Beckstein Fauth Stadthalle
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Interessierte Zuhörer in der Grafinger Stadthalle: Festredner Günther Beckstein (r.) und der ehemalige Landrat Gottlieb Fauth.

Ehemaliger Ministerpräsident Beckstein Festredner in der Grafinger Stadthalle

Heimat: Geborgenheit, Verantwortung und „gesunder Patriotismus“

  • Robert Langer
    VonRobert Langer
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„Heimat, ein Begriff der ewig Gestrigen, welch ein Blödsinn.“ Das sagte der frühere  Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) beim Tag der Heimat als Festredner in Grafing.

Grafing – Heimat sei Geborgenheit, sagte Beckstein bei der Veranstaltung, die seit vielen Jahren von der Arbeitsgemeinschaft der Landsmannschaften organisiert wird.

Beckstein zog klare Grenzen. Er sprach sich für „gesunden Patriotismus“ aus. Das gehöre zu einem Land. Er wandte sich aber deutlich gegen einen „übersteigerten Nationalismus“.

Humorvoll und nachdenklich

Bürgermeister Angelika Obermayr (Grüne) hatte als Hausherrin in ihrem Grußwort ein Zitat Becksteins eingebaut. Der zeigte sich in seiner Rede humorvoll und nachdenklich, wies darauf hin, dass er seit zehn Jahren keine Ämter mehr habe und nahm sich die Freiheit, seine noch aktiven Kollegen zu ermahnen, mehr Kontakt zum Bürger zu halten.

Nicht immer freundlich empfangen

Beckstein stellte in seiner Rede klar, die Vertriebenen aus den ehemalig deutschen Gebieten im Osten seien im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht immer freundlich empfangen worden. Aber für den Freistaat Bayern seien ihre Fähigkeiten ein Glück gewesen, für die wirtschaftliche Entwicklung heraus aus dem damaligen Agrarstaat. „Wir haben sehr bald gesagt, der vierte Stamm der Bayern sind die Sudetendeutschen. Das ist nicht nur ein Spruch.“ Die Vertriebenen hätten ihren Reichtum nicht ererbt, sie seien oft gerade einmal mit einem Rucksack angekommen. „Wer zu Wohlstand kommen wollte, der musste hart arbeiten.“ Am Aufstieg Bayerns hätten die Flüchtlinge einen großen Anteil gehabt. „Der fünfte Stamm Bayerns sind übrigens die Juden. Es steht uns gut an, uns dazu zu bekennen“, so Beckstein.

Vorbild für alle: Gut integriert

Die Vertriebenen hätten sich integriert. Das sei Vorbild für alle, die kommen. Sehr wichtig sei der Verzicht der Betroffenen auf Rache und Vergeltung für die Vertreibung gewesen. Klar festgelegt wurde aber das Recht auf Heimat. Damit seien Vertriebenen entscheidende Bauleute Europas. Dabei äußerte Beckstein große Bedenken in Bezug auf einige Länder Osteuropas, zog aber auch den Begriff Heimat auf eine andere Ebene. Das sei nämlich ein wunderbarer Begriff, um Menschen „Geborgenheit zu geben“. Und das in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt. Heimat sei aber auch dazu da, um sich zu engagieren, sich hochzuarbeiten, wie die Vertriebenen. 

Ehrenamt ist notwendig

„Heimat ist etwas, wo wir selber unmittelbare Verantwortung haben.“ Notwendig sei dazu auch das Ehrenamt. Und es gehe darum, sich mehr um die Nachbarschaft zu kümmern, „Vereinsamung ist ein großes Problem.“ Kümmern müsse man sich auch um die „geistige Heimat.“ Die Kirchenaustritte stiegen, die Sekten hätten Zuwachs. Klar wurde in der Versammlung von allen Seiten, dass Vertreibung Unrecht ist, ob damals aus den Ostgebieten oder heute in Afrika, so Franz Kühnel von den Landsmannschaften.

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