Robert Schwaiger steht neben Schlauch beim Milchabpumpen
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„Druck kannst dir bloß selber machen“: Robert Schwaiger beim Abpumpen der Milch in seinen Laster. 30 Stopps liegen auf seiner Route zwischen Glonn und Bruckmühl.

Robert Schwaiger hat 24 000 Liter Milch im Gepäck

Für ihn ist es ein Traumjob: Mit dem „Millefahrer“ von Hof zu Hof

  • VonHelena Grillenberger
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Seit neun Jahren fährt Robert Schwaiger (40) als Milchfahrer die Höfe zwischen Glonn und Bruckmühl an. Er erzählt, was ihm an seinem Job gefällt, wann die Arbeit keinen Spaß macht und warum man es als Milchfahrer mit dem Testen genau nehmen sollte.

Landkreis – Auf einem Regalbrett an der Wand über dem Milchtank liegen eine Liste mit Zahlen und ein Kugelschreiber. „Muss ich eigentlich nicht machen“, sagt Robert Schwaiger, während er beides nimmt und die Liter, die er gerade in den Milchlaster umgetankt hat, in die Liste einträgt. Er legt Stift und Liste zurück ins Regal und schaltet die Kühlung am Hoftank aus. „Aber mach i ois. Millefahrerservice.“

Seit neun Jahren fährt der Frauenreuther als Milchfahrer die Höfe zwischen Glonn und Bruckmühl an. Er kennt die Milchkammern, die unterschiedlichen Tankmodelle und Betriebssysteme. „Am Anfang hab’ ich da schon auch überlegen müssen“, gibt er zu und zuckt mit den Schultern. „Aber mittlerweile ...“ Schwaiger klettert die drei Stufen in den Laster der Molkereigenossenschaft Mangfalltal – Glonn und fährt auf einer schmalen Straße, kaum breiter als der Lkw selbst, weiter zum nächsten Hof.

50 Höfe lagen auf seiner Route, jetzt sind es noch 30

Als der 40-Jährige mit dem Milchfahren angefangen hat, lagen noch etwa 50 Höfe auf seiner Route. Mittlerweile sind es noch um die 30. Das Aussterben der Milchbauern sei generationsbedingt, sagt Schwaiger und vermutet weiter: Wenn die Anbindehaltung verboten wird, werde wohl wieder ein großer Teil wegbrechen. Und er weiß, wovon er redet: „Früher hab ich die Milch noch bei mir selber abgeholt“, erzählt er. Es habe ihn selbst immer zur Landwirtschaft hingezogen, aber um sie zum Beruf zu machen, war der Familien-Hof zu klein. Also hat er Zimmerer gelernt. Als sein Vater starb, mussten er und seine Frau umstrukturieren, um den Hof erhalten zu können. „Den Viechern soll’s gut gehen. Uns soll’s gut gehen. Das ist mit den Milchkühen nicht gegangen.“ Sein eigener Hof: Ein Stopp weniger auf seiner Route.

Zimmerer habe ihm Spaß gemacht, erzählt Schwaiger weiter. Aber bis zur Rente wollte er nicht auf dem Bau arbeiten. Und Milchfahrer sei ein Job gewesen, den er sich immer habe vorstellen können. „Mir gfoid des eigentlich, so zu den Bauern hinfahren“, sagt er noch, bevor er am nächsten Hof wieder aussteigt. Während die Milch abgepumpt wird, hat er Zeit, sich mit dem Landwirt auszutauschen. „Kundenpflege“, wie Schwaiger es mit einem Augenzwinkern nennt. Bevor er wieder in den Laster einsteigt, nimmt er mit einer Pipette etwas Milch aus einem Fläschchen, in das der Laster automatisch bei jedem Hof einen Schuss Milch füllt und beträufelt damit ein Teststäbchen, das er mit ins Führerhaus nimmt.

14 000 Liter passen in den Tank des Milchlasters. Drei Mal am Tag fährt Schwaiger zur Molkerei zum Leerpumpen.

Schwaiger: „Wenn ich länger brauch, brauch ich halt länger.“

Manche Fahrer würden die Milch abpumpen, ohne sich mit den Bauern zu unterhalten. Darüber schüttelt Schwaiger nur den Kopf. „Den Druck da herin kannst dir bloß selber machen“, sagt er, als er wieder hinter dem Lenkrad sitzt. „Ich bin nicht auf der Flucht. Wenn ich länger brauch, brauch ich halt länger.“

Ihm macht seine Arbeit Spaß. Er brauche das Ein- und Aussteigen, sagt er. Dass er zwar immer wieder seine Ruhe habe, aber, zumindest morgens, gelegentlich jemanden treffe. Gerade, dass er eben nicht den ganzen Tag allein ist, sondern sich immer wieder Gelegenheiten für eine Unterhaltung bieten, sei es, was die Arbeit attraktiv für ihn mache. „Fernfahrer könnte ich nicht werden“, sagt Schwaiger entschieden. „Des hod ma scho glangt nach Weihenstephan. Und des is bloß a Stund.“

Überhaupt seien das ja keine Strecken, die er zurücklegen müsse. Die Höfe seien ja doch recht nah beieinander. Da hätten es die Fahrer, die Bio- und Heumilch einsammeln schon wesentlich weiter, sagt er und winkt mit einem Lachen ab.

Molkerei erfasst genau, welcher Fahrer wann wo abpumpt

Natürlich gebe es auch Tage, die „ned so schee san“. Im Winter mit Schneeketten zum Beispiel, „des macht koan Spaß“. Die Lkw-breiten Straßen zwischen den Dörfern, zum Teil dann auch noch bergauf: „Entweder du kennst die Straße, oder du stehst dann halt.“ Oder wenn man den Anhänger falsch befüllt hat: Ein bisschen merkt man das Schwappen der Milch beim Fahren. Im Laster sei das nicht so tragisch. Aber wenn der Hänger nicht gleichmäßig befüllt ist, „ist der Weg zur Molkerei lang“, sagt der Frauenreuther und lacht.

Bevor Schwaiger in der Molkerei mit dem Leerpumpen seines Lasters beginnen kann, muss erst der Teststreifen eingelesen werden. Nur, wenn der negativ ist, darf die Milch in die großen Tanks der Molkerei. Dass es ein Milchfahrer mit dem Testen nicht so genau nimmt, soll schon mal vorgekommen sein, erzählt er, während er auf das Ergebnis wartet. Das seien dann um die 100 000 Euro Schaden, weil der betroffene Tank der Molkerei komplett geleert werden müsse. Deswegen wird von der Molkerei auch genau erfasst, welcher Fahrer wann wo abpumpt.

24 000 Liter Milch passen in Laster und Hänger

Und wenn der Test wider Erwarten doch positiv ausfiele? „Schlecht“, sagt Schwaiger nur und trägt seine Kennnummer, die Anzahl der Liter im Tank und das negative Testergebnis in den bereitstehenden Computer der Molkerei ein. Draußen schließt er die Schläuche an seinen Lkw an: Drei an den Laster, zwei an den Hänger – insgesamt 24 000 Liter Milch werden in die riesigen Tanks der Molkerei umgepumpt.

Dass ein Bauer überhaupt Milch im Tank hat, die nicht abgegeben werden darf, „kommt zum Glück nicht oft vor, aber es kommt vor“, erzählt Schwaiger nebenbei. Heuer sei es einmal passiert. „Das macht keiner mit Absicht“, sagt der 40-Jährige. „Das ist mit Ärger verbunden ohne Ende.“

Eine Milchprobe, die der Laster automatisch bei jedem Hof nimmt.

Schwaiger: „Das Putzen gehört dazu.“

Nachdem die Tanks leergepumpt sind, spritzt Schwaiger den Pumpenraum des Lasters aus. Bevor er Feierabend machen kann, muss er den Lastwagen noch reinigen.

„Viele schimpfen über das Putzen“, erzählt Schwaiger auf dem Weg zur Lkw-Waschanlage. „Aber ich finde, das gehört dazu. Wenn ich fertig bin und alles sauber ist, hab ich Feierabend.“

Sein Motto beim Milchfahren: „Nimm da nix vor, weil des schaffst eh ned.“ Sich selbst Zeitdruck zu machen, führe zu nichts. „Hast an Hemmstoff drin, ist der Tag gleich ganz anders als sonst“, sagt er, während er vom Molkereigelände fährt. Da seien mit Ablassen, Reinigung und anderen Auflagen ganz schnell zwei Stunden rum, „ohne, dass du dich angestrengt hast.“

Oder, man wartet hinter zwei Lastwagen an der Waschanlage, fügt er wenig später hinzu. Da ist man aber wenigstens nicht allein, sondern könne die Zeit nutzen und sich mit den ebenfalls wartenden Kollegen unterhalten.

Schwaiger: „Auf d‘Nacht bin i dahoam.“

Gegen den Lkw eines Kollegen gelehnt wartet Schwaiger darauf, selbst in die Waschanlage fahren zu können. Seine Arbeitsschuhe hat er bereits gegen gackerlgelbe Gummistiefel getauscht.

Während das Innere seines Lasters dann mit einem automatischen Spülsystem gereinigt wird, wäscht Schwaiger den Laster gründlich von außen. „Der nächste, der morgen fährt, will ja auch einen sauberen Laster haben“, sagt er.

Zwölf Stunden nach Arbeitsbeginn, macht er sich schließlich auf den Weg nach Hause nach Frauenreuth. Und wieder sagt er: „Fernfahrer, des war nix für mi.“ Das Fahren, die Landschaft, die Arbeit: Alles schön. „Aber auf d’Nacht bin i dahoam“, betont er.

Wie Fernfahrer sei aber auch Milchfahrer ein Job, den man leben muss. Einen kenne er, der habe mit 75 noch als Milchfahrer gearbeitet. „Da denkst dir dann schon: Herrgottzack, voi in der Renten und fahrt immer no“, sagt Schwaiger lachend und fügt voller Überzeugung hinzu: „Einmal Millefahrer, immer Millefahrer.“

von Helena Grillenberger

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