So sah er aus, der Bergahorn bevor er umgeschnitten wurde. Die untere Naturschutzbehörde will die Fällaktion genau prüfen lassen auf ihre Rechtmäßigkeit.

Naturschützer sind schockiert

Empörung in Glonn: 150 Jahre alter Bergahorn gefällt

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„Wir sind schockiert und fassungslos“ sagt Kreisfachberater Harald Käsbauer vom Landratsamt Ebersberg. Was ihn so aufregt? In Glonn ist in der Lena-Christ-Straße ein 150 Jahre alter Bergahorn beseitigt worden.

Glonn – Dort, wo der alte Bergahorn stand, ist nur mehr der Stumpf übrig geblieben. Jetzt ermittelt die untere Naturschutzbehörde, bestätigt deren Leiter Johann Taschner. „Wir sind aber erst am Anfang.“ Die rechtliche Lage ist tatsächlich etwas verzwickt.

Ein Naturschutzdenkmal ist der Bergahorn nicht, obwohl in dieser Richtung vom Landratsamt Ebersberg Anstrengungen unternommen wurden. „Zwei unabhängige Sachverständige haben bestätigt, dass er erhaltungswürdig ist“, berichtet Käsbauer. In einer Baugenehmigung aus dem Jahr 2000, so der Kreisfachberater, sei dem Bauwerber zudem zur Auflage gemacht worden, den Bergahorn zu erhalten. „Jetzt hat jemand einen Eigentumswechsel genutzt, sich des Baumes zu entledigten“, bedauert Taschner. „Er ist einer der ältesten Bäume in Glonn und hätte Vitalität gehabt.“ Auch Jochen Carl aus Glonn, der frühere Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz sagt: „Diese Baumfällung hat pures Entsetzen ausgelöst.“

Warum wurde der Bergahorn überhaupt umgeschnitten? Einer der beiden Eigentümer erläuterte das Gundel Meistring, der Vorsitzenden der Ortsgruppe Glonn des Bund Naturschutz. Von dem Baum würden bei Sturm immer wieder Äste abbrechen und sogar Kinder gefährden, sei ihr gegenüber argumentiert worden, berichtet Meistring. Bei Starkwind, so wurde ihr eigener Auskunft nach gesagt, könne der Bergahorn auf benachbarte Gebäude stürzen. Dass der alte Baum beseitigt wurde, findet Meistring trotzdem „haarsträubend“. Sie räumt aber gleichzeitig ein: „Natürlich ist es gefährlich, wenn er umkippen sollte. Da hätte halt etwas gemacht werden müssen.“

Als die untere Naturschutzbehörde von der Fällaktion unterrichtet wurde, ist Taschner nach Glonn gefahren, um sich vor Ort zu informieren. „Aber da war nichts mehr zu retten.“ Gegen den Versuch, den Baum zum Naturdenkmal zu erklären, habe es im Vorfeld „enorme Widerstände“ gegeben, erinnert sich Käsbauer. „Der Bergahorn hatte vor 100 Jahren schon eine Bedeutung für Glonn“.

„Wenn es so ist, wie es derzeit aussieht, hätte es zur Fällung einer Erlaubnis bedurft“, meint Taschner vorsichtig. Er wolle aber erst die Beteiligten anhören. Möglicherweise handle es sich jedoch um einen Bußgeldtatbestand, ob auf naturschutzrechtlicher oder baurechtlicher Grundlage, das müsse jetzt geprüft werden.

Dass der Bergahorn keinen besonderen Schutzstatus erhalten hat, dazu hat er sozusagen selbst beigetragen. Denn im Laufe der Jahrzehnte hat er sich zu einem Grenzbaum entwickelt, bestätigt auch Meistring. Er steht auf einer Grundstücksgrenze. Und dafür gibt es sogar einen eigenen Paragraphen im Bürgerlichen Gesetzbuch. Dort heißt es unter § 923 wörtlich: „Jeder der Nachbarn kann die Beseitigung des Baumes verlangen. Die Kosten der Beseitigung fallen den Nachbarn zu gleichen Teilen zur Last. Der Nachbar, der die Beseitigung verlangt, hat jedoch die Kosten allein zu tragen, wenn der andere auf sein Recht an dem Baume verzichtet; er erwirbt in diesem Falle mit der Trennung das Alleineigentum. Der Anspruch auf die Beseitigung ist ausgeschlossen, wenn der Baum als Grenzzeichen dient und den Umständen nach nicht durch ein anderes zweckmäßiges Grenzzeichen ersetzt werden kann.“ Läge hingegen ein Bußgeldtatbestand vor „sind schnell einige Tausend Euro verwirkt“, sagt Taschner, ohne den Ermittlungen vorgreifen zu wollen. „Die Fällung ist nicht in Ordnung und auch nicht genehmigt“, ist sich Käsbauer hingegen sicher. Wer die Eigentümer des Baumes sind unterliegt dem Datenschutz.

Reinhard Brilmayer von der Glonner Bauverwaltung informiert auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung, dass es für die betreffenden Grundstücke, auf denen der Baum steht, keinen Bebauungsplan gibt und der Bergahorn deswegen auch nicht als zu erhalten festgelegt worden sei. Glonn hat zudem keine Baumschutzverordnung.

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