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„Bis auf den Teppich war alles weg“: Der Glonner Hotelier Franz Schwaiger in einem seiner Zimmer. 

Was Hoteliers und Wirte erleben

Ihm wurde ein ganzes Zimmer geklaut

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Unglaublich! Über Nacht hat ein unbekannter Gast das Zimmer in einem Glonner Hotel ausgeräumt, Schaden: knapp 6000 Euro. Bei der Zeche sind die Gäste im Landkreis ehrlicher. 

Landkreis – Das was Franz Schwaiger in seinem Hotel in Glonn erlebt hatte, hat mit Zechprellerei nichts mehr zu tun. Einer seiner Hotelgäste verdrückte sich nicht nur, ohne seine Rechnung zu bezahlen. Das war nur das geringere Übel: Als Schwaiger in das Zimmer des unbekannten Gastes schaute, traute er seinen Augen nicht: „Bis auf den Teppichboden fehlte alles“, sagt der Hotelier: Bett, Schrank, Fernseher, Stühle. Über Nacht abgebaut und abtransportiert. Schaden: knapp 6000 Euro. Andere Hotels in Deutschland kennen das Phänomen. Es gebe Fälle, bei denen klauten Gäste sogar die Energiesparlampen aus dem Badezimmer.

Wie ehrlich sind die Gäste im Landkreis?

Schwaigers Fall ist ein Ausnahmefall im Landkreis. Was schon öfter vorkommen könnte, ist die typische Zechprellerei, also zu Gehen, ohne seine Getränke oder sein Essen in Bars oder Gaststuben zu bezahlen. Könnte man denken. Doch im Landkreis scheinen es die Gäste – sowohl in den Hotels als auch in den Kneipen und Gaststätten – größtenteils ehrlich zu meinen.

Dass hin und wieder ein Gast vergesse zu bezahlen, komme vor, sagt Schwaiger – er ist nicht nur Hotelier, sondern auch Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Ebersberg. Das sei aber freilich nicht die Regel. Die Wirte der Region bestätigen das. Marion Pixa, Chefin des Gasthauses Ramsl in Steinhöring, sagt, dass die Zeche bei ihnen noch nie jemand geprellt habe. Nicht einmal Handtücher seien aus den Gästezimmern mitgenommen worden. In der griechischen Taverna Orfeas in Grafing sei ein einziges Mal vor Jahren ein Gast gegangen, ohne zu zahlen. So auch in der Schlossgaststätte Falkenberg bei Moosach: Ein Ehepaar sei dort einmal gegangen, ohne das Gespeiste zu begleichen. Weil der Mann nach einem Toilettenbesuch dachte, die Frau hätte bezahlt – und die Frau, der Mann. Nach eineinhalb Stunden kam das Paar völlig aufgelöst jedoch zurück, um die Rechnung zu begleichen.

Dass die Kunden im Landkreis ehrlich und fair sind, kann Alexandra Dichtler bestätigen. Die Wirtin führt seit 2015 ein Restaurant und einen Biergarten in Ebersberg: Die Alm, am Waldsportpark. 95 Prozent derer, die zu ihr kommen, sind Stammkunden. Noch nie sei es vorgekommen, dass jemand etwas nicht bezahlt habe, sagt sie. Wenn viel los sei und nicht sofort jemand zum Abkassieren komme, erzählt die Wirtin, dann lege der Gast das Geld auf den Tisch – Vertrauenssache eben, man kenne sich. „Je anonymer, desto mehr wird geklaut“, sagt Dichtler.

Nicht einmal im Face-Club, einem modernen Nacht-Club in Poing, oder in der Kölschbar in Ebersberg könne man sich erinnern, dass jemand nicht bezahlt habe. Evi Mascher, Geschäftsführerin der Ebersberger Bierstube, sagt: „Wir kassieren immer gleich ab.“ Damit sei alles gleich geregelt. Außerdem seien viele Gäste bekannt – man kenne und vertraue sich.

Zechpreller gibt es wenn dann in der Stadt

Dass es derart fair zugeht, ist der ländlichen Region geschuldet, bestätigt Katharina Freund vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband in München. Zechprellerei sei beim Verband kein großes Thema, belastbare Zahlen für Bayern gibt es nicht. Freund ordnet dennoch ein: Sollte es dazu kommen, dass jemand seine Rechnung in einem Restaurant oder einer Kneipe nicht bezahlt, dann eher in den größeren Städten. Lediglich drei Fälle in den letzten Jahren aus München sind der Juristin bekannt, die einen Prozess vor Gericht nach sich zogen. Oft als Kavaliersdelikt gesehen, ist die Zechprellerei jedoch ein ernstes Thema, das strafrechtliche Folgen haben kann, sagt Freund.

Mehr als Zechprellerei komme es vor, dass Übernachtungen in Hotels oder die Stornogebühren für Buchungen von Kunden nicht beglichen werden. Das sei zwar ebenfalls strafbar, aber keine Zechprellerei wie das Nichtbezahlen des Feierabendbiers. Der Fall von Franz Schwaiger aus Glonn, dessen Hotelzimmer ausgeräumt wurde, bleibt im Landkreis einzigartig.

Zechprellerei: Die Fakten

Ist Zechprellerei strafbar? 

Es gibt eine zivilrechtliche Verpflichtung des Gastes, der mit dem Wirt mit seiner Bestellung einen Bewirtungsvertrag eingeht, wie Juristin Katharina Freund sagt. Diesen muss der Gast einhalten. Übrigens auch der Wirt. Strafrechtlich wird es für den Preller ernst, wenn der Tatbestand des Betrugs vorliegt, das variiert je nach Fall.

Was darf ein Wirt machen, wenn er jemanden erwischt, der nicht bezahlt? 

Der Wirt sollte, wenn jemand seine Rechnung nicht beglichen hat, die Polizei rufen, empfiehlt der Hotel- und Gaststättenverband. Der Wirt darf übrigens den Gast, sollte dieser noch greifbar sein, bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Im Falle einer Straftat erlaubt das das sogenannte Jedermanns-Festnahmerecht.

Gibt es Ausnahmen, die es erlauben, die Zeche nicht zu bezahlen? 

Dazu gibt es viele Gerüchte. Zum Beispiel, dass ein Gast gehen darf, ohne zu bezahlen, wenn er dreimal den Kellner darauf hingewiesen habe, dass er zahlen wolle. Juristin Katharina Freund sagt, dass das nicht stimmt. Der Gast muss seine Zeche bezahlen, um den Bewirtungsvertrag zu erfüllen. Sollte es nach mehrmaligen Hinweisen nicht möglich sein zu bezahlen, kann der Gast in Ausnahmefällen Name und Anschrift hinterlassen und darum bitten, dass die Rechnung zugeschickt wird.

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