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Georg Zankl kümmert sich seit zwei Jahren um die Hühnerschar auf Gut Herrmannsdorf.

Herr der Hühner auf Gut Herrmannsdorf

Lieber kein Paragrafenpolizist sein

Zufrieden und gesund sehen sie aus, die Gefiederten, beim geschäftigen Wuseln vor ihren überdachten und umzäunten Hühnerhäuschen auf den Wiesen des Biobetriebes. Obwohl die etwa hundert Landhühner pro Häuschen ständig in Bewegung sind, geht von der Hühnermenge etwas Beruhigendes aus.

Herrmannsdorf  „Wichtig ist, dass immer genügend Hähne unter einem Volk sind, dann ist mehr Ruhe in der Schar“, erklärt Georg Zankl (29), der seit zwei Jahren verantwortlich ist für die Schafe in Herrmannsdorf, die Obstbäume und eben auch für das Federvieh. Zankls Philosophie und sein Umweltbewusstsein passen gut in den Biobetrieb nahe Glonn.

Kurz nach seinem Masterstudiengang der Forst- und Holzwissenschaften an der Münchner TU leistete er Dienst beim Bayerischen Staatsforst, doch eine anschließende Beamtenlaufbahn kam für ihn nicht in Frage. Nach einem Zusatzstudium Ökologischer Landbau an der Weihenstephaner Uni, Zivildienst als Krankenpfleger, Arbeit als Ornithologe, Entwicklungshilfeprojekt in Ecuador und dem Aufbau einer kleinen Baumschule kam der gebürtige Niederbayer 2015 zu den Herrmannsdorfer Landhühnern. Die hegt und pflegt er jetzt vom Ei bis zum Schlachttag.

Mit den Landhühnern, die Zankl betreut, geht Herrmannsdorf jenseits der Massennorm einen eigenen, anderen Weg. In der restlichen Geflügelbranche setzt man zwischenzeitlich auf spezialisierte Hybrid-Rassen, die weltweit fast ausschließlich von zwei bis drei Großkonzernen, überwiegend vom Weltmarktführer, der Lohmann Tierzucht GmbH, Cuxhaven stammen. Da die Brüder der Hybrid-Legehennen nur wenig Fleisch ansetzen können, werden die männlichen Küken gleich nach dem Schlüpfen getötet. Die Hybrid-Masthühner wachsen in 28 Tagen von 60 Gramm auf etwa 1,8 Kilogramm, am Ende können Skelett und Füße das Gewicht der schnell aufgebauten Muskelmasse kaum mehr tragen. Ihr kurzes Hühnerleben besteht fast ausschließlich aus Liegen, Fressen und Trinken. Anders die Hühnerhaltung im Biobetrieb bei Glonn: Seit 2008 setzt Herrmannsdorf dem Trend der Industrialisierung und der Monopolisierung im Bereich der Geflügelzucht ein klares Zeichen entgegen und macht einfach das, was früher völlig normal war: Hahn und Henne nutzen.

„Das System der industriellen Hühnerhaltung ist für mich schon allein rein ethisch nicht vertretbar“, betont Zankl. Sein Federvolk ist in einen geschlossenen Kreislauf eingebunden, in dem Legehennen gleichzeitig auch Elterntiere sind. Zankl erklärt, wie das funktioniert: „Wir haben Brutschränke, mit denen wir unsere Nachzucht garantieren. Nach dem Schlüpfen kommen die Kleinen in den Küken-Aufzuchtstall und dann nach 4 bis 6 Wochen in die Mobilställe. Die Hennen werden bei uns und Partnerbauern aufgestallt und geben Eier, erst nach etwa fünfzehn Legemonaten werden aus diesen Hennen in unserer eigenen Geflügelschlachtung dann Suppenhühner. Die männlichen Brüder dürfen vier bis fünf Monate auf den Wiesen zusammen mit Schweinen und Rindern verbringen, bevor sie achtungsvoll geschlachtet werden.“

2012 erhielt Herrmannsdorf den Förderpreis ökologischer Landbau der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung für Idee und Umsetzung eines Landhuhn-Darlehens, das zu Finanzierung des Zweinutzungssystems diente. Dabei gaben Kunden dem ökologischen Gut ein Darlehen von 300 Euro, um in den folgenden zehn Jahren dann jedes Jahr einen Warengutschein in Höhe von 40 Euro zurückzubekommen. Den Gutschein kann man in den Verkaufsläden, die Waren des Gutes anbieten, einlösen. Die Idee fand großen Anklang, das erste Darlehen in Höhe von 100 000 Euro wurde Anfang 2010 gewährt.

Derzeit trägt sich das Projekt ohne weitere Darlehen. Obwohl er nicht aus einem Bauernhof stammt, ist Georg Zankl von Kindesbeinen Freund aller Tiere, besonders von Hühnern und Tauben. „Leider hatte ich nicht das Glück, einen eigenen Bauernhof bewirtschaften, zu können. Doch seit ich in Herrmannsdorf gelandet bin und zwischen Schafen und Hühnern lebe und arbeite, ist mein Leben auf jeden Fall angenehmer, als wenn ich als Paragrafenpolizist in einer Behörde mein Dasein zu fristen hätte.“

Von Susann Niedermaier

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