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Klaus Peter Mayr (60) ärgert sich: Immer wieder fahren Lastwagen gegen seinen Zaun in der Thomas-Mayr-Straße in Grafing und beschädigen ihn dabei schwer. Die Hälfte der Verursacher begeht Unfallflucht. 

Opfer des Umleitungsverkehrs

Ungebetene Zaungäste

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Hier kracht es in einer Tour: Mit der Absperrung der Rotter Straße hat sich in Grafing ein neuer Gefahrenpunkt im Straßenverkehr gebildet.

Grafing –  Es ist die Abzweigung von der Leonhardstraße in die Thomas-Mayr-Straße. „Sechs mal haben sie mir meinen Zaun schon umgefahren. Ich richte ihn gar nicht mehr“, sagt Klaus Peter Mayr. „Den Zaun hat mein Vater noch gemacht“, ärgert er sich. Jetzt ist das schmiedeeiserne Werk unter die Räder gekommen – unter Lastwagenräder.

Die Pfosten aus der Verankerung gerissen, das Zaungitter verbogen, der Betonsockel beschädigt. Bei dem Gegenverkehr, der auf der derzeitigen Umleitungsstrecke herrscht, holen Lastwagenfahrer mit ihrem Gespann zu wenig weit aus mit der Folge, dass der Hänger über den Zaun rumpelt.

Auf dem 40 Zentimeter hohen Betonfundament sind deutliche Reifenspuren erkennbar. Nicht erkennbar gegeben haben sich hingegen die Verursacher – zumindest nicht alle. „Jeder zweite begeht Fahrerflucht. Einfach abzuhauen, dafür fehlt mir jedes Verständnis“, sagt der 60-jährige Geschädigte. Inzwischen habe er Anzeige erstattet. Am Gitter hat Mayr Flatterbänder zur Warnung der Autofahrer angebracht. Das Gelände dahinter ist an einen Autohändler verpachtet. Die Flatterbänder zeigen aber wenig Wirkung. „Am Anfang hab ich den Zaun noch zurückgebogen“, berichtet Mayr. Inzwischen habe er aber aufgegeben.

„Wir suchen in solchen Fällen die Unfallstelle nach Teilen ab“, gibt die Ebersberger Polizei Auskunft. „Vielleicht lässt sich ja zumindest der Lastwagentyp feststellen anhand einer Nummer.“ Üblicherweise werde „wegen Unfallflucht gegen Unbekannt“ ermittelt. „Wir reden auch mit der Nachbarschaft, ob sich jemand das Kennzeichen oder Teile davon gemerkt hat.“ Außerdem werde über die Presse ein Zeugenaufruf gestartet.

„Die offizielle Umleitung verläuft über Tulling“, bedauert Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne), dass trotzdem Lastwagen von auswärts „im Ort herumkurven.“ „Das liegt an den Navis, der Verkehr sucht sich seinen Weg durch den Ort“, ist sich Mayr sicher. Während der 60-Jährige bei der derzeitigen Umleitungsregelung erkennbar zu den „Verlierern“ zählt, gehört Rita Deisenrieder-Heine zu den momentanen Gewinnern. Denn mit der Sperrung der Rotter Straße entfällt auch die Möglichkeit für die Lastwagenfahrer, verbotenerweise am Marktplatz nach links Richtung Rott abzubiegen und beim Abbiegevorgang mit dem Hänger am Erker des Lederwarengeschäftes der Grafingerin gegenüber der Gaststätte Mocca hängenzubleiben. Deisenrieder-Heine ging es nämlich vorher wie Mayr jetzt: „Ich habe das gar nicht mehr richten lassen, so oft sind die mir dagegengefahren. Die Reparatur muss ich ja selber bezahlen“, sagt die Grafingerin. Auch sie vermutet, dass nicht aktualisierte Navigationsgeräte die Brummifahrer nach links Richtung Rott lotsen würden, obwohl das längst verboten ist.

Bürgermeisterin Obermayr schätzt, dass die Rotter Straße Ende Juli wieder eröffnet werden kann. „Bis dahin dürften wir asphaltiert haben.“ Aber während sich Klaus Peter Mayr über diese Entwicklung freuen dürfte, schaut Deisenrieder-Heine ihr mit gemischten Gefühlen entgegen. Im Augenblick jedenfalls habe sie Ruhe, sehe man einmal davon ab, dass die in Richtung Marktplatz abbiegenden Lastwagen regelmäßig über ihren Gehsteig und die drei dort befindlichen Gummi-Pfosten fahren. „Aber das ist nicht so schlimm, die richten sich selber wieder auf“, sagt Deisenrieder-Heine.

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