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Kater Findus, der nach einem Verkehrsunfall per Gnadenschuss getötet wurde.

Ärger nach Unfall

Gnadenschuss für Findus: Polizist wird angezeigt

  • VonJörg Domke
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Anzing - Eine Anzingerin fährt eine Katze an und ruft die Polizei. Eine Streife kommt, schaut und gibt „Findus“ den Gnadenschuss. Der Besitzer des Tieres, ein Anwalt, ist entsetzt - und zeigt den Polizisten an.

Eigentlich geht es hier um einen traurigen, aber alltäglichen Vorfall. Am 4. November fährt die Anzingerin (Name ist der Redaktion bekannt) die Katze an. Kater Findus will die Parkstraße überqueren – und schafft es nicht. Die Autofahrerin macht alles richtig. Sie hält an und sieht, dass Findus noch lebt. Sie ruft die Polizei Poing an, bleibt am Unfallort. Der verletzte Kater hat sich noch in einen Vorgarten gerettet. Äußere sichtbare Verletzungen? Fehlanzeige. Das Tier hat Schmerzen, miaut laut und ist bei Bewusstsein, heißt es später in den Akten.

Gut zehn Minuten später sind die Polizeibeamten da. Einer der Polizisten, wir nennen ihn hier lediglich K., entscheidet sich zum Gnadenschuss gezielt in die Brust. Die Streife bringt den toten Kater danach in die Tierarztpraxis Heesen nach Markt Schwaben.

In der Zwischenzeit macht sich die Familie N., der die Katze gehört, erste Sorgen. Der Sohn bringt bereits Suchplakate an. Und wird dabei von einem Freund der Familie beobachtet. Der gibt einen Tipp. Die N.s fahren in die Schwabener Praxis. Und bekommen dort die schreckliche Gewissheit: Ihr Findus ist tot. 

Der Kater hatte eine Tätowierung, TASSO-Registrierung genannt: BM 649 steht im rechten, EBE 13 im linken Ohr. Damit wäre der Halter schnell zu ermitteln gewesen. Warum das nicht passierte, weiß N. nicht. Der Rechtsanwalt sagt: Das Tierschutzgesetz regelt eindeutig, dass Wirbeltiere nur unter Verwendung von Betäubungsmitteln und schmerzfrei getötet werden dürfen. Außerdem dürfe nur ein Wirbeltier getötet werden, wenn eine entsprechende Befähigung dazu vorliege. Der Gnadenschuss für Findus aber sei aufgrund der sich gebotenen Sachlagenicht zwingend nötig gewesen. 

N. erstattet Anzeige gegen den Polizeibeamten K. und seine am Einsatz beteiligten Kollegen – wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die Tötung sei rechtswidrig, überflüssig und grausam gewesen, schreibt er in seiner Strafanzeige, adressiert an die Staatsanwaltschaft München II. 

N. begründet sein Vorgehen so: „Aufgabe der Polizei wäre es gewesen, das verletzte Tier in tierärztliche Versorgung zu bringen. Das Tier konnte problemlos eingefangen werden, zumal es nach Aussage des Polizeibeamten K. nicht laufen konnte.“

Findus hätte, so schreibt N. weiter, ohne weiteres in die nächstgelegene Praxis gebracht werden können und nennt Dr. Beckmann-Müller in der Poststraße. Auch der Tierschutzverein hätte verständigt werden können. Beides aber sei nicht geschehen.

Bei der Polizei Poing sieht man den gesamten Vorgang ganz anders. Der stellvertretende Dienststellenleiter Manfred Winter sagt auf Anfrage der Ebersberger Zeitung, dass Kollege K. voll und ganz im Sinne des Artikels 11 des Polizeiaufgabengesetzes gehandelt habe. Dort steht sinngemäß, dass ein Polizist entsprechend der vorgefundenen Lage Maßnahmen zu ergriffen habe, um zum Beispiel Gefahren für ein Tier abzuwenden. Nichts anderes sei hier passiert. Der Anzeige sehe man daher gelassen entgegen. Damit aber nicht genug. Inzwischen ist der Beamte K. in die Gegenoffensive gegangen und hat wiederum Anwalt N. angezeigt – wegen falscher Verdächtigungen.

Im Nachhinein glaubt sich die Polizei ohnehin zweifelsfrei auf der richtigen Seite. Weil N. der gesamte Vorgang keine Ruhe lässt, wird der schon beerdigte Kater Findus nämlich wieder ausgegraben und in einer Poinger Tierarztpraxis obduziert. Dabei kommt heraus, dass Findus zwar nicht lebensgefährlich verletzt war, aber eine schwere Wirbelsäulenverletzung von sich trug. N.: „Die Ärztin hätte uns geraten, Findus einzuschläfern“. Und dieser Empfehlung wäre Familie N. auch gefolgt. Dennoch sei aus seiner Sicht der Tatbestand – Verstoß gegen das Tierschutzgesetz – erfüllt. N.: „Polizisten können nicht einfach verletzte Haustiere kraft eigener Kompetenz töten, Erschießen geht gar nicht.“ N. hat eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Polizeipräsidium München eingereicht.

Demnächst wird der Vorgang vom Staatsanwalt geprüft. Vizepolizeichef Manfred Winter ist sich sicher, dass hier bereits die richtigen Weichen gestellt werden.

Jörg Domke

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