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Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Grafing baut jetzt eine Unterkunft für 150 Menschen.

Einstimmiger Beschluss im Stadtrat

Grafing baut Flüchtlingsheim

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Grafing - Der Grafinger Stadtrat hat am Dienstagabend erwartungsgemäß beschlossen, dass südlich des Köstler-Geländes eine große Asylbewerberunterkunft für 150 Menschen gebaut wird. Der Beschluss fiel einstimmig.

Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) sah sich vor der Sitzung in der Bürgerfragestunde einer sehr skeptischen Haltung seitens der zahlreich erschienenen Bürger gegenüber, die ihre Bedenken formulierten, was die Lage und die Größe des Vorhabens betrifft. Obermayr wich vom sonst üblichen Protokoll ab und gab den Anliegern ausgiebig Zeit, ihre Bedenken zu formulieren und Fragen zu stellen. Das entspannte die Situation. Sogar mitten in der Sitzung, sonst eigentlich ausgeschlossen, erteilte sie einem Bürger Rederecht, der eine Nachfrage hatte.

Stadt ist unter Zugzwang

Die Stadt Grafing ist unter Zugzwang. Wenn sie nicht selbst und zügig eine Unterbringungsmöglichkeit für Asylbewerber und anerkannte Asylanten schafft, droht folgendes Szenario: „Im Gewerbegebiet in Schammach hab ich dann locker 400 Leute“, warnte Obermayr. Denn nach wie vor gibt es Begehrlichkeiten, dort bestehende Bauten umzunutzen oder für Zwecke der Flüchtlingsunterbringung neu zu errichten. Das kann die Stadt nur abwehren, wenn sich anderswo Möglichkeiten auftun.

Anlieger-Widerstand verhindert dezentrale Unterbringung

„Warum wird das so ein Ghetto?“, wollte eine Bürgerin in der Aussprache wissen. Ob es keine Möglichkeiten gäbe, die Asylbewerber „dezentral“ zu verteilen. Obermayr erinnerte an die Widerstände, „wenn ich 40 Leute irgendwie unterbringen soll“ und meinte damit das Projekt in der Mühlenstraße.

„Das liegt am Schulweg zwischen Schammach und Grafing“, wandte ein Vater ein. „Das macht Angst“. Obermayr räumte ein: „Das ist ein ungutes Gefühl, das verstehe ich.“

Kritische Stimmen auch im Stadtrat

Auch im Stadtrat selbst gab es kritische Stimmen zur Größe der Unterkunft. „Wenn ich da 200 Trachtler reintue, ist es dasselbe“, meinte ein Zuhörer zu den Konflikten, die dort aufkommen könnten. Ob eine Security vor Ort geplant sei? „In Kirchseeon gibt es eine“, sagte Obermayr. Betreiber der Unterkunft sei allerdings die Regierung von Oberbayern in deren Zuständigkeit das auch liege.

Bau soll zehn Jahre stehen bleiben

Das Asylbewerberheim Nähe Köstler soll für erst einmal zehn Jahre dort stehen bleiben. Es bietet Platz für 120 Flüchtlinge und 30 anerkannte Asylbewerber. Die Bauweise soll ermöglichen, das Gebäude nach zehn Jahren wieder abzutragen. Kosten wird die Unterkunft in etwa vier Millionen Euro, die von der Stadt vorfinanziert werden müssen. „Das belastet uns ungemein“, warnte Kämmerer Christian Bauer. Obermayr hält es nach wie vor für wünschenswert, dass in der Stadt weitere kleine Unterkünfte entstehen. Da gab ihr Max Graf von Rechberg (CSU) Recht, der dafür plädierte, „alle Menschen gleichmäßig zu belasten“. Riesige Hallen seien nicht zumutbar.

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