Der junge Turmfalke ist wieder in seinem Nest. Kurze Zeit später wird er einen zweiten Flugversuch unternehmen und erneut abstürzen.

Jungfalke mit der Drehleiter gerettet

Grafing – Ein junger Turmfalke wollte die Welt erkunden und ist dabei abgestürzt. Ausgerechnet in einen Lichtschacht der Grundschule Grafing. Die Aufregung um den Jungvogel war groß. Jetzt ist er in der Tierklinik in Oberschleißheim. Dem ersten Absturz folgte noch ein zweiter.

Der Horst der Turmfalken ist hinter einem Lüftungsschlitz unter dem Dach der Grundschule auf der Giebelseite. Zwei Altvögel haben dort ihren Nachwuchs großgezogen. Jetzt war die Zeit reif für einen Jungfernflug. Und der ging richtig schief.

Der Vogel stürzte bei seinem ersten Flugversuch in einen Lichtschacht ab, aus dem er sich nicht mehr selbst hätte befreien können. Hausmeister Georg Schlechte wurde alarmiert. Der Kommandant der Grafinger Feuerwehr hat Erfahrung in der Tierrettung, und holte den Vogel aus seinem Verließ, doch wohin damit?

Milo Urbach und Georg Schlechte, Grafinger Feuerwehrkommandant, bringen den Falken zurück in den Horst.

Am Ort des Geschehens wusste jemand, dass Milo Urbach aus Frauenneuharting Falknerin ist. Sie wurde angerufen und kam sofort, um nach dem Tier zu sehen. Augenscheinlich hatte der Jungfalke seinen Absturz unbeschadet überstanden. „Das Tier ist offensichtlich in der Bettelflugphase“, sagt Ehemann Egbert Urbach. Es werde von seinen Eltern noch gefüttert, obwohl es eigentlich schon flügge sei.

Milo Urbach begutachtete das Tier, es wurde die Entscheidung getroffen, dass der junge Turmfalke mit der Drehleiter der Grafinger Wehr wieder in seinen Horst zurückgebracht werden soll. Das Vogel war einstweilen in einer Kiste untergebracht. „Das hat mit Riesenspaß gemacht, ich hab überhaupt keine Angst gehabt“, sagt die Falknerin am anderen Tag.

Der Ort des Geschehens aus dem Korb der Grafinger Feuerwehr gesehen.

Die Rettungsaktion war aber nicht von Erfolg gekrönt. Denn den jungen Falken hielt trotz aller Aufregung offensichtlich nichts mehr in seinem Nest. Er flog wieder ab, landete zuerst in einem Baum und anschließend auf der Straße, wohin ihn offensichtlich ein einsetzender Platzregen „runtergschwoabt“ hatte, wie die Falknerin schilderte. „Die Tiere laufen dann am Boden herum“, so die Jägerin über die Situation. Was jetzt? „Ich hab den Vogel schließlich geholt“, sagt Egbert Urbach, Leiter BJV-Landesjagdschule. „Es bestand ja die Gefahr, dass er überfahren wird.“ Der Jäger brachte den Jungfalken mit dem Auto nach Oberschleißheim in die dortige Tierklinik. Der Vogel wird jetzt untersucht, ob ihm bei seinem zweimaligen Absturz nicht doch etwas passiert ist. „Sieht aber nicht so aus“, so Urbach. Wenn sich das Tier in ein paar Tagen von seinem Schreck erholt hat, wird es wieder ausgewildert.

Michael Seeholzer

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