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Zu klein, zu alt, zu unzweckmäßig: Der alte Bauhof in Grafing ist Geschichte. Diese hat Stadtarchivar Bernhard Schäfer zusammengefasst. Bald soll an der Stelle sozialer Wohnungsbau entstehen.

Alter Bauhof in Grafing

Bad, Wohnung und Gemüseanbau

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Was neu ist, wird gefeiert, was alt ist wird vergessen. So wird es wohl auch dem alten Bauhof in Grafing an der von-Hazzi-Straße einmal ergehen. Doch das Areal hat Zukunft.

Grafing – Zu klein, zu alt, zu unzweckmäßig: Das waren die Attribute, die dem alten Bauhof  im Stadtrat oder im Bauausschuss in jüngster Zeit verpasst wurden. Dabei war der Standort viele Jahre tragfähig. Dass er nicht ganz in Vergessenheit geraten wird, dafür hat jetzt Stadtarchivar Bernhard Schäfer gesorgt. Er hat die Geschichte des alten Bauhofes aufgezeichnet.

Das Gelände an der von-Hazzi-Straße hat eine große Zukunft vor sich. In Steinwurfweite vom S-Bahnhof entfernt, ist das Areal für Wohnbebauung prädestiniert. Und weil sich immer mehr Grafinger eine normale Wohnung nicht mehr leisten können, soll hier sozialer Wohnungsbau entstehen. „Auf Erbbaurechtsbasis“, ergänzt Bauamtsleiter Josef Niedermaier. Von dem ursprünglichen Gedanken, das Quartier zu verkaufen, hat sich die Stadt verabschiedet. Das Projekt soll in Zusammenarbeit mit einer Genossenschaft entstehen. Welche, ist noch offen. Die entsprechenden Verhandlungen dazu wurden aber bereits begonnen.

Wie Schäfer recherchiert hat, beschäftigte die Marktgemeinde Grafing früher für die anfallenden Wegearbeiten Marktdiener, eigene Wegemacher und Schreiner. Das war vor dem Jahr 1945. Der Vorläufer des modernen Bauhofes entstand dann im Jahr 1948. Von Bartholomäus Rieperdinger pachtete die Kommune dessen Zimmererwerkstatt und Maschinenraum.

Rieperdinger war in Grafing ein angesehener Mann, stammte ursprünglich aus Ötz bei Eiselfing in der Nähe von Wasserburg und hatte mit drei Ehefrauen, die vor ihm starben, insgesamt 17 Kinder. Er war lange Jahre Magistratsrat, was ungefähr dem Status eines heutigen Stadtrats entspricht. Er gilt als Initiator bei der Gründung des örtlichen Turnvereins und war Mitglied bei der Grafinger Feuerwehr. Im Rieperdingerhaus ist heute das Heimatmuseum untergebracht.

Dort, wo viele Jahrzehnte der Bauhof an der von-Hazzi-Straße stand, war früher ein Schwimmbad. Das Areal wurde von Grafinger Bürgern auch gärtnerisch genutzt. Mit dem Einzug des Bauhofes Anfang der 50er Jahre verloren die Leute diese Möglichkeit. „Um das Grundstück einzäunen, bepflanzen und bebauen zu können“, forderte die Stadt „sechs Grafinger Einwohner auf, ihre Gärten zu räumen“, hat Schäfer festgehalten. Mit den Jahren kamen eine Garage, ein Baustadel, sowie Lagerhallen und ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter dazu, in dem sie Jahrzehnte ihre Brotzeit einnehmen konnten. Zu den Besonderheiten des Grafinger Bauhofes gehört es auch, dass dort ein waschechter Bürgermeister Chef wurde. Es war Josef Paul, Bürgermeister von Oberelkofen, eine Gemeinde, die bei der Gebietsreform ihre Selbstständigkeit verloren hatte.

Trotz der Erweiterungen wurde der Bauhof am alten Standort immer wieder zu klein. „Zur Unterbringung von Geräten, Gegenständen und Materialien, die je nach Jahreszeit nicht unbedingt in Bauhofnähe benötigt wurden, mietete die Stadt von der Graf Rechberg’schen Gutsinspektion Elkofen Räumlichkeiten in einem Stadel in Unterelkofen an. Eine angedachte Neuanlage des Bauhofes auf einem günstigen Gelände scheitert am Fehlen eines gültigen Flächennutzungsplanes“, informiert Schäfer. Es zeichnete sich jedoch langsam ab, dass die Stadt einen leistungsfähigen, neuen Standort braucht.

Versuche, einen gemeinsamen Bauhof mit der Stadt Ebersberg zu betreiben, scheiterten daran, dass Vertreter beider Städte Kompetenz- sowie Organisationsschwierigkeiten befürchteten. Der Rest ist bekannt. Mit der Einweihung des neuen Bauhofes am Ortsrand von Grafing wurde jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen.

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