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Der Angeklagte versteckt sich vor dem Landgericht München II in seinem Sakko. Rechts sein Verteidiger Alexander Stolberg.

Prozessbeginn vor dem Landgericht München II

Glonner Turntrainer soll Mädchen über 350 mal missbraucht haben

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Glonn - Es sind schwere Vorwürfe, denen sich ein Informatiker (60) aus Glonn seit Dienstag vor dem Landgericht München II stellen muss. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, fast neun Jahre lang in Glonn die Tochter seiner Lebensgefährtin (50) regelmäßig schwer sexuell missbraucht zu haben.

Das Mädchen soll zu den Zeitpunkten der mutmaßlichen Taten sechs bis 14 Jahre alt gewesen sein. Der Angeklagte, der von Februar bis November 2015 in Untersuchungshaft saß und inzwischen nach Rheinland-Pfalz zog, schwieg zu Prozessauftakt zu den Vorwürfen.

Die Anklage lautet insgesamt auf 357 sexuelle Übergriffe. Begonnen haben sie demnach im Herbst 2006. Gleich beim ersten Übergriff soll der Angeklagte das damals sechsjährige Mädchen beim Fernsehen im Wohnzimmer schwer sexuell missbraucht haben – gefolgt von einem weiteren Missbrauch im Jahr 2006. Laut Anklage soll danach erst einmal Schluss gewesen sein, bis der Angeklagte den Missbrauch im Jahr 2010 wieder aufnahm. Von nun an habe er regelmäßig stattgefunden, wenn die Mutter in der Arbeit war. Im Urlaub in Thailand und in Ägypten habe er sich sogar an dem Mädchen vergangen, während die Mutter im selben Zimmer schlief.

Während der Verlesung der Anklage schloss der Informatiker die Augen und lief rot an. Anschließend wollte er sich nicht zu den Vorwürfen äußern. „Dazu sage ich nichts.“

Zu seinen persönlichen Verhältnissen sagte der 60-Jährige, der aus Hannover stammt, allerdings aus: Er sei früh im Kinderheim gelandet, weil sich seine Eltern scheiden ließen. Erst machte er eine Kochlehre, dann ließ er sich bei der Bundeswehr zum Informatiker ausbilden. Seine erste Frau, mit der er zwei Töchter hat, verließ er. Die neue Lebensgefährtin habe er 2005 über eine Kontaktanzeige gefunden, die sie geschaltet hatte. Gemeinsam wohnten sie die meiste Zeit in Glonn. Als Hobbys gab er Computer an sowie seine Tätigkeit als Trainer beim Kunstturnen des TSV Grafing. Dort trainierte er Mädchen im Alter zwischen vier und 20 Jahren.

Am 27. Februar 2015 wurde der Angeklagte verhaftet. Seine Stieftochter hatte sich einer Schulfreundin anvertraut, dann wandten sie sich an den Schulleiter.

Seine ehemalige Lebensgefährtin und Mutter des mutmaßlichen Opfers beteuerte, dass sie nichts von den Übergriffen gewusst habe. Sie habe den 60-Jährigen 2004 als „ganz netten Menschen“ kennengelernt. Das Verhältnis sei gut gewesen, sie hätten sich nie gestritten. „Wir haben ein normales, schönes Leben geführt“, sagte sie. Er habe ihre Tochter sofort akzeptiert, und diese habe ihn „als Papa“ geliebt. Auf die sexuelle Beziehung zwischen ihr und ihrem Ex-Lebensgefährten angesprochen berichtete sie, dass diese in den letzten Jahren eingeschlafen sei: „Jetzt weiß ich warum.“

Nie sei ihr etwas aufgefallen, sagte die Mutter. „Das ist ja das Schlimme, dass mir nie was aufgefallen ist.“ Die Tochter habe sich ihr aus Angst vor dem Angeklagten nicht anvertraut. Dieser habe ihr aus dem Gefängnis heraus Briefe geschrieben. Darin heißt es, dass „nicht alles so“ sei, wie das Mädchen behaupte. Ihre Tochter leide derweil unter Suizidgedanken. „Sie ist kurz vorm Zusammenbrechen.“ Der Prozess dauert an.

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