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Das Nahwärmenetz im Glonner Ortsteil Wetterling sollte ein Vorzeigeprojekt werden. Das wurde es nicht. Bürgermeister Josef Oswald (CSU) sagt, er würde die Anlage heute nicht mehr bauen. Die Gemeinde muss Defizite decken.

Wenn die Energieversorgung schief geht

Nahwärme „steht“ auf der Leitung

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Im Landkreis Ebersberg wachsen die Nahwärmenetze. Nicht alle sind dabei gleich erfolgreich. In Glonn gibt es zum Beispiel acht Nahwärmeprojekte, eines davon ist nicht profitabel. Das ist die Versorgung von Wetterling.

Glonn - „Ich würde sie heute nicht mehr bauen“, sagt der Glonner Bürgermeister Josef Oswald (CSU). So klein diese Anlage auch ist, kann sie doch exemplarisch Schwierigkeiten aufzeigen, die auftreten können und die Wirtschaftlichkeit bedrohen. Es geht um Abnehmerdichte, abgenommene Wärmemenge und Leitungslänge. Dieses Verhältnis ist in Wetterling nicht optimal.

Das Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern und ist wohl im Zusammenhang mit der damals umstrittenen Hackschnitzelheizung in Zinneberg zu sehen. Die Gemeinde Glonn wollte erkennbar Vorreiter sein bei den Bemühungen um die Energiewende im Landkreis Ebersberg. Dass die Bauwilligen in Wetterling einem Anschlusszwang unterworfen wurden, war vielleicht gut gemeint. Aber damit hat auch derjenige, der diesen Anschlusszwang beschlossen hat, Verantwortung übernommen – und das ist der Glonner Gemeinderat. Dabei hätte Wetterling ein Standort für besonders ökologie-bewusste Bauherren werden sollen. Das waren sie auch, und zwar so gründlich, dass die Gebäude teilweise in einem Baustandard errichtet wurden, der die ursprünglichen Energieeinsparvorgaben sogar übererfüllte. Und damit begannen auch schon die Probleme. Der Bedarf an abgenommener Wärme war nicht so hoch, wie vom Planungsbüro prognostiziert war. Weniger Wärmeabnahme bedeutet auch weniger Einnahmen für die Gemeindewerke Glonn „Geweg“. Dabei handelt es sich um eine 100-prozentige Tochter der Kommune. Verwaltungsratsvorsitzender ist der Glonner Bürgermeister. Eventuell auftretende Verluste gleicht die Gemeinde aus dem kommunalen Haushalt aus, bestätigt er. Oswald sagt zwar, dass die Geweg im laufenden Betrieb schwarze Zahlen schreibe. Aber: Das ist vor Abschreibung und Investitionen für Instandhaltung. Große Rücklagen können so nicht gebildet werden. Die Geweg kann trotzdem nicht pleite gehen und und wird es auch wegen der fehlenden Wirtschaftlichkeit nicht. Dass Wetterling deswegen „pleite ist“, wie es im Bairer Gemeinderat zu hören war, ist also falsch. Richtig ist hingegen, dass bei der Teilnehmerzahl von etwas über 30 Anschlussnehmern das Leitungsnetz von über einem Kilometer Länge ein richtiges Problem darstellt. Nach einer Untersuchung von Fachleuten summieren sich die relativen Netzwärmeverluste auf 31 Prozent der Gesamtwärmeversorgung. Geheizt wird mit Biomasse, was folgende Rechnung erlaubt: Werden in Wetterling drei einheimische Bäume verheizt, geht einer dabei energietechnisch in Rauch auf – er erwärmt den Boden, statt die Häuser. Ein ökologisch nachhaltiges Energiekonzept schaut anders aus. Werden Investitionen für Reparaturen oder eine Effizienzerhöhung fällig, müssten die aus dem Gemeindehaushalt bestritten werden – eine politische Entscheidung, der der Gemeinderat zu treffen hätte.

Dass es in Wettering keinen Großabnehmer von Nahwärme gibt, verschärft das Problem, weil die Leitungsverluste deswegen umso schwerer wiegen. Versuche, in Alt-Wetterling weitere Anschlussnehmer zu finden, waren erfolglos.

Schließlich fand sich eine Handvoll Hausbesitzer, die bereit gewesen wären einzusteigen. „Aber die waren ausgerechnet am anderen Ende von Wetterling“, berichtet Oswald. Sie hätten aufgrund der langen Zuleitung das Problem der Wärmeverluste in Wetterling noch verschärft, statt es zu entschärfen.

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