Ausgezeichnetes Engagement: Beim Neujahrsempfang in der Grafinger Stadthalle ehrte Bürgermeisterin Angelika Obermayr (3. v. l.) Altbürgermeister Rudolf Heiler, Günther Schmidt und Margarethe Thoma (v. l.). Foto: stefan Rossmann

Häppchen und bewegende Worte

Grafing - Was seiner Nachfolgerin leicht fällt, fiel ihm immer schwer: Der lockere, unbeschwerte Umgang mit dem Bürger.

Verdienste hat der ehemalige Rathauschef Rudolf Heiler (FW) für Grafing aber erworben, bestätigte ihm die amtierende Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) unter dem Applaus der Besucher des Neujahrsempfanges in der Stadthalle. Sie überreichte Heiler die Urkunde zur Ernennung zum „Altbürgermeister“. Ein Titel, den ihm der Stadtrat verlieh.

Obermayr erzählte in ihrer Laudatio, dass Heiler im Rathaus immer noch als Beispiel herhalten müsse, wenn es etwa um so „staatstragende Entscheidungen“ gehe, wie wer jetzt Weihnachtskarten bekomme oder wer zu Leonhardi eingeladen werde. Dann falle der Satz: „Also der Bürgermeister hätte das so gemacht...“ Das berichtete Obermayr und meinte augenzwinkernd: „Ob ich das dann genauso oder anders mache, sei zwar immer noch dahingestellt, aber einen wertvollen Anhaltspunkt habe ich schon mal.“

Die grüne Bürgermeisterin bestätigte Heiler, der in seiner 18-jährigen Amtszeit oft genug ihr politischer Gegner war, dass er die Interessen der Kommunen als Bürgermeister von Egmating und Grafing „vehement nach außen vertreten“ habe. Sein Einsatz für die Gemeinden, so bekannte die Grüne, werde im Kreistag schon „schmerzlich vermisst“ - zum Beispiel bei der wiederkehrenden Diskussion um die Kreisumlage. „Um dem hohen Ansehen, das sie hier in Grafing genießen, gerecht zu werden, hat ihnen der Stadtrat den Ehrentitel des Altbürgermeisters verliehen“, sagte Obermayr bei der Überreichung der entsprechenden Urkunde. Sie drückte dem ehemaligen Stadtoberhaupt auch einen Wappenbären in die Hand, „ein bisschen struppig, aber stark und zäh, wie ihn wir halt vom Wappen her kennen“. Heiler bedankte sich mit knappen Worten und kehrte mit Urkunde und Bär auf seinen Platz in der ersten Reihe neben seiner Frau Ingrid zurück.

Obermayr ehrte im Rahmen des Neujahrsempfanges auch eine Reihe anderer, um das Gemeinwesen verdienter Mitbürger. Margarethe Thoma erhielt einen Blumenstrauß und eine Urkunde dafür, dass sie sich seit Jahrzehnten für die Gymnastikabteilung des TSV Grafing engagiert und in der Stadt praktisch das „Synonym für Gymnastik“ geworden sei, so Obermayr.

Marika Stadler nahm die Urkunde für die verhinderte Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Straußdorf, Elvira Köll, entgegen. Köll führe mit ihrem Engagement Frauen ganz unterschiedlicher Herkunft zusammen. „Alteingesessene Straußdorferinnen, Zugezogene und ehemalige Flüchtlingskinder. Sie leisten hier nicht nur wertvolle Arbeit für Senioren, sondern auch wertvolle Integrationsarbeit“, bestätigte Obermayr der Straußdorferin.

Ein Grafinger Original ist Günther Ettenhuber. Er ist seit 36 Jahren Naturschutzwächter „und somit der älteste in Bayern“, bestätigte ihm Obermayr in ihrer Ansprache. „Nicht zu vergessen sind seine unzähligen Stadtführungen voller Grafinger G’schichten aus über sieben Jahrzehnten.“ Die Ehrenurkunde nahm Ettenhubers Sohn Rainer entgegen, weil der Vater verhindert war.

Ein Novum ist es, dass beim Grafinger Neujahrsempfang einer geehrt wird, der eigentlich Bürger einer Nachbargemeinde ist. Aber beim „Gü“ glauben die meisten Grafinger ohnehin, dass er einer der Ihren ist. Denn der Grafinger Gymnasiallehrer Günther Schmidt hat ganze Generationen von Gymnasiasten in die Geheimnisse des Volleyballspiels eingeweiht. „Dass die Grafinger Herrenmannschaft seit Langem und immer wieder in der zweiten Bundesliga spielt, ist sein Verdienst“, sagte Obermayr. „Volleyball in Grafing und Günther Schmidt sind eins“ - und dafür gab es eine Ehrenurkunde, die Schmidt im Auto verstaute, um dann wieder in die Stadthalle zurückzueilen, wo es Häppchen gab. „Jetzt muss ich aber was essen“, meinte der „Gü“.

Von Michael Seeholzer

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