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BRK-Übung im Festzelt: Die Glonner übten, was zu tun ist, wenn in einem Festzelt eine Person kollabiert.

BRK Glonn trainiert lange für „Rettungsstellplatz“, kommt jetzt aber nicht zum Zug

Landrat bedauert „Schlag ins Gesicht der Ehrenamtlichen“

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Die Enttäuschung beim Roten Kreuz in Glonn ist groß. Sie haben lange dafür trainiert, kommen jetzt aber beim neu geschaffenen Rettungsstellplatz nicht zum Einsatz.

Glonn– Glonn hat endlich einen eigenen „Rettungsstellplatz“ bekommen. So lautet der Fachausdruck dafür, wenn in einem Ort und in dessen Nahbereich Nothilfe angeboten wird, die keinen 24-Stunden-Dienst leistet. Im Glonner Fall sind es 14 Stunden von 8 bis 22 Uhr, und geleistet wird dieser Dienst vom „MKT Krankentransport“, der am 17. Oktober seinen Betrieb aufnahm. Das ist die gute Nachricht für die Bürger, die aber gleichzeitig eine schlechte Nachricht für das örtliche Rote Kreuz ist. Dass das BRK Ebersberg nicht zum Zug kam, sorgte in der Kreisgeschäftsstelle für eine „herbe Enttäuschung“. „Das ist besonders bitter, weil wir in Glonn seit vielen Jahren tätig sind“, bedauert BRK-Kreisgeschäftsführerin Elisabeth Seibl-Kinzlmaier.

Glonner Ehrenamtliche werden sich weiter anstrengen

Die Geschäftsführerin verweist dabei unter anderem darauf, dass in Glonn einer der ersten First Responder im Landkreis überhaupt installiert worden sei und seit 38 Jahren seinen verantwortungsvollen Job mache, genauso wie die vielen anderen Ehrenamtlichen. „Der Zweckverband hat so entschieden und wir akzeptieren das auch im Interesse der Bevölkerung.“ Die Geschäftsführerin versichert dem Landkreis gleichzeitig, „dass wir unsere Ehrenamtlichen weiterhin verlässlich einsetzen werden“.

Zweckverband für Rettungsdienst hat so entschieden

Die BRK-Wasserwacht Glonn nimmt ein neues Boot in Betrieb und übt die Wasserrettung.

Die Entscheidung fiel im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Erding, in dem neben dem Landkreis Erding selbst auch der Landkreis Freising und der Landkreis Ebersberg vertreten sind. „Als stellvertretender Kreisvorsitzender des BRK bedaure ich diese Entscheidung natürlich sehr. Sie ist ein Schlag ins Gesicht der Ehrenamtlichen des BRK im südlichen Landkreis Ebersberg, gerade, weil das BRK diesen Bereich bisher schon im Rahmen der rechtlichen Vorgaben gut und sehr engagiert versorgt hat“, sagt Landrat Robert Niedergesäß zur aktuellen Entwicklung. Priorität habe aber, und dies sei auch im Sinne des BRK, die schnelle Optimierung des Standortes Glonn. MKT versorge – ebenfalls im Ergebnis einer Ausschreibung – seit einigen Jahren den Standort Anzing. „Beschwerden oder Probleme hierüber sind uns nicht bekannt“, so der Landrat.

BRK Ebersberg wartet auf ordentliche Vergabe für Glonn

Der Auftrag für die MKT Krankentransport Schmitt/Obermeier oHG ist eine Interimslösung bis zum Abschluss der ordentlichen Vergabe, die im Laufe des nächsten Jahres erfolgen soll, informiert Reimund Wagenseil von MKT auf Anfrage der EZ. „Wir sind als die Leistungsfähigsten erkannt worden“, sagt er zur aktuellen Entscheidung des Zweckverbandes. Bei der war Eile geboten. Denn in der jüngsten Bedarfsfeststellung im Rahmen der Trend- und Strukturanalyse „Trust“ hatte sich herausgestellt, dass es in Glonn und Umgebung unmittelbaren Handlungsbedarf gibt, weil oft die gesetzlich angestrebten Rettungsfristen nicht eingehalten werden. Bürger und Bürgermeister der Südgemeinden des Landkreises hatten Anfang des Jahres auf diesen Mangel hingewiesen. „Wir waren in der Lage, diese Lücke gleich zu stopfen“, sagt Betriebsleiter Wagenseil, der hofft, dass MKT auch bei der endgültigen Vergabe zum Zuge kommen wird. „Die Karten sind in diesem zweiten und ausführlicheren Verfahren völlig offen“, meint Niedergesäß jedoch.

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Hochprofessionelles Engagement

Das BRK Ebersberg hat jedenfalls ein Interesse an dieser Aufgabe. „Wir erwarten die Regelausschreibung und hoffen, dass unser ehrenamtliches und hochprofessionelles Engagement für uns dann zu einem positiven Ergebnis führt“, sagt Seibl-Kinzlmaier. Das hofft auch Alexander Müller, FDP-Kreisrat aus Baiern. „Wenn vor Ort seit Jahrzehnten eine Rotkreuzgruppe existiert, die sich gerade auf die Übernahme des Rettungsstellplatzes vorbereitet, dann ist die Entscheidung schwer nachvollziehbar. So demotiviert man die Ehrenamtlichen vor Ort.“

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