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In der Grafinger Innenstadt häufen sich die Laden-Leerstände.

Markt der leeren Fenster

Stirbt der Einzelhandel in Grafing aus?

Grafing – In der Grafinger Innenstadt häufen sich die Laden-Leerstände. Leere Schaufenster als Alarmsignal des Einzelhandels – nicht nur, aber im Moment besonders deutlich in Grafing.

Beginnt die Stadt von außen nach innen zu veröden? Im Stadtrat und im Bauausschuss wurden die leeren Läden schon mehrfach angesprochen. Zwar herrscht weitgehend in dieser Frage Ratlosigkeit, trotzdem ist aktuell der Erweiterung der Verkaufsfläche des Aldi-Marktes an der Glonner Straße zugestimmt worden. Neue Ladenflächen jedoch trafen zum Beispiel in der Rotter Straße nur zögerlich auf Nachfrage. Gegen die Ausweisung eines Sondergebietes für großflächigen Einzelhandel stimmten in der jüngsten Sitzung Franz Frey und Olaf Rautenberg (beide SPD) sowie Angelika Obermayr (Grüne).

Obermayr argumentierte, dass sich die Großmärkte in Grafing in einem „fragilen Gleichgewicht“ befinden würden, dass man nicht ohne Not stören sollte. In der Diskussion ging es jedoch hauptsächlich um Fragen des Lärmschutzes an der Aiblinger Straße und weniger um eine erkennbare Strategie, wie in der Stadt der gewachsene Einzelhandel unterstützt werden kann.

Die Schließung der Post in der Bahnhofstraße war vor Jahren von den Geschäftsinhabern scharf kritisiert worden. Inzwischen haben sich ihre Befürchtungen teilweise erfüllt. Es stehen Ladenflächen leer, die Laufkundschaft bliebt aus. Am Bahnhof gäbe es zwar Parkplätze und Publikumsverkehr, aber auch dort sieht man leere Schaufenster.

Schwer erwischt hat es die Münchner Straße. Dort wird aktuell ein Lokal in ein Asylbewerberheim umgewandelt, weiter zur Ortsmitte stehen Ladenflächen leer, die ehemalige Metzgerei Rechl wurde aufgegeben. Mitten am Marktplatz selbst stehen die Räume des ehemaligen Roßmann-Marktes leer, die Schaufenster sind mit weißer Folie zugeklebt.

Stefan Pecher, in der Stadtverwaltung zuständig für die Wirtschaftsförderung, meint, die Stadt würde alles unternehmen, um den Wünschen der Investoren so weit als möglich entgegen zu kommen. „Wir spreizen uns am wenigsten“, verspricht er. Den Marktplatz in Grafing hält er für keinen schlechten Standort, unter anderem deswegen, weil die jeweiligen Vorbesitzer der Geschäfte schon Parkplätze nachgewiesen hätten, „die jetzt Bestandsschutz haben“. Im Außenbereich hingegen wenn jemand ein Geschäft eröffne, müsse er die Parkplätze selbst schaffen. „Die kann man im nicht ablösen.“ Ein Manko ist für Pecher hingegen, dass die historisch gewachsenen Ladenflächen „oft den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen“.

Grafing: Bilder vom Markt der leeren Fenster

Grafing: Bilder vom Markt der leeren Fenster

So ohne weiteres kann man eine Ladenfläche aber nicht anders nutzen. Sollte zum Beispiel ein ehemaliges Ladengeschäft in eine Gaststätte umgewandelt werden, wie aktuell am Marktplatz geschehen, dann muss diese Nutzungsänderung baurechtlich genehmigt werden, was unter Auflagen in der Regel auch geschieht.

Nur noch wenige Monate, dann eröffnet in der Kreisstadt Ebersberg ein neues Einkaufszentrum mit Kundenmagneten wie C&A, Deichmann und Müller – nur vier Kilometer von Grafing entfernt. Die Zeiten für den kleinflächigen Einzelhandel dürften da insgesamt nicht leichter werden.

Michael Seeholzer

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