Der neue Glockenturm folgt der Form der Kirchturmspitze. Foto: dziemballa

Glockenturm fürs letzte Geleit

Hohenlinden - Auf dem Weg zur letzten Ruhestätte werden Hohenlindener bislang vom ferngesteuerten Glockengeläut der St. Josef-Pfarrkirche begleitet. Demnächst gibt es auch andere technische Möglichkeiten. Ein neuer Glockenturm wurde errichtet - und bestückt mit einer alten Sterbeglocke.

Das Ding sei geradezu erdbebensicher, sagt Josef Gallenberger. Und der katholische Kirchenpfleger in Hohenlinden meint damit einen gut neun Meter hohen Glockenturm aus Stahl mit Holzdach samt Kupferverkleidung und massivem Fundament, der seit ein paar Tagen - fast fertig übrigens - neben der neuen Aussegnungshalle auf dem neuen Teil des örtlichen Friedhofs steht. Konstruiert wurde das Ganze von Martin Hubner. Der Hohenlindener Architekt brachte seine Dienste quasi als Spende ein.

Das gesamte Bauwerk in neugotischem Stil hat komplett die katholische Gemeinde bezahlt. Öffentliche, also kommunale Mittel waren nicht nötig. Einen genauen Betrag will Gallenberger dennoch nicht nennen. Auf dem Friedhof rede man nicht über Geld, so seine nachvollziehbare Begründung.

Im kommenden Januar soll der neue Glockenturm, der übrigens mit seiner indirekten Beleuchtungstechnik eine weitere optische Besonderheit aufweisen wird, auch förmlich gesegnet werden, so Kirchenpfleger Josef Gallenberger. Bis dahin wird die Kirchenverwaltung noch einen Glockeneinsatzplan zu beschließen haben. Darin soll exakt festgelegt werden, bei welchen Anlässen genau und in welcher Form die unter dem Dach angebrachte und per Fernsteuerung zu aktivierende Glocke geläutert werden soll. Und wie man bei künftigen Bestattungen mit den St.-Josef-Glocken verfahren möchte, die in Hohenlinden seit Jahrzehnten die Toten auf ihrem letzten Weg akustisch begleiten.

Eine weitere Besonderheit: Die Glocke im Turm ist gar nicht neu. Schon vor ein paar Wochen schrieb Gallenberger online: „Als das alte Leichenhaus mit Türmchen und Glocke im Alten Friedhof vor Jahrzehnten abgebrochen wurde, hat man dann im Neuen Friedhof die jetzige Aussegnungshalle (ohne Glocke) errichtet.“ Das alte Leichenhaus war aus Ziegeln errichtet worden, die nach Ende des Krieges aus dem Bauschutt der von Bomben zerstörten Landeshauptstadt München stammten. Die bis in die 70er Jahre verwendete Glocke hatte ihren Ursprung im Ruhrgebiet und fand den Weg irgendwie nach Hohenlinden. Sie wurde nach dem Ende des alten Leichenhauses jahrzehntelang an verschiedenen Orten gelagert. Dass es sie überhaupt noch gibt, sei seinem Kirchenpflegervorgänger Michael Jedl zu verdanken.

Nun aber soll die Glocke wieder ihrer alten Bedeutung zugeführt werden. Gallenberger: „Die Älteren von uns können sich bestimmt noch an das alte Gebäude und auch an den Klang dieser Sterbeglocke erinnern. Ein Stück bewegte Vergangenheit kehrt nun zurück.“

Ein wenig spricht der Preisendorfer dann aber doch noch übers Geld. Ein Rentner hatte ihn nämlich dieser Tage kontaktiert. Jemand, der als junger Ministrant noch die Sterbeglocke im alten Leichenhaus per Hand zum Läuten brachte. Er ließ es sich nicht nehmen, der katholischen Gemeinde zweckgebunden eine Spende zukommen zu lassen - zur Finanzierung des Turmprojekts.

Jörg Domke

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