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Die Filialkirche in Kreuz bei Glonn hat 750-jähriges Bestehen gefeiert. Fast wäre sie einmal abgerissen worden. Doch die Bevölkerung leistete erfolgreich Widerstand.

Glonner Filialkirche 750 Jahre alt

Kreuzbrave Kreuzer

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Besucher von auswärts fahren hier vielleicht mit dem Radl zufällig mal vorbei. Gläubige kommen auch hierher, wenn in der Kirche in Kreuz Gottesdienst gefeiert wird. Ein besonderer Festgottesdienst wurde jetzt aus Anlass des 750-jährigen Jubiläums der Kreuzer Filialkirche Mariä Geburt gefeiert. 

Glonn – Der Glonner Heimatforscher Hans Obermair hat sich mit der Geschichte des romanischen Saalbaus mit eingezogenem quadratischem Chor und angefügter Sakristei intensiv beschäftigt. Er kennt die Entstehungshistorie des Kirchleins genau, in dem er auch schon Führungen veranstaltete, unter anderem für den Ortsverein der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Glonn, bei dem er auf viele interessante Details aufmerksam machen konnte.

Das Weihedatum kam zufällig ans Tageslicht. Im Jahr 1974 war nämlich unter dem Altarstein eine Bleikapsel entdeckt worden. In dieser befand sich der Originaltext der Kirchenweihe. Demnach war der Sakralbau 1268 von Bischof Konrad aus Freising eingesegnet worden – also vor genau 750 Jahren. Aus diesem Anlass fand jetzt ein Festgottesdienst in dem Kirchlein statt, in dem knapp 100 Personen Platz finden.

Dass es den Bau überhaupt noch gibt, obwohl der Ort seine frühere Bedeutung verloren hat, ist dem Widerstand der einheimischen Bevölkerung zuzuschreiben, die sich gegen einen drohenden Abriss wehrte. Anfang des 19. Jahrhunderts, genauer um das Jahr 1803, gab es nämlich Bestrebungen, die Kirche abzureißen und die Tuffsteinquader für einen Schulhausbau zu verwenden. Der damalige Glonner Pfarrer Amann, so hat Obermair recherchiert, hätte wohl sein Einverständnis gegeben, weil er das Gotteshaus für entbehrlich hielt. Da waren die Gläubigen aus Kreuz, Reinstorf, Schlacht, Oberseeon, Münster, Reisenthal, Spielberg, Loibersdorf und Lindach aber ganz anderer Ansicht und gaben ihrem Widerstand auch entsprechend Ausdruck. Sie schickten eine Abordnung zum Landgericht Schwaben mit dem Antrag, das Bauwerk unangetastet zu lassen und dafür lieber die Kirche in Adling, Doblberg oder Georgenberg abreißen. Und obwohl die Bittsteller mit dieser Argumentation sozusagen den Heiligen St. Florian bemühten, machten sie mit ihrem Wunsch doch Eindruck. Denn mit einem Schreiben vom 25. Januar 1804 wurde diesem Antrag stattgegeben. Ganz ungeschoren kamen die örtlichen Kirchenfreunde jedoch nicht davon. Sie mussten sich verpflichten, beim Schulhausbau mitzuhelfen.

So beschaulich wie heute war es in Kreuz längst nicht immer – und nicht nur deswegen, weil die Kirche ein Wallfahrtsort war, wie Obermair ermittelt hat. Es gab hier vier Jahrmärkte, die Besucher von Auswärts anzogen. Manchmal überwog das weltliche Geschehen das kirchliche, was also kein Phänomen unserer Tage ist. Jedenfalls wurde bei einer Visitation im Jahr 1560 „bei der Kirchen großer Unfleiß“ attestiert.

Als „Veranstaltungsort“ verlor Kreuz nach und nach seine Bedeutung. „Schon vor 1790 werden die vier Jahrmärkte nach Glonn verlegt. 1833 auch die Viehmärkte“, hat Obermair recherchiert. Die Kirche sei damals jedoch Mittelpunkt der westlichen Glonner Gemeinde geblieben. Immer wieder waren Renovierungsarbeiten notwendig, innen wie außen. 1964 musste sogar der Kirchturm mit Stützpfeilern gesichert werden, weil er sich im Laufe der Jahrhunderte gesenkt hatte. Die Bevölkerung ist ihrer Kirche nach wie vor verbunden. Im Jahr 1950 stiftete Franz Abinger, der Schneeberger von Kreuz, in Dankbarkeit für seine Rückkehr aus dem 2. Weltkrieg eine Glocke. Die alte war für Kriegszwecke konfisziert worden.

Obermair erwähnt in diesem Zusammenhang auch die „Mesner-Nanni von Kreuz, Anna Messerer, die über Jahrzehnte als Mesnerin und Spenderin für „ihre Kirche“ sorgte.

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