Dramane Diarra aus Kirchseeon kämpft um das Bleiberecht für sich und seine Familie. foto: SRO

Abschiebung aufgeschoben

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Glonn - Dramane Diarra (32) blickt etwas optimistischer in die Zukunft als noch zum Ende des vergangenen Jahres. Es gibt Hoffnung für ihn und seine Familie.

Dank der Finanzspritze seines Arbeitgebers konnte er seinen Anwalt rechtzeitig bezahlen, sodass dieser nun Klage gegen die Ablehnung seines und des Asylantrags seiner Frau Djeneba (27) eingereicht hat.

Den Jahreswechsel hatte die vierköpfige Familie des Mechanikers unter großer Anspannung verbracht. Die Frist, binnen 30 Tagen Deutschland zu verlassen, war ihnen quasi über die Feiertage gesetzt worden. Andernfalls werde das Ehepaar zusammen mit den beiden Kindern Lehla (3) und Mohamed (3 Monate) nach Mali abgeschoben, so das Schreiben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Beklemmend für die Familie: Sie hatte nur bis zum 4. Januar Zeit, Einspruch gegen den Bescheid einzulegen, der erst nach knapp drei Jahren Bearbeitungszeit zugestellt wurde.

Der Grund für die Ablehnung das Asylantrags: In Mali drohe der Familie keine „individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit“.

Die Vorkommnisse in Libyen, wo Dramane nachts von uniformierten Unbekannten verprügelt wurde, die dann seine Frau mehrfach vergewaltigten, hätten auf die Entscheidung keinen Einfluss, da die Abschiebung nicht dorthin erfolgen würde.

Dramanes Vater war in Mali 1991 bei Unruhen ums Leben gekommen, weshalb der Sohn als Neunjähriger mit seiner Mutter fluchtartig das Land nach Libyen verließ. Seine Frau Djeneba wuchs dort auf, war noch nie in Mali, beide Kinder sind in Deutschland geboren. Nun muss ein Gericht klären, ob die Diarras langfristig eine Chance bekommen, sich hier ein Leben aufzubauen.

Überrascht zeigten sich Dramane und sein Chef Joachim Stefer über die große Resonanz, auf die das Dilemma der Flüchtlingsfamilie in der Öffentlichkeit stieß. Sogar mehrere Fernsehsender wollen Kurzbeiträge über die Diarras veröffentlichen. Besonders aber freut sich Dramane über den Zuspruch, den er aus seinem Umfeld erhält: „Das tut gut.“ Das Medienecho ist der Familie mittlerweile etwas unheimlich, allerdings wollen die Diarras nichts unversucht lassen, damit sie in Deutschland bleiben können und Dramane seinen Job als Mechaniker behalten kann. Wie die Chancen dafür stehen, vermag sein Anwalt bisher noch nicht einzuschätzen.

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