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Willi Zimmermann mit seiner Frau Joyce. Zusammen haben sie in Kanada ein Imperium aufgebaut.

Der Glückspilz

Ebersberg - Viele Heimatvertriebene, die nach dem 2. Weltkrieg in Ebersberg eine Bleibe gefunden, aber noch keine Wurzeln geschlagen hatten, versuchten ihr Glück andernorts. Bevorzugt waren die USA, Kanada und Australien. Der Versuch, ihre Zukunft neu zu gestalten und bessere Lebensbedingungen zu schaffen, endete nicht selten in Enttäuschung. Doch sind auch Fälle bekannt, die sich ins Gegenteil verkehrten und – um ein Klischee zu bemühen – den „Amerikanischen Traum“ wahrmachten.

Damit beginnt auch schon die Geschichte des Ebersberger Willi Zimmermann. Längst noch nicht volljährig, packte er 1956, elternlos in Begleitung von Onkel und Tante, seine wenigen Habseligkeiten in einen Koffer, um den Ozean zu überqueren und das verheißungsvoll angepriesene Kanada anzusteuern, wo bereits ein Cousin zaghaft Fuß gefasst hatte. Dass sich das Gastland von seiner Härte zeigte und den Tribut der Einwanderer forderte, war unmittelbar zu spüren: Erntearbeiter für Sonderkulturen – damals eine unumstößliche Bedingung der Einwandererbehörde – wurden im dünn besiedelten Westen des Landes für die Dauer von zwei Jahren dringend gebraucht.

Der damals 16-jährige Willi Zimmermann musste auf verschiedenen Farmen Knochenarbeit verrichten. Dass der Onkel und die Tante dem Land bald den Rücken kehrten, um nach Ebersberg bzw. Grafing zurückzukehren, war angesichts der Gegebenheiten nicht überraschend. Im Herbst 1958 war es, dass der zurückgebliebene Willi in einer Dairyfarm (Milchviehbetrieb) unterkam und dort auch seine spätere Frau Joyce kennenlernte. Sie war es auch, die mit ihrem Hausarzt Dr. O’Neal einmal ins Gespräch kam, dessen Ergebnis bestimmend war für den weiteren Lebensabschnitt Zimmermanns und den immensen unternehmerischen Erfolg.

O’Neal war nicht nur ein erfolgreicher Arzt, sondern auch Teilhaber einer weniger erfolgreichen kleinen Champignonfarm, die kaum Gewinn abwarf. Willi, von der Sache weniger überzeugt, wurde letztendlich von Joyce überredet, es mit diesem Erwerbszweig zu versuchen, in den O’Neal seine Fachkenntnisse nutzbringend einbrachte. Doch auch hier hatten die sprichwörtlichen Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt. „Nur meine Frau und ich, gelegentlich von einer mithelfenden Nachbarin unterstützt, hatten oft einen Arbeitstag von 16 Stunden und mehr zu schaffen“, erinnert sich Zimmermann heute an die Anfänge. Nicht umsonst, wie sich zeigen sollte.

Zwischenzeitlich stellten sich Sohn Lawrence – heute in leitender Position – und Tochter Ann ein. Der Betrieb wurde prächtig wie der Edelpilz. Die äußeren Zeichen des Erfolges: Willi Zimmermann machte den Pilotenschein und saß bald am Steuerknüppel seiner viersitzigen Piper, mit eigener Landebahn versteht sich. Auch eine schmucke Jacht, mit der er auf dem nahen Eriesee schipperte, gehörte bald zum ansehnlichen Inventar.

Zimmermanns Farm liegt in Leamington, am südlichsten Zipfel von Kanada. Zahlen sprechen für sich: Produzierte die Farm im ersten Jahr insgesamt rund 30 000 Kilo Champignons, so waren es im Vorjahr 2009 deutlich über eine halbe Million Kilo pro Woche. Eine Armada von Trucks beliefert ganz Kanada bis Montreal im Norden und in die Vereinigten Staaten bis Salt Lake City sowie zahlreiche weitere US-Anrainerstaaten. Derzeit beschäftigt die als Cooperation eingetragene Produktionsstätte 1150 Mitarbeiter. Sie gilt als die größte Kanadas.

Willi Zimmermann als „Glückspilz“ zu bezeichnen, liegt quasi in der Natur der Sache, mit der gleichzeitigen Anmerkung, dass Zimmermanns Lebenswerk ohne den immensen Fleiß zusammen mit seiner Frau Joyce nicht annähernd zustande gekommen wäre. Auch heute mit 70 Jahren will er seine Hände noch längst nicht in den Schoß legen und weitermachen, so lange es seine Gesundheit zulässt. Nicht vergessen hat Willi Ebersberg und seine Schulkameraden von einst, deren Freundschaft er in regelmäßigen Besuchen anhaltend pflegt. Im Mai will er wieder nach Ebersberg kommen.

Von Werner Hubert

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