Großes Interesse zeigten Bürger nicht nur aus Grafing an der Infoveranstaltung zum Thema Asyl in der Stadthalle. sro

Info-Veranstaltung

Bekenntnis zur humanitären Hilfe

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Grafing - Einer Bestandsaufnahme zum Thema Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt Grafing diente eine Informationsveranstaltung in der Stadthalle. Es wurde eng.

„Unsere Kapazitäten sind leider begrenzt“, sagte die Grafinger Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) bei der Infoveranstaltung zum Thema Asyl in der Grafinger Stadthalle. Und das traf gleich in doppelter Hinsicht zu. Denn zum einen wird die geplante Flüchtlingsunterkunft gegenüber der Gärtnerei Köstler am Ortseingang von Grafing auf maximal 150 Asylbewerber und anerkannte Asylanten ausgelegt werden - und nicht auf 300 Personen, wie in der überaus lebhaften Diskussion von einem besorgten Bürger in der Stadthalle in den Raum gestellt wurde. Zum anderen waren auch die Kapazitäten an diesem Abend selbst begrenzt. Vor der Stadthalle standen nämlich fast 100 Bürger - unter ihnen auch eine Gruppe Flüchtlinge - die die Diskussion gerne mitverfolgt hätten, die aber aus Brandschutzgründen zuerst nicht eingelassen wurden. Die Stadthalle war gerammelt voll. Später wurden dann doch zusätzliche Besucher eingelassen, die im Foyer und im Vorraum der Garderobe die Debatten wenigstens über die Lautsprecheranlage mitverfolgen konnten.

Die Rednerliste eröffnete Landrat Robert Niedergesäß, der einerseits ein Bekenntnis zur humanitären Hilfe abgab, gleichzeitig aber feststellte: „Noch so ein Jahr schaffen wir nicht.“ Seine Mitarbeiter seien bis an die Grenzen der Zumutbarkeit belastet, die Unterbringung von Asylbewerbern in Turnhallen sei „für Schüler und Sportvereine keine gute Lösung“. Niedergesäß zitierte in diesem Zusammenhang den Bundespräsidenten Joachim Gauck: „Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“

Obermayr: "Kleinere Einheiten, kein Ghetto"

Applaus bekam Obermayr für ihre klare Aussage: „Wir wollen kleinere Einheiten, kein Ghetto.“ Beifall gab es auch für ihre Erklärung, warum die Stadt selbst den Bau der Flüchtlingsunterkunft an der Glonner Straße in die Hand nehme, um das Gebäude anschließend an die Regierung zu vermieten: „Wir nehmen das Geld lieber selber, bevor es irgend ein Investor hat.“

Hendrik Polte, der Leiter der Polizeiinspektion Ebersberg, berichtete, dass die Kriminalität in Grafing im vergangenen Jahr trotz der steigenden Zahl von Flüchtlingen gesunken sei. Kriminelle Handlungen, so räumte er, würden aber in den Wohnunterkünften registriert. „Opfer sind in diesen Fällen die Asylbewerber selbst.“ Das bestätigte Kristian Donner, Caritas-Sozialarbeiter, der für 150 Asylbewerber zuständig ist und von den dabei auftretenden Problemen berichtete - bis hin zur „Sauberkeit“ in den Unterkünften, an der es manchmal mangele.

Wie groß das ehrenamtliche Bürgerengagement inzwischen ist, ergänzte Elisabeth Kajnath, die Frau des evangelischen Pfarrers, der die Gesprächsrunde moderierte. Zuvor hatte Hans Rombeck mit einem Gerücht aufgeräumt, dass die einheimische Bevölkerung bei der Tafel benachteiligt werde.

Einen Kommentar zu diesem Artikel und weitere Veröffentlichungen zu diesem Thema finden Sie in der Printausgabe der Ebersberger Zeitung vom 13./14. Februar

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