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Idyllisch gelegen und bei Naturfreunden beliebt: Der Kastensee bei Glonn, dessen Ufer sich zum Teil in Privatbesitz befindet. 

Tarife stoßen Badegästen sauer auf

Kastensee: Gemurre am Kassenhäuserl

Die Nachfrage bestimmt den Preis. Wer Uferflächen an einem begehrten Badesee besitzt, kann so viel Eintritt verlangen wie er will. Das gilt auch, wenn die Wasserfläche – in diesem Falle der Kastensee bei Glonn – dem Landkreis Ebersberg und damit der Allgemeinheit der Landkreisbürger gehört, Teile des Seeufers aber in Privatbesitz sind.

Glonn – Der See des Landkreises hat keinen öffentlichen Zugang, darüber streiten Behörde und Uferbesitzer Manfred Lamm schon seit Jahren. Folge für die Badegäste: Wer im Kastensee schwimmen will, muss mit Badeklamotten und Handtuch über Lamm’schen Privatgrund gehen, das kostet Geld. Kassiert wird am Kastensee, bis sich um 21 Uhr die Strandbadtür schießt.

Das führt immer wieder zu Gemurre unter den Badegästen. So beschwerte sich ein Lastwagenfahrer, der sich nach einem anstrengenden und sehr heißen Arbeitstag schnell noch erfrischen wollte. Doch seine Idee vom kühlenden Bad sei ihm nach der sehr unerfreulichen Diskussion mit der Kassiererin schnell vergangen, sagte er der EZ. Was war geschehen? „Die Frau an der Kasse wollte tatsächlich um 20.30 Uhr für die halbe Stunde Schwimmen noch 2,50 Euro Eintrittspreis“, entrüstete sich der Mann. Als er den Preis für 30 Minuten Badespaß hinterfragte, erntete er Ärger. „Lesen’S das Schild, da stehen die Öffnungszeiten drauf und die Preise. Die Preise machen wir, wenn Ihnen das nicht passt, können Sie ja wieder gehen.“ Das machte der Kraftfahrer auch, stieg in die enge und aufgeheizte Kabine seines Lastwagens und fuhr enttäuscht nach Hause.

Freiflächennutzungsentgelt bezeichnet Manfred Lamm auf seiner Kastensee- Webseite den Geldbetrag, den er beim Betreten des Grundstückes erhebt. Er ist Eigentümer der Gaststätte und großer Stücke des Seeufers. Die Badezeiten gestaltet Lamm, wie er das für gut befindet. „Das Bad schließt um 21 Uhr, eigentlich lassen wir ab 20 Uhr keinen mehr rein“, betont der Ingolstädter gegenüber der EZ. Und: „Wer nach 20 Uhr kommt und unbedingt rein will, bezahlt bis zum Schluss, wir sind ein organisierter Betrieb, das lässt sich nicht anders regeln, irgendwo muss eine Grenze sein.“

Der Lastwagenfahrer ist nicht der Einzige, der nicht einverstanden ist mit der Handhabung der Badezeiten und der Kosten dazu. „Machen kannst nix, es ist der einzige See weit und breit“, murrte eine Frau mit buntem Badekleid, die mit Freundin und zwei Kindern Badetaschen in ihr Auto lud. Die Vier nutzten den Abendtarif ab 17.30Uhr und zahlten zusammen neuen Euro (je 2,50 Euro und pro Kind zwei Euro). „Das ist ja noch in Ordnung“, meinte die Frau, erinnerte sich dann dann aber an ein anderes Erlebnis am Kassenhäuserl, das sie bis heute ärgert. „Wir waren viel später dran als heute, in der Ferne zogen schon Gewitterwolken auf. Obwohl klar war, dass wir wegen des Wetters nicht lange drinbleiben können, mussten wir den vollen Abendtarif für alle Personen bezahlen“, empörte sie sich.

„Es gibt keine Möglichkeit, die Zeiten anders zu gestalten“, betonte Lamm damit konfrontiert und ergänzte: „Unsere Preisleistungsstruktur ist gegenüber den Tarifen an anderen Badeseen anständig.“

Badegäste, die mit dem Auto zum Kastensee kommen, bezahlen fürs Parken tagsüber 2,50 Euro, ab 17.30 Uhr 1,50 Euro. Wer auf der Terrasse der Kastensee-Wirtschaft essen möchte, wird an der Kasse kontrolliert, ob er Badezeug mit sich führt. Lediglich Gäste ohne Badetasche kommen ohne Eintritt zu zahlen am Kassenhäuserl vorbei auf die Terrasse des Standwirtschaft. Wer die Badehose dabei hat, zahlt Eintritt, egal ob er anschließend in der Wirtschaft Geld für Brotzeit oder warmes Essen und Getränke lässt, oder nur schwimmt. Wer nach dem Essen noch Schwimmen will, zahlt ebenfalls Eintritt. Lamm meint dazu: „Das hat doch nichts mit dem Baden zu tun“, mehr Auskünfte möchte er dann nicht mehr geben.

„Das ist am Steinsee anders, wer dort isst, zahlt nichts fürs Baden“, wusste am Parkplatz ein Familienvater. „Ursprünglich wollten wir nach dem Baden noch Schnitzel auf der Seeterrasse essen, jetzt haben wir aber schon so viel Eintritt bezahlt, da wird’s heute halt Pizza zuhause geben.“

Am nahen Steinsee sind die Eintrittspreise in der Tat anders gestaffelt, das Parken ist seit diesem Jahr kostenfrei. „Das Prozedere rund um die Badezeiten handhaben wir locker“, sagte Restaurantleiterin Antoaneta Toneva der EZ. „Baden ist bei uns solange möglich, bis das Restaurant schließt. Ab 17 Uhr zahlen unsere Badegäste den ermäßigten Eintritt, bei schönem Wetter ist der Eintritt ab 19 Uhr frei. Wenn das Wetter nicht so toll ist, hat die Kasse komplett zu, dann kann kostenfrei gebadet werden“, informierte Toneva. „Wer im Steinsee-Restaurant Essen geht und anschließend noch schwimmen möchte, braucht dafür nichts zu bezahlen.“

Susann Niedermaier

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