution: Eine uralte Institution, das Zwischenzeugnis, haben 85 Prozent der Grundschulen im Landkreis Ebersberg abgeschafft - zumindestens in einigen Jahrgangsstufen.

Ganz ohne Leistungsbewertung geht es freilich nicht: Den „Giftzettel“ zum Halbjahr ersetzt an den teilnehmenden Schulen ein sogenanntes Lernentwicklungsgespräch. Die Eltern sind dabei, aber nur als stille Beisitzer eines Schüler-Lehrer-Dialogs.

Die Kinder selbst sind gefragt

Die Grundschule Moosach-Alxing hat das Gespräch schon mehrere Jahre erprobt und mittlerweile in den Jahrgangsstufen eins bis drei eingeführt. Rektorin Nadine Sauer erklärt den Ablauf: Das Gespräch bereiten Schüler und Lehrer mittels eines Fragebogens vor. Wie der aussieht, bleibt der Schule überlassen. „Lehrkraft und Kind füllen den gleichen Bogen aus, für das Kind sind die Fragen altersgerecht formuliert“, sagt Sauer.

Die Fragen sollen weitgehend die gleichen Kriterien abdecken, die auch im Zwischenzeugnis bewertet wurden. Beim Ausfüllen schätzt das Kind so selbst seine Stärken und Schwächen ein. Das Gespräch mit der Lehrkraft dauert dann etwa eine halbe Stunde. Es werden die Ergebnisse auf den Bögen verglichen, abweichende Einschätzungen diskutiert und gemeinsam Lernziele bis zum Jahresende formuliert.

"In meinen Augen ist das ein großer Gewinn."

„Die Kinder sind mit sich oft strenger als wir“, sagt Sauer und betont, dass es nur wenige Schüler gebe, die mit ihrer Selbsteinschätzung völlig daneben lägen. Auch berichteten ihr viele Eltern von „sehr interessanten Gesprächen zu Hause“, die aus der Beschäftigung des Kindes mit dem Fragebogen resultierten.

Im Vergleich zum Zwischenzeugnis sieht die Rektorin das Lernentwicklungsgespräch durchweg als Verbesserung: „In meinen Augen ist es ein großer Gewinn.“ Weil sie bei dem Gespräch im Mittelpunkt stünden, fühlten sich die Kinder ernstgenommen. Die selbst gesteckten, im Gespräch vereinbarten Ziele zeigten mehr Wirkung als floskelhafte Formulierungen, die mehr an die Eltern gerichtet seien.

Jahres- und Übertrittszeugnisse gibt es weiterhin

Dem pflichtet auch Schulamtsleiterin Angela Sauter bei: „Die Kinder zeigen nach dem Gespräch überwiegend geklärte, stolze, selbstbewusste Mienen“, sagt sie. Jahres- und Übertrittszeugnisse soll das Lernentwicklungsgespräch dennoch nicht ersetzen, erklärt Sauter: „Diese Zeugnisse sind Verwaltungsakt und Rechtsbehelf, das können sie nicht abschaffen.“

Über die Einführung der neuen Form der „Wasserstandsmeldung“ zum Halbjahr entscheiden die Schulen selbst, für jede Jahrgangsstufe von eins bis drei separat. Dass die Vorbereitung sowie die Terminfindung für Eltern wie Lehrkräfte einen gewissen Mehraufwand bedeuteten, will Rektorin Sauer nicht als Gegenargument gelten lassen. „Es ist keine Zeitersparnis, aber sinnvolle Arbeit“, berichtet sie. „Eigentlich ein Schritt, den sich viele wünschen, ein differenzierterer Blick auf unsere Kinder.“

Protokoll bleibt an der Schule

Zur Dokumentation des Gesprächs bleibt ein Protokoll bei der Schule. Damit die Eltern und Schüler nicht mit leeren Händen nach Hause gehen müssen, bekommen sie den vom Lehrer ausgefüllten Vorbereitungsbogen, auf dem dessen Einschätzung zum Lernfortschritt des Kindes vermerkt sind. Schließlich soll etwas bleiben, das man stolz der Oma zeigen kann.

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