Seit 65 Jahren miteinander verheiratet: Johann und Irene Schaborak aus Glonn sind zufrieden. Foto: stefan Rossmann

Sie teilen Freude und Leid miteinander

Glonn - Zufrieden sein mit dem, was man hat: Das ist die große Stärke von Johann und Irene Schaborak, die seit 70 Jahren in Glonn leben. Fast genauso lange, nämlich 65 Jahre, sind sie verheiratet.

Früher - damit meint Irene Schaborak ihre Kindheit in Böhmen. Mit 18 Jahren wurde sie aus ihrer Heimat vertrieben und kam nach Glonn. „Die Glonner waren seit jeher ein flüchtlingsfreundliches Dorf“, sagt sie. „Und weil die Landschaft genauso schön ist, wie die meiner Heimat, habe ich mich schnell eingelebt.“

In ihrer neuen Heimat Glonn lernte sie Johann kennen - auf dem Fußballplatz des gerade erst gegründeten ASV Glonn. Johann Schaborak hatte ebenfalls seinen Geburtsort in Südmähren, das heute zu Tschechien gehört, verlassen müssen.

Ein Jahr nach der Hochzeit wurde der erste Sohn der Schaboraks, Dieter, geboren. Bald darauf folgte Tochter Karin, später Elke. Sie lebt mit ihrer Familie auf Sardinien. Mittlerweile sind noch vier Enkel und zwei Urenkel hinzugekommen.

Eigentlich wollte Irene Schaborak Lehrerin werden. Doch die Vertreibung aus der Heimat und die Sprachbarriere - sie sprach zunächst nur Tschechisch - verhinderten ihre Pläne. Stattdessen erzog sie die Kinder, während Johann Schaborak als Abteilungsleiter in einer Münchner Firma arbeitete. Der technisch versierte 88-Jährige arbeitet noch heute gerne an seinem Computer, während seine Frau, ebenfalls 88, sich lieber mit Handarbeit beschäftigt.

Stolz erzählt die Urgroßmutter von ihrem Enkel Manuel Kuthan, einem bekannten Zitherspieler, der vor kurzem am Tegernseer Volkstheater in einer Hauptrolle Premiere gefeiert hat. „Er erinnert mich an meinen Vater“, sagt die Seniorin. Der talentierte Enkel kümmert sich außerdem als Sozialpädagoge um Flüchtlinge - so schließt sich der Kreis zur eigenen Geschichte der Schaboraks.

Ihre Kindheit in Böhmen hat Irene Schaborak sogar in einem Buch festgehalten. Ihre Memoiren hat sie in Kleinstauflage in ihrer Familie verschenkt. Kaufen kann man sie nicht. „Je älter man wird, desto mehr Erinnerungen kommen wieder zurück“, sagt sie, als sie von ihrer Sehnsucht nach der böhmischen Heimat erzählt, zu der bis heute noch Kontakt besteht.

Nach 65 Jahren Ehe zieht Schaborak Resümee: „Am wichtigsten ist es, treu zu sein und Freud und Leid zu teilen.“ Besonders im Alter. Aber: „Wir sind grundsätzlich zufriedene Leute.“

Von Rosa Pfluger

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