Hackschnitzel werden auf der Betonfläche im Gewerbegebiet Steinhausen in Glonn gelagert.
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Hackschnitzel werden auf der Betonfläche im Gewerbegebiet Steinhausen in Glonn gelagert.

Energiewende schlägt Schwarzbau in Glonn

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Der Streit geht weiter! Ein Glonner hatte im Gewerbegebiet in Steinhausen illegal eine rund 300 Quadratmeter große Lagerfläche betoniert. Sie wird geduldet.

Glonn – Weil er keinen Bauantrag dafür eingereicht hatte, sollte der Bauherr das Bauwerk teils abreißen und um die Hälfte verkleinern. Den Bescheid dafür sollte er vor gut einem Jahr bekommen. Nun hat er eine Duldung vom Landratsamt erhalten.

Betonplatte dient als Hackschnitzel-Lager

2016 baute ein Glonner die Lagerfläche in das Gewerbegebiet. Ohne Baugenehmigung. Die Betonplatte dient als Hackschnitzel-Lager für seine dortige Holz-Kraft-Anlage. Der Glonner Gemeinderat wurde daraufhin auf den Schwarzbau aufmerksam, im November 2017 war der illegale Bau Thema einer Sitzung. Klare Meinung des Gemeinderats: Die Betonplatte wird so nicht geduldet.

Der Rat kam zu einer Lösung: Die Lagerfläche sollte verschoben und an einer anderen Stelle im existierenden Bebauungsplan errichtet werden. Ein Teil der Platte musste weg.

Betonfläche bis heute unverändert

Bis heute ist die Betonfläche aber unverändert. Dazu reicht ein Blick in Google Maps. Anfang 2019 schaltete sich das Landratsamt ein. Norbert Neugebauer, Büroleiter des Landrats, forderte damals, dass der Bauherr die Betonfläche verkleinern müsse.

In einem Bescheid der Kreisbehörde sollte dem Eigentümer ein Zwangsgeld von 5000 bis 10 000 Euro angedroht werden, sagte Neugebauer im Januar 2019 unserer Zeitung. Die Betonfläche sollte in „absehbarer Zeit“ zurückgebaut werden. Neugebauer sprach von einer „engen zeitlichen Vorgabe“. Ob der Bescheid je vom Landratsamt verschickt wurde, ist ungewiss.

180-Grad-Wende des Landratsamts

Nun hat die Kreisbehörde eine 180-Grad-Wende gemacht: Sie hat dem Betrieb eine Duldung erteilt. „Bei dem Bauvorhaben der Bodenplatte in der Gemeinde Glonn sehen wir derzeit von bauaufsichtlichen Maßnahmen ab“, teilte Neugebauer auf Nachfragemit.

Wie lange gilt die Duldung? „Es kann derzeit nicht mit Sicherheit prognostiziert werden, ob das Bauvorhaben qualifiziert geduldet wird“, antwortete Neugebauer. Was auch immer das heißt: Eine dauerhafte Duldung „dürfte“ nicht möglich sein, schreibt der Büroleiter des Landrats.

Zusammen mit der Gemeinde Glonn sollen Lösungen geprüft werden, „um die Anlage zur regenerativen Wärmeversorgung für das Baugebiet Steinhausen aufrecht zu erhalten“.

Darum geht’s. Bei vielen anderen Schwarzbauten würden Gemeinde und Landratsamt wohl ernst machen. In diesem Fall ist es anders: 2010 hatte die Gemeinde nach langem Hin und Her die Errichtung einer Holz-Kraft-Anlage auf dem Grundstück erlaubt. Sie garantiert seither die Nahwärmeversorgung in Steinhausen. Energiewende in Glonn.

„Wir betreiben die Energiewende“

Anruf bei Claudia Wäsler. Sie und ihr Ehemann betreiben die Anlage, und haben die Betonplatte gebaut. Wäsler kann die Aufregung um die Lagerfläche nicht verstehen. „Wir versorgen 40 Haushalte mit Wärme. Wir betreiben die Energiewende in Glonn, dafür brauchen wir die Lagerfläche“, sagt sie.

Warum hatte sie keine Baugenehmigung eingeholt? „Wir haben nicht daran gedacht, dass die Platte nicht erlaubt ist“, sagt die Frau. Sie hätten den Schwarzbau einfach errichtet.

Es gebe keinen anderen Platz auf ihrem Gelände, um die Hackschnitzel zu lagern. „Müssen wir die Betonfläche wegreißen, müssen wir unseren Betrieb zusperren“, sagt Wäsler.

Bis zur Entscheidung wird‘s noch dauern

Wie geht es nun weiter? Norbert Neugebauer vom Landratsamt spricht von „Schaffung von Baurecht über die Änderung des Bebauungsplans“ und „Umplanung und Umbau der baulichen Anlage“. Heißt: Bebauungsplan ändern und die Lagerfläche bleibt oder die Betonplatte wegreißen. Das gelte aber nur „im Falle baurechtswidriger Zustände“. Es muss also entschieden werden, ob überhaupt Baurecht gebrochen wurde. Auf eine endgültige Entscheidung müssen die Betreiber wohl noch länger warten.

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