Vera Brandstetter und Peter Gröbmayr sitzen gemütlich auf der Couch in ihrem Tiny House in Glonn. „Ich würde im Moment nicht tauschen wollen“, sagt die Hausherrin.
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Vera Brandstetter und Peter Gröbmayr sitzen gemütlich auf der Couch in ihrem Tiny House in Glonn. „Ich würde im Moment nicht tauschen wollen“, sagt die Hausherrin.

Zu Besuch bei einem jungen Paar, das wenig Platz zum Wohnen braucht

So lebt es sich im ersten Tiny House in Glonn

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Wohnen im Eigenheim auf 50 Quadratmetern – das kann kuschlig sein, hat aber auch seine kuriosen Momente. In Glonn lebt ein Paar im ersten „Tiny House“ der Gemeinde – und bekommt öfters mal unverhoffte Besucher.

Glonn – Der Fehler ist wahrscheinlich das „Griaß Di“. Fast schon zu einladend prangt dieser Schriftzug am Milchglas der Eingangstür von Vera Brandstetter und Peter Gröbmayr in Glonn. Das Haus des Paares lockt ohnehin Schaulustige an, die manchmal plötzlich auf der Terrasse auftauchen. Ein bisserl haben sich das die beiden selber eingebrockt: Sie wohnen, in prominenter Lage gegenüber des Edeka-Markts, im ersten Glonner „Tiny House“. Marke: Eigenbau.

Mit hellen Lärchenholz-Elementen sind die 50 Quadratmeter Wohnfläche verschalt, auf denen es sich das Paar gemütlich gemacht hat. Sie Mediengestalterin, 27, er Zimmerer und Bautechniker, 25 Jahre alt. Barfuß spazieren die beiden auf dem blank geputzten Holzboden durch ihr Reich. In der kombinierten Wohnküche duftet es nach dem Zirbenholz, aus dem die Wand zum Schlafzimmer besteht. Holz, Holz, Holz. Wenn ein Zimmerer ein Haus baut, spaxt er keine Gipsplatten an die Zimmerdecke.

Tiny House in Glonn: Die Klappstühle hängen an der Wand

Peter Gröbmayr zieht eine Schublade der Kochinsel auf, die nur wenig größer als das Ceranfeld ist. „Das ist eben tiny“, kommentiert er, dass er einen Schritt zur Seite machen muss, um ans Besteck zu kommen. Tiny heißt auf Deutsch winzig und bezeichnet einen Baustil, der mit möglichst wenig Platz zurechtkommt. Lange hat Gröbmayr gemeinsam mit seinem Vater, dem Seniorchef der gleichnamigen Zimmerei, in Schlacht, am Grundriss gefeilt. Dank der Idee mit der Kochinsel war Platz für eine Eckbank mit Esstisch, natürlich aus Holz. Zwei Klappstühle hängen daneben an Haken von der Wand – damit auch mal mehr Leute zusammensitzen können.

Das Glonner Tiny House steht an einer prominenten Stelle gegenüber der Einfahrt zum Edeka-Markt.

Solche kleinen Kompromisse braucht es, um auf 50 Quadratmetern Folgendes unterzubringen: Bad, Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, ein Büro, das gerade so auch als kleines Kinderzimmer herhalten könnte, und eine halb so große Speisekammer mit Waschmaschine und Gefrierschrank. Kaum eine Nische, aus der sich nicht eine Schublade hervorziehen ließe. Das Problem ohne Dachboden und Keller ist weniger der Wohn-, als der Stauraum. „Wir haben viel ausgemistet vor dem Einzug“, sagt Vera Brandstetter.

Tiny House in Glonn: Umzug mit zwei Tiefladern

Seit dem Frühjahr wohnen sie und Gröbmayr zwischen den 34 Zentimeter dicken, mit Holzwolle gedämmten Wänden, die sie am „Bäckerhügel“ in Glonn auf ein für zehn Jahre gepachtetes Grundstück gestellt haben. Besser gesagt, haben sie gleich das ganze Haus hingestellt: In zwei je drei Meter breiten Modulen haben es Sohn und Vater Gröbmayr in der eigenen Zimmerei vormontiert. Mit zwei Tiefladerfahrten war der Umzug an den späteren Standort erledigt, vorhanden dort: Fundament, Wasser-, Strom-, Kanalanschluss. Alle Wasserleitungen verlaufen auf der Küche-Bad-Seite, sodass beim Zusammenbauen der beiden Hälften nur ein Stromstecker als Verbindung nötig war. Prämisse für den Bau: Dass man ihn schnell wegheben kann.

„Wir testen es selber“, sagt Gröbmayr über den Prototypen, in dem er seit einigen Monaten mit der Freundin lebt. Anfangs sei das Rätselraten in Glonn groß gewesen –immer wieder verirrten sich Leute auf das Grundstück, die das Tiny House für einen Imbissstand oder ein Café hielten. Die beiden haben sich schon daran gewöhnt, dass manchmal jemand überraschend zum Fenster hereinspechtet, auf der Suche nach einem Döner oder einem Stückerl Kuchen.

Holz, Holz, Holz und ein bisschen Keramik: Blick ins Badezimmer des kleinen Häuschens.

Der Plan ist aber ein anderer: Ein paar Kinderkrankheiten will Gröbmayr noch ausmerzen – und dann mit dem Haus in Serie gehen. Einige hätten schon angeklopft, darunter Ältere, denen das eigene Haus zu groß wird, beispielsweise. Sie könnten dort den Nachwuchs einziehen lassen und sich selbst den Modulbau als Alterswohnung aufs Grundstück stellen, schwebt Gröbmayr vor. Oder es wäre was für junge Paare, die dafür übergangsweise ein Stück freien Baugrund pachten könnten, auf dem erst Jahre später ein „richtiges“ Haus entstehen soll. „Für die Zeit vor und nach dem Familienleben mit Kindern“, fasst es der 25-Jährige zusammen. Oder als Vermietobjekt.

100 000 bis 150 000 Euro, je nach Ausführung, werde sein Tiny House im Serienverkauf wohl kosten, spekuliert er. Nichts für arme Schlucker, aber so ein Häuschen soll im Gegensatz zu anderen Mini-Bauten locker ein halbes Jahrhundert überstehen, selbst mit sporadischem Ortswechsel.

Küche und Wohnbereich gehen auch aus Platzgründen ineinander über.

„Mit der Hausführung sind wir gleich durch“, sagt Vera Brandstetter lachend und tritt auf die angebaute Terrasse hinaus. Jenseits der Bohlen mit Biertisch, Grill und Hängesessel schließt ein Garten an, der alles andere als winzig ist. Die beiden sind wohl die einzigen Tiny-Haus-Bewohner mit einem Rasenmäherbulldog.

Tiny House in Glonn: Photovoltaik auf dem Dach

Das Flachdach ist belegt mit Photovoltaik-Paneelen. „Wir erzeugen mehr Energie, als wir verbrauchen können“, sagt Bautechniker Gröbmayr. Verbaut sind in dem Haus eine elektrische Fußbodenheizung und ein Batteriespeicher. Das und die dicke Isolierung lassen das Bewohner-Paar gelassen auf die bevorstehenden Wintermonate blicken. Zur Not, oder aus Gemütlichkeitsgründen – können sie mit dem Bullerofen im Wohnzimmer Brennholz zuheizen.

„Ich würde momentan nicht tauschen wollen“, sagt Vera Brandstetter über das Wohnen zu Zweit im Tiny House. Die Enge habe einen weiteren Vorteil: In fünf Minuten ist durchgesaugt.

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