Der alte Bahndamm soll radtauglich ausgebaut werden.
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Der alte Bahndamm soll radtauglich ausgebaut werden.

Entscheidung im Umweltausschuss des Kreistags

Fahrradstraße zwischen Glonn und Moosach fällt durch

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Zwischen Glonn und Moosach wird es keine Fahrradstraße geben. Stattdessen soll der Bahndamm ausgebaut werden. Das entschied der Umweltausschuss des Kreistags.

Landkreis – Kurz vor knapp, am Tag vor der entscheidenden Ausschuss-Sitzung, besserte das Parteibündnis aus Grünen, SPD, Linken und ödp im Kreistag bei der von ihm beantragten Fahrradstraße zwischen Glonn und Moosach nach: Die Trasse der jetzigen Staatsstraße 2351 für den Durchgangsverkehr zu sperren – das geht offenbar nicht. Das Parteienbündnis rückte daher davon ab, nur Anlieger mit Kraftfahrzeugen zuzulassen. Stattdessen solle für den Streckenabschnitt ein allgemeines Tempolimit von 30 Stundenkilometern gelten – mit weiterhin freier Bahn für alle Verkehrsteilnehmer.

Auch Verkehrsversuch wird abgelehnt

Außerdem ist die Ausweisung eines Verkehrsversuchs für eine Fahrradstraße offenbar Sache der Straßenverkehrsbehörde und nicht des Kreistags – dieser kann nur einen Prüfauftrag an die Behörde erteilen. Damit blieb von dem ursprünglichen Vorhaben Fahrradstraße Glonn–Moosach nicht mehr viel übrig – und auch das Restansinnen, die Prüfung eines auf ein Jahr beschränkten Verkehrsversuchs, lehnten die Mitglieder des Kreis-Umweltausschusses am Mittwoch mit 5:10 Stimmen ab.

„Radtauglicher Naturerlebnispfad“ als Alternative

Stattdessen strebt das Gremium mehrheitlich den Ausbau des aufgelassenen Bahndamms zum „radltauglichen Naturlerlebnispfad“ an; eine Formulierung, über die sich die Befürworter der Fahrradstraße ärgerten: Die CSU/FDP-Fraktion nehme das Rad als zukunftsträchtiges Verkehrsmittel für Schüler und Pendler Richtung Grafing-Bahnhof nicht ernst, so der Tenor. Tatsächlich räumte Landrat Robert Niedergesäß (CSU) schon zu Sitzungsbeginn mit Blick auf den Ausbau des Bahndamms ein: „Das wird nie ein vollwertiger Radweg werden.“ Eine Asphaltierung der Strecke sei nie vorgesehen gewesen.

Der Bahndamm genüge damit den Ansprüchen der Pendler nicht, argumentierte Thomas von Sarnowski (Grüne). „Wir wollen eine Verkehrsverbindung, keine Vergnügungsstrecke. Er warb dafür, den abgespeckten, zeitlich begrenzten Versuch zu wagen: Das kostet uns nichts, außer zwei Schilder und etwas Öffentlichkeitsabreit.“

Glonns Bürgermeister: In sechs Jahren ist nichts passiert

Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen diesen Plan hielt dagegen Josef Oswald, CSU-Kreisrat und Bürgermeister von Glonn. Er kritisierte, der Antrag für die Fahrradstraße sei beim Kreistag gelandet, ohne dass die Initiatoren zuvor das Gespräch mit den Gemeinden gesucht hätten. „Das verwundert mich sehr“, so Oswald. Er plädierte für einen Ausbau des Bahndamms: „Das wird seit sechs Jahren diskutiert und nichts ist rausgekommen.“

Sowohl Glonn als auch Oberpframmern hatten in Eingaben an den Kreistag Befürchtungen geäußert, dass die bisher auf der St 2352 fließenden, geschätzt 500 Fahrzeuge pro Tag, künftig durch ihre Ortskerne fahren könnten. Moosach wiederum hatte sich gegen Veränderungen auf dem stillgelegten Bahndamm ausgesprochen.

Diese werden nun aber wohl kommen. Dem „radltauglichen Naturerlebnispfad“ als Teil der rund zehn Kilometer langen Strecke zwischen Grafing-Bahnhof und Glonn stimmte der Umweltausschuss mit derselben Mehrheit von 10 zu 5 Stimmen zu, die zuvor die Fahrradstraße abgelehnt hatte.

Die lange Vorgeschichte des Projekts finden Sie hier

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