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Die Tafeln im Landkreis müssen jetzt improvisieren. Hier ein Foto aus Poing.

Corona-Pandemie 2020

Coronavirus bringt Tafeln in Schwierigkeiten - sie improvisieren jetzt

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Tafeln im Landkreis: Ware wird weniger, Aufwand wird mehr. Ehrenamtliche müssen nun geschützt werden. Die Freiwilligen improvisieren aber.

Landkreis – Die Situation der Tafeln im Landkreis Ebersberg wird durch die Ausbreitung des Coronavirus zunehmend schwieriger. Die aktuellen Auswirkungen könnten damit ausgerechnet diejenigen treffen, die ohnehin schon Schwierigkeiten haben, sich mit dem Nötigsten für ihr tägliches Leben zu versorgen Das Problem ist gleich ein dreifaches. Aber das Improvisationsvermögen der Ehrenamtlichen ist noch lange nicht ausgeschöpft, wie die Ebersberger Zeitung erfuhr.

Grafinger Tafel: Mittwoch war vorerst letzte Ausgabe

Tafeln gehören im weitesten Sinne zu den Betrieben, die der Lebensmittelversorgung zumindest von Teilen der Bevölkerung dienen und trotz zahlreicher Beschränkungen für das öffentliche Leben, die die bayerische Staatsregierung am Freitag noch einmal verstärkt hat, geöffnet bleiben dürfen. Am vergangenen Mittwoch fand bei der Grafinger Tafel aber vorerst die letzte Ausgabe satt, berichtet der für die Einrichtung zuständige Hans Rombeck. Er erklärt auch, warum diese Maßnahme ergriffen werden musste.

„Wir haben das Problem, dass das Durchschnittsalter in unserer Gruppe der Ehrenamtlichen bei etwa 70 Jahren liegt“, sagt er. Da könne man einen weiteren Einsatz wie bisher „nicht verantworten“, diese Personen gehörten nach allem, was man bisher wisse, zur Risikogruppe für eine Erkrankung. Dass am Mittwoch noch eine Ausgabe stattgefunden habe, „hat unsere Kunden sogar überrascht“, berichtet er.

Auch unter den Akteuren in der Poinger Tafel wurde dieser Punkt bereits thematisiert. „Die Pfadfinder werden uns über die nächsten Wochen helfen“, berichtet von dort Leiterin Christine Bloch, die am Freitag selbst ihren 62. Geburtstag feiern konnte. Damit der Betrieb wie gewohnt weiterlaufen könne, würden zwei ältere Tafelmitarbeiter die Pfadfinder anleiten. Die nächste Ausgabe finde am kommenden Mittwoch, zwischen 10 und 11 Uhr auf dem Platz vor der Christuskirche in Poing statt, „im Freien“, betont Bloch.

Auch die Grafinger Tafel hatte ihre vorerst letzte Ausgabe, zu der offenkundig weniger Bedürftige kamen als sonst üblich, teilweise „ins Freie verlegt“, so Rombeck. Er freut sich darüber, dass in der Bevölkerung eine „Bereitschaft mitzuarbeiten“ erkennbar sei. Man müsse aber überlegen, „wie es künftig weitergeht“.

Corona-Krise: Bayern stellt öffentliches Leben ein

Corona-Krise: In Notfällen gibt es einen Lieferdienst

Die Kunden der Grafinger Tafel wurden informiert, dass in absoluten Notfällen ein Lieferdienst eingerichtet werde. Ganz ohne Nahrungsmittel werde deshalb niemand dastehen. „Wir versuchen unser Bestes“, so Rombeck, der ebenfalls Anstrengungen unternehmen will, jüngere Helfer einzubinden.

Die Lebensmittelbeschaffung allgemein könnte die Tafeln vor Probleme stellen. „Das ist jetzt eine Überraschungskiste“, berichtet Bloch und verweist auf die gute Zusammenarbeit mit einer örtlichen Gärtnerei, von der man zum Beispiel „Gurken und Tomaten“ erhalte. Auch Eier gebe es. „Die Poinger Tafel ist gut aufgestellt“, sagt sie optimistisch.

Wenig Ware hingegen verzeichnet derzeit die Tafel in Aßling, „Wir fahren bis zur Metro“, berichtet Sabine Küpferling. Trotzdem sei das Angebot derzeit so begrenzt, dass man nicht Tafelkunden von anderen Gemeinden mitversorgen könne. Über einen Rundfunkaufruf hat die Aßlinger Tafel jüngere Mitarbeiter gesucht, „und da haben sich auch welche gemeldet“, ist Küpferling froh, denn der Aufwand, der derzeit betrieben werden müsse, wegen des Coronavirus, sei sehr hoch. Die Einkaufswagen werden nach jeder Benutzung neu desinfiziert. „Die Leute ziehen Nummern und warten dann im Freien, bis sie drankommen“. Teilweise werden die Waren auch ausgeliefert, etwa wenn Kunden kleine Kinder hätten. Die Aßlinger Tafel würde sich über weitere Nahrungsmittelspenden freuen, die sie derzeit dringend gebrauchen könnte.

Hohes Begegnungsrisiko bei Sammelaktionen

Schwierig wird es für Tafelmitarbeiter allgemein, bei Sammelaktionen an Supermärkten aufzutreten, da sie dort eben einem hohen Begegnungsrisiko ausgesetzt seien, sagt Rombeck. Zwar schwanke der Vorrat an auszugebenden Lebensmitteln immer schon, tendenziell allerdings sei zu erkennen, dass die Vorräte insgesamt weniger würden. „Wir hatten schon eine Woche mit sehr wenigen Lebensmitteln“, schaut er besorgt in die Zukunft. Im Moment sei das Angebot aber wieder „relativ“ gut. Die Hilfseinrichtungen müssten, wie andere Lebensmittelbetriebe, auf die Haltbarkeit der Ware schauen.

Möglicherweise kommt in dieser Situation eine Unterstützung von den örtlichen Kreditinstituten. Nach Informationen von Bloch könnte es dort die Bereitschaft geben, den Tafeln im Landkreis Ebersberg mit finanzieller Beihilfe unter die Arme zu greifen, um das schwindende Spendenaufkommen an wichtigen Nahrungsmitteln durch eigene Käufe aufzubessern.

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