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Amtsgericht Ebersberg: Hier wurde die Frau verurteilt.

Verhandlung am Amtsgericht Ebersberg

66-jährige Frau beklaut hilflose Heimbewohner

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Jahrelang hat eine Angestellte des Glonner Marienheimes Bewohner der Einrichtung, Angehörige und Erben um erhebliche Eurobeträge geprellt. „Das Geld war zum Teil von Verstorbenen“, räumte sie vor dem Amtsgericht Ebersberg ein.

Glonn – „Das Geld war zum Teil von Verstorbenen“, räumte die Angeklagte  vor dem Amtsgericht Ebersberg ein. Dort wurde ihr am Montag der Prozess gemacht. In 74 Fällen war die 66-Jährige geständig. Schaden: 35 000 Euro. Die Frau ist inzwischen in Rente. Sie wurde zu zwei Jahren Gefängnis, ausgesetzt zur dreijährigen Bewährung verurteilt.

Vorsitzender Richter Markus Nikol hielt der Angeklagten aus dem Kreis Rosenheim zugute, dass sie „spät aber nicht zu spät“ ein Geständnis abgelegt hatte. Gleichwohl erkannte er, man habe „nur die Spitze des Eisbergs verhandelt“. Im Raum standen nämlich insgesamt 178 Fälle der Untreue, begangen in Tateinheit mit Urkundenfälschung bei einem Gesamtschaden von 50 000 Euro. Was die Frau mit dem Geld gemacht hat, konnte sie nicht sagen. Sie muss jetzt 200 Euro im Monat zurückzahlen.

Der Träger der Einrichtung, die Caritas, kämpft gegen den entstandenen Imageschaden, „und der ist enorm“, sagte ein Vertreter der Hilfsorganisation, der der Verandlung beiwohnte. Man habe sich bemüht, alle Geschädigten zu ermitteln und finanziellen Ersatz zu leisten.

Die Angeklagte tischte vor ihrem Geständnis dem Gericht eine Räuberpistole auf. Zweimal habe sie sich auf ihr Privatkonto jeweils über 1000 Euro überwiesen, aber nur, um damit auf Fehler in der Buchhaltung hinzuweisen. „Warum haben Sie das dann nicht gemacht?“, wollte Richter Nikol wissen. „Anscheinend kann ich das nicht erklären“, meinte die Frau.

Ihr Trick bestand darin: Von dem Geld, das eigentlich auch als Taschengeld für die Bewohner bestimmt war, zweigte sie jahrelang erhebliche Beträge ab und unterzeichnete die Quittung mit falschem Namen, nämlich dem des Empfängers, der das Geld aber nie sah, weil die Angeklagte es selbst einschob. Der Betrag wurde als Barausgabe ausgebucht. Zum Teil konnten Auszahlungen nicht mehr nachverfolgt werden, weil der betreffende Bewohner inzwischen verstorben war.

Der 1. Fall ereignete sich bereits 2010. Warum die Frau mit ihrem kriminellen Tun so lange unbemerkt blieb, kam in der Verhandlung auch zur Sprache. „Es wurde der Angeklagten sehr leicht gemacht. Das Vier-Augen-Prinzip wurde nicht beachtet“, führte Verteidiger Wolfgang Müller vor Gericht aus. Bei der Strafzumessung bat er zu berücksichtigen, dass sich der Ehemann der Angeklagten aufgrund des Vorfalls von seiner Frau scheiden lassen wolle und auch die ganze Familie sich von der 66-Jährigen abgewandt habe.

Richter Nikol wies auf die kriminelle Energie der Täterin hin: Zwei Monate, bevor sie organisationsintern die Arbeitsstätte wechseln sollte, häuften sich die falschen Unterschriften richtig. Trotz ihres Alters und ihrer Depressionen wird die Angeklagte deshalb 500 Stunden sozialen Dienst leisten müssen. Da half auch nicht, dass sie nach ihrer Versetzung heimlich das Marienheim betrat und dort Kuverts mit 7000 Euro aus ihrer Beute rückdeponierte. Den Schlüssel hatte sie.

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