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Re ale Gefahr: Hochwasser im Sommer 2015 im Glonner Ortszentrum. Es kann jederzeit wieder so weit sein. 

Seit 15 Jahren warten Glonner Bürger vergeblich auf Hochwasserschutz

Außer Spesen nix gewesen

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Das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, schnauft Glonns Bürgermeister Josef Oswald (CSU). Auch 15 Jahre nach dem großen Hochwasser, das Teile des Ortes verwüstete und viele Gebäude schwer beschädigte, wurden noch keinerlei wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen. Dabei erinnerte eine erneute Überschwemmung des Ortskernes vor etwa zwei Jahren an die reale Gefahr weiterer Katastrophen. Woran liegt’s, dass nichts vorangeht?

Glonn – Woran liegt’s, dass nichts vorangeht? „Das ist bedingt durch die komplexe Situation“, versucht Oswald einen Erklärungsansatz. Immer mehr Behörden und Beteiligte müssten zu Wort kommen. „Die Verfahren sind komplexer geworden“, bestätigt Marion Natemeyer vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Fest steht: Alle bisherigen Versuche, in Glonn zu einem tragfähigen Hochwasserschutz zu gelangen, waren zu kurz gesprungen. Die Verantwortung dafür lastet jetzt auf vielen Akteuren, und je mehr es werden, umso geringer ist wohl die vom Einzelnen empfundene Schuld, wenn es vor dem Bau von Hochwasserschutzmaßnahmen wieder zu einer Überschwemmung kommen sollte. Das wird aber die dann Betroffenen kaum trösten.

Je länger eine Planung dauert, umso größer ist die Gefahr, dass sie von neuen Fakten überholt wird. Das gilt auch im Glonner Fall. Es fand nämlich ein Strategiewechsel statt. „Am Anfang waren viele kleine Tümpel geplant“, berichtet Oswald. Das war gleichbedeutend mit vielen kleinen Eingriffen auch in sensible Landschaftsbereiche, „und wäre im Endeffekt auch nicht viel billiger geworden als eine große Lösung“, mutmaßt der Bürgermeister. Förder- und genehmigungsfähig sind inzwischen aber nur mehr Planungsvarianten, die einem Hundertjährigen Hochwasser standhalten. Die „Tümpel“ waren damit Makulatur.

Übrig geblieben sind nach 15 Jahren Anstrengungen, den Hochwasserschutz in Glonn endlich Realität werden zu lassen, drei große Varianten, die aber zum Teil mit neun Meter hohen Wällen im Augraben etwa auf Höhe der Wiesmühle verbunden wären.

„Der Augraben ist ein wertvolles Biotop“, sagt Max Finster von der unteren Naturschutzbehörde. „Wir sind hier nah am Landschaftsschutzgebiet und nah an einem FFH-Gebiet.“ Es müsse alles genau geprüft werden, damit die Lösung anschließend „rechtsstabil“ sei. Das ist auch Bürgermeister Oswald klar, der meint: „Ich rechne ohnehin damit, dass da geklagt wird.“ Weitere Verzögerungen wären damit programmiert. Finster sagt aber auch: „Man kann die Glonner nicht alleine lassen mit dem Hochwasserschutz.“

Wie der aussehen könnte, soll nach dem Willen des Glonner Gemeinderates jetzt final geprüft werden. Die Frage, die dabei geklärt werden muss, ist die, welche der drei Varianten die größte Aussicht auf Genehmigung hätte, gleichzeitig den Schutz vor einem hundertjährigen Hochwasser gewährleisten kann und mit dem geringstmöglichen Eingriff in die Landschaft verbunden wäre.

Dass dabei viele Beteiligte ihr legitimes Recht wahrnehmen, ein Wörtchen mitzureden, macht die Sache nicht einfacher, erklärt aber nicht, warum bisher 15 Jahre ohne konkretes Ergebnis verstrichen sind. Einfacher wird das Verfahren auch dadurch nicht, dass die Liste der Träger öffentlicher Belange so lang ist. Unter anderem müssen das Wasserwirtschaftsamt, das Amt für Ernährung, die Forstbehörden, die Fischereifachberatung und die Naturschutzverbände ins Boot geholt werden. Letztere werden darauf verwiesen, dass die Löffelkrautbestände im Kupferbachtal nicht beeinträchtigt werden dürfen. Dieses Pflanze genießt höchsten Schutz, kommt deutschlandweit in nennenswertem Umfang nur mehr im Kupferbachtal vor und hat den Status einer „nationalen Verantwortungsart“.

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