Bisher eine der exklusiveren Wohngegenden Grafings: Der Schönblick wird sich ausdehnen.
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Bisher eine der exklusiveren Wohngegenden Grafings: Der Schönblick wird sich ausdehnen.

Erweiterungspläne bringen Anlieger auf die Barrikaden

Am Grafinger Schönblick staubt’s bald

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Der Schönblick gehört zu den exklusiven Wohnlagen in Grafing. Wenn exklusiv meint, dass bisher dort eine relativ überschaubare Zahl von Häusern errichtet wurde, wird das Quartier künftig wohl etwas weniger exklusiv werden.

Grafing - Der Bauausschuss des Grafinger Stadtrats hat jetzt den nächsten Verfahrensschritt für den Bebauungsplan Schönblick Nord II bearbeitet. Nördlich des bestehenden Bestandes werden demnach 15 neue Gebäudekörper hinzukommen. Es sind dabei Einzel- und Doppelhäuser sowie Mehrspänner vorgesehen.

25 Anlieger erheben Einwände

Die Begeisterung der Anlieger hält sich in Grenzen. Auch anwaltschaftlichen Schriftverkehr gibt es bereits. Etwa 25 Anlieger machten von ihrem Recht Gebrauch, sich zu dem Plan zu äußern.

Angst vor zusätzlichem Verkehr

Ein Haupteinwand der Anlieger richtet sich gegen den zusätzlichen Verkehr, den die „Neubürger“ am Schönblick verursachen werden. Der ist in ihren Augen unzumutbar. Auf etwa 400 Fahrzeugbewegungen täglich wurde die Belastung dabei hochgerechnet. Hinzu komme der Baustellenverkehr, wurde beklagt. Das Quartier wird verkehrstechnisch alleine durch die Max-Wagenbauer-Straße erschlossen. Und tatsächlich ist die Einmündung zur Rotter Straße dort nicht gerade ein Musterbeispiel an Übersichtlichkeit. Die Anlieger regten an, das neue Baugebiet zusätzlich durch eine Ertüchtigung des Feldweges nördlich der Atteltaler Alm zu erschließen. Dem wurde aber nicht stattgegeben. Eine Steigung von 12 bis 15 Prozent würde eine weite Verschwenkung der Fahrbahn in landwirtschaftliche Flächen notwendig machen. Dieser Eingriff stünde angesichts des überschaubaren Zusatzverkehrs in keinem Verhältnis zum Effekt, sie die Verwaltung.

Schönblick unzureichend an den ÖPNV angeschlossen

Dass der Schönblick nicht ausreichend vom öffentlichen Nahverkehr bedient wird, wurde ebenfalls thematisiert. Dazu der Bund Naturschutz wörtlich: „Eine Anbindung des geplanten Wohngebietes Schönblick Nord II existiert de facto nicht.“ Darauf wies in der Aussprache auch Ottilie Eberl (Grüne) hin, die zu einem fehlenden Radweg jedoch meinte: Der Schönblick sei ohnehin „kein Wohngebiet für Rollschuhfahrer“.

Exklusiver Wohncharakter soll erhalten bleiben

Im bisherigen Verfahren wurde deutlich, dass der exklusive Wohncharakter des Schönblicks durchaus erhalten bleiben soll, weshalb eine Bebauung mit Geschosswohnungen von Anfang an schlechte Karten hatte. Das blieb in der Sitzung nicht ganz unwidersprochen. „Notwendig ist das nicht, wir haben eh so viel Zuzug“, meinte Eberl und fügte hinzu: „Was wir eigentlich bräuchten, wären Mietwohnungen.“ In der Innenstadt gäbe es noch Möglichkeiten zur Nachverdichtung. Am Schönblick, so argumentierte dagegen Elli Huber (CSU), „werden viele mit Kindern wohnen, das ist auch unsere Zukunft“. Christian Einhellig (FW) warnte davor, den nördlichen Feldweg als Baustellenzufahrt in Betracht zu ziehen. Das bringe nur „Verstaubung und mehr Lärm“ für die Anwohner mit sich.

Ein städtebaulicher Planungswettbewerb soll dafür sorgen, dass der Siedlungscharakter ungetrübt erhalten bleibt. An dem Entwurf, der in der Sitzung präsentiert wurde, war zu erkennen, dass das bisher gelungen ist. Dem Wachstum der Stadt wird aber nicht nur am Schönblick mit Skepsis begegnet. Auch die rasanten Veränderungen in der Innenstadt bringen die Bevölkerung teilweise auf, berichtete die Verwaltung. Auf lange Sicht jedoch wachse die Stadt nur „sehr moderat“.

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