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Kleider und Bilder, die alle persönliche Geschichten erzählen

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Von: Jörg Domke

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Erika Prabst in der Klosterschule Glonn
Erika Prabst mit vier ganz außergewöhnlichen Kleidungsstücken, die alles sind, aber nicht aus Stoff © Stefan Rossmann

Kunstobjekte können ganze Geschichten erzählen. Auch viel Persönliches preisgeben von den Kunstschaffenden. Erika Prabst hat viel Privates hineingewebt in 70 Werke, die in den letzten drei Jahren entstanden. Und dabei ungewöhnliches Material verarbeitet.

Glonn – Gefühle ausdrücken, Erinnerungen teilen, besondere Erlebnisse verarbeiten: Das alles schwingt durchaus nicht selten mit in Kunst. Die ganz Großen unterscheiden sich da von den Akteuren beispielsweise aus dem Landkreis kaum; oder gar nicht. Erika Prabst hat in den letzten drei Jahren viel, nein sehr viel Persönliches einfließen lassen in rund 70 Arbeiten, die seit dem ersten Lockdown entstanden. „Wegen der Pandemie ist Zeit ja auch wirklich nicht das Problem gewesen“, erzählt die 78-Jährige im Vorfeld einer Ausstellung, die sie am Samstag und Sonntag, 14. und 15. Mai, sowie am Wochenende darauf, also am 21. und 22. Mai, in der Galerie Klosterschule in Glonn ganz alleine bestreiten wird. Es handelt sich ausschließlich um Werke, die in dieser besagten Corona-Phase entstanden. Der Titel der Ausstellung lautet: „Mit meinen Augen“.

Ein Kleid aus Tonband-Material: Ein besonderes Erinnerungsstück

Im Grunde geht es um eine Ausstellung mit drei Themen. Am außergewöhnlichsten sind dabei wohl vier Arbeiten, die im weitesten Sinne der Mode zuzuordnen wären. Die Kleider meines Lebens, so heißt es. Allerdings verwendet die gebürtige Murnauerin hier nicht herkömmliche Stoffe, sondern eher untypische Materialien. Materialien, die viel über die Künstlerin bzw. ihr Leben aussagen.

Beispielsweise alte, braune und schwarze Tonbänder und Chromdioxid-Bänder aus alten Musikkassetten, die Erika Probsts Nichte in den USA, selbst eine Kunstschaffende, ihr in großen Mengen zur Verfügung stellen konnte. Die Damen waren gewissermaßen gemeinsam auf die Idee gekommen, dieses Material, bespielt mit zumeist persönlichen Audio-Aufzeichnungen, zu verwenden, um daraus u.a. ein Kleid im Stil der Jahrhundertwende zu fertigen. Anfangs sei noch unklar gewesen, ob das überhaupt funktionieren kann, erzählt die Grafingerin. Mit viel Zeit, Geduld und Können aber entstand etwas, das für Erika Prabst bereits jetzt ein Erinnerungsstück ist, das zugleich ganz viel Familiengeschichte erzählt. Tragbar wäre es allemal. Doch weil so viel Persönliches in der Arbeit steckt, wird es reines Kunstobjekt bleiben.

Ebenso übrigens ein zweites Kleid, das morgen erstmals in Glonn bewundert werden kann. Es besteht im Wesentlichen aus bunt bemalten, beschrifteten Papierschnipseln. Erika Prabst hat hier zunächst einmal Namen von Menschen auf Papier aufgeschrieben, die ihr im Laufe ihres Lebens irgendwas bedeuteten: Freunde, Schulkameraden, Künstlerkollegen, Verwandte. Ein paar Hundert jedenfalls. Diese Zettel wurden wieder zerschnitten und neu zusammengenäht zu einem sogenannten Etui-Kleid. Und damit zu einem Kleidungsstück, das auf ganz andere Art ebenfalls viel von der Künstlerin erzählt.

Hommage an drei große Kunstschaffende

Gleiches gilt für ein Korsett, das ausschließlich aus zurechtgeschnittenen Blistern besteht. Tabletten-Blister, die wegen einer eigenen, langwierigen Erkrankung haufenweise anfielen und nun nach und nach zusammengefügt wurden zu einem Kleid, das jedoch nur angesehen und bestaunt, aber nicht wirklich getragen werden könnte. „Vorbei der Traum“ hat es die Künstlerin vielsagend genannt. Darin enthalten ist ein zarter Hinweis auf das, was wir wohl Vergänglichkeit nennen.

Objekt Nr. 4 ist Blütenkleid; und es stellt eine Verbindung her zur zweiten großen Passion der Kunstschaffenden; das Garteln. Zusammengefügt zu einem Oberteil sind hier unzählige, übrigens echte Blüten. Obwohl sie schon vor einem Jahr verarbeitet wurden, haben sie ihren typischen Duft bis heute nicht verloren. Und um auch hier die Frage zu beantworten, ob es theoretisch getragen werden könnte: Ja, aber er wäre nach Auffassung der Schöpferin sehr fragil.

Ausstellung in Glonn besteht aus drei Themenbereichen

Im zweiten Teil der Ausstellung – Überschrift „Meine Sichtweise“ – geht es um eine ganz persönliche Hommage an die weltberühmten Künstler Klimt, Klee und Matisse. Ihnen hat sich die Grafingerin, die sich seit 1987 mit Malerei und später auch mit Papierobjekten und Hinterglasmalerei befasst, auf ganz unterschiedlichen Wegen genähert. Mal in Gestalt einer Collage, die sich mit der typischen Ornamentik Klimts befasst. Mal mit Motiven bekannter Werke, die Erika Prabst mit großem zeitlichen Aufwand nachstrickte. Durchaus eine Form von Sisyphusarbeit, denn: „Eine Masche zu viel kann bedeuten, dass etwa ein Gesicht schon wieder entstellt wirkt“. Erfahrungen auf diesem Gebiet, sich strickend Kunstwerken zu nähern, hat Erika Prabst übrigens schon vor Jahren gesammelt; als sie Strickporträts etwa von Mandela oder Obama anfertigte. Teil drei wurde schlichtweg „Mein Garten“ genannt. Es geht um Motive aus dem eigenen Garten, der zwangsläufig gut drei Jahre lang ein Hauptort der Inspiration war – wohl nicht nur für Erika Prabst (www.prabst.de).

Die Ausstellung „Mit meinen Augen“ ist an folgenden Tagen in der Klosterschule Glonn zu sehen: 14.5.: 14 bis 18 Uhr; 15.5.: 11 bis 18 Uhr; 21.5.: 14 bis 18 Uhr; 22.5.: 11 bis 18 Uhr.

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