+
Norbert Claus ist der Erfinder des „Trucker Translator“.

Übersetzungs-App für Lastwagenfahrer

Diese App für Brummifahrer reißt mit Bildern Sprachbarrieren ein

  • schließen

Glonn/Taufkirchen – In der Logistikbranche treffen Menschen aus ganz Europa aufeinander. Oft führt das zu Verständigungsschwierigkeiten. Lkw-Fahrer-Ausbilder Norbert Claus hat die Lösung: Eine Bildübersetzer-App fürs Smartphone.

Lastwagenfahren ist ein internationales Geschäft. Nicht nur im Fern-, sondern inzwischen auch im Nahverkehr. Denn die Speditionsmitarbeiter kommen aus vielen verschiedenen Ländern. Grund ist unter anderem ein akuter Fachkräftemangel in der Logistikbranche. Immer wieder ein Problem dabei: Die Verständigung untereinander.

Norbert Claus (66) aus Glonn (Kreis Ebersberg), der in Taufkirchen bei München eine „Trucker Akademie“ leitet, glaubt, dass er eine Lösung gefunden hat, mit der künftig ein Lagerist aus Griechenland mit einem Lkw-Fahrer aus Russland kommunizieren kann. Denn ein paar Brocken Schul-Englisch reichen dann kaum aus.

Elf Sprachen und Fotos: So soll die Verständigung klappen

Die App im Einsatz.

„Trucker Translator“ heißt Claus’ Smartphone-App, die Sprachbarrieren zwischen Logistikmitarbeitern aus ganz Europa einreißen soll. Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Auf dem Handybildschirm zeigt die App Branchenbegriffe wie „Gabelhubwagen“ oder „Vierkreis-Schutzventil“ an – übersetzt in elf Sprachen. Daneben sind entsprechende Fotos, damit keine Unklarheiten bleiben.

„Übersetzer-Apps gibt es zwar in Massen“, sagt der App-Erfinder Claus, „aber keine Bildübersetzer.“ Das ist der Clou an seiner Entwicklung, in die er bisher rund anderthalb Jahre Entwicklungszeit und fast 20 000 Euro investiert hat. Denn der Lastwagenfahrer-Ausbilder, der eigentlich schon in Rente ist, wollte es richtig machen.

Er hat Fotos schießen und die Begriffe von Übersetzern in die Sprachen von Englisch über Ungarisch bis Arabisch übertragen lassen. Und dann die Fahrer aus den entsprechenden Ländern gefragt, „ob sie das auch wirklich so sagen würden“, sagt Claus. Praxisnähe ist für ihn das, was zählt.

Die Arabisch-Übersetzung testet der Erfinder im Flüchtlingsheim

Für die Arabisch-Übersetzung ist Claus damals extra mit dem Smartphone in der Hand zu einem Flüchtlingsheim in seinem Heimatort Glonn gegangen. Als die jungen Männer dort verständig nickten, als er ihnen die Bilder und die dazugehörigen Wörter zeigte, war er mit seiner Entwicklung wieder einen Schritt weiter.

Die Asylsuchenden sind auch ein Grund, weshalb er die App entwickelt hat: Die Branche sucht händeringend neue Fahrer. Bei den Immigranten sieht Claus, der selbst Schulungen für Brummifahrer leitet, dafür großes Potenzial. Nur: Die Fahrer müssen in der Ausbildung schriftliche Tests bestehen. Selbst, wenn sie etwas Deutsch beherrschen, fehlen meistens die Fachbegriffe. „Wenn man ihnen aber ein Bild dazu zeigt, wissen sie sofort, worum es geht“, sagt Claus. „Die Leute sind ja nicht blöd, sie kennen nur die Wörter nicht.“

„Die Leute sind ja nicht blöd, sie kennen nur die Wörter nicht“

So sieht die App aus.

Die App soll also ihren Nutzen sowohl in der Ausbildung als auch in der Praxis haben. Dabei ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen, sagt Norbert Claus: „Es soll wachsen.“ Heißt: Mehr Ausdrücke, mehr Bilder, mehr Sprachen. Die Menüführung funktioniert bereits auf Deutsch, Englisch und Arabisch. Kostenlos sind die deutschen und englischen Begriffe zu den Bildern dabei, jede weitere Sprache kostet einmalig etwas mehr als zwei Euro.

„Das können viele gebrauchen“, sagt Claus, überzeugt, dass seine App das Geld wert ist. Und dass er seiner Branche damit einen Gefallen tut, indem er Migranten den Zugang zum Beruf und den Truckern die Verständigung untereinander erlechtert. „Ich bin im Herzen Spediteur“, sagt er. Aber auch Busunternehmer hätten bereits bei ihm angeklopft. Kann sein, dass Claus’ Idee mit dem Bildübersetzer bald tatsächlich Schule macht.

Der „Trucker Translator“ zum Download

Den „Trucker-Translator“ gibt es bisher nur für Android-Smartphones zum Download im Google-Play-Store.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Telekom: Der Ärger geht weiter
Der Ärger mit dem Festnetz- und Internetkonzern geht in die nächste Runde. Es geht um unseriöse Hausbesuche, Leitungsblockade und um unverschämte Mitarbeiter am Telefon. 
Telekom: Der Ärger geht weiter
Bald kann’s losgehen
Gute Nachricht für alle Fitnessfreunde: Im Poinger Sportpark stehen die ersten Geräte für den Trimm-Dich-Pfad. Die offizielle Eröffnung soll Ende Juni erfolgen, …
Bald kann’s losgehen
Egmatinger wollen Dorfladen
Hat ein Dorfladen in der Gemeinde Egmating eine Chance? Das sollte eine Umfrage klären, deren Ergebnisse Unternehmensberater Wolfgang Gröll nun auf der Bürgerversammlung …
Egmatinger wollen Dorfladen
Wohnungen fürs Personal
3300 Quadratmeter mehr Nutzfläche soll im Seniorenwohnpark in Vaterstetten entstehen. Das ist ein Plus vor rund 15 Prozent. Unter anderem sind 64 neue Wohnungen für …
Wohnungen fürs Personal

Kommentare