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Dieses Lotto-Geschäft in Kirchseeon hatte der Angeklagte Anfang Mai dieses Jahres überfallen. 

19-jähriger Kirchseeoner steht vor dem Landgericht

Raubüberfälle für die Urlaubskasse

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Weil er mit der Freundin in Urlaub fahren wollte, ist ein 19-jähriger Bosnier aus Kirchseeon einer kriminelle Idee verfallen: Er überfiel ein Lottogeschäft in Kirchseeon und einen Supermarkt in Grafing.

Kirchseeon/Grafing –  Vor dem Landgericht München II gab der junge Mann am Dienstag alles zu. Dort muss er sich wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung, versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung, versuchter Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten.

Der 19-Jährige schilderte vorweg eine gescheiterte Schul- und Berufslaufbahn. Vor vier Jahren folgte der Bosnier seiner Mutter nach Deutschland, wo er die 9. Klasse wiederholte, den Quali aber nicht schaffte. Eine erste Ausbildungsstelle zum Einzelhandelskaufmann brach er ab, weil er „keine Arbeitsmotivation“ gehabt habe und immer zu spät gekommen sei. Das lag seiner Ansicht nach daran, dass er Gras geraucht habe, seit er in Deutschland war. Auch die zweite Lehre brach er ab, weil er angeblich keinen Arbeitsvertrag gehabt habe. Die Vorsitzende Richterin versuchte herauszufinden, warum er denn nicht nachgehakt und sich um seinen Vertrag gekümmert habe. Das allerdings kam nicht bei ihm an. Er habe ja seine Freunde gefragt, wiederholte er, und die hätten gesagt, dass sie einen Arbeitsvertrag hätten. „Deshalb dachte ich, dass mich die Firma verarscht.“

Seine Mutter jedenfalls war sauer, dass er nie durchhielt – er hatte ihr auch finanzielle Unterstützung zugesagt. Deshalb verschwieg er ihr auch, dass er kurz darauf auch den nächsten Job bei einer Leihfirma kündigte, weil ihm das Gehalt zu gering war. „Ich sagte es niemandem.“ Er habe nicht gewollt, dass seine Mutter traurig ist – und der Freundin hatte er schon einen Urlaub für 1000 Euro in Polen versprochen. „Ich habe viele Lügen erzählt.“ Da sei er auf die Idee verfallen, das Lottogeschäft zu überfallen. „Ich habe das als einzige Lösung gesehen.“

Er holte ein Küchenmesser („Ich wollte natürlich nie jemanden verletzen.“) und bastelte sich eine Maske. Am Morgen des 4. Mai ging er dann ins Geschäft, hielt dem Inhaber das Messer entgegen und forderte Geld. Dieser weigerte sich. Deshalb sagte der 19-Jährige: „Dann bist du tot.“ Doch der Geschäftsmann weigerte sich weiter – insgesamt drei Mal – und griff zum Pfefferspray. „Der hatte überhaupt keine Angst vor dem Messer“, sagte der 19-Jährige, der schließlich abhaute. Nachdem vier Wochen nichts passierte, traute er sich ein zweites Mal – und überfiel am 1. Juni mit dem Küchenmesser den Supermarkt in Grafing, in dem er seine zweite Ausbildung begonnen hatte.

Die Filialleiterin, die er mit Stichbewegungen bedrohte, gab ihm 500 Euro. Er wollte mit der S-Bahn fliehen, doch die Polizei zog ihn wieder raus. Seitdem sitzt er in U-Haft.

Der Prozess dauert an.

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