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Annabelle Imhoff aus Grafing

26 Jahre jung, attraktiv, lebensfroh und: Bestatterin

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Wenn sich ein junger Mensch dafür entscheidet, andere würdevoll unter die Erde zu bringen, sind mit Sicherheit Zufälle im Spiel gewesen, „auch wenn ich früher schon gesagt habe, dass ich das mal machen werde“, berichtet Annabelle Imhoff von ihrem Werdegang.

Grafing -  Früher ist gut. Die Grafingerin ist gerade einmal 26 Jahre alt und war schon in drei Berufen tätig, bevor sie schließlich ihre Berufung fand. Jetzt ist sie geprüfte Bestatterin. Das hat ihr die Handwerkskammer per Urkunde bestätigt. „Die Ausbildung habe ich im Bundesausbildungszentrum in Münnerstadt absolviert. Im Blockunterricht“, blickt Imhoff zurück. Der Weg in diesen Wirtschaftszweig führte nach dem „Quali“ bei ihr aber zuerst einmal über die Fitnessbranche und auch auf den Golfplatz in Egmating.

Eine Beerdigung ist ein Ereignis

Auf die Gefahr hin, dass sich das komisch anhört: Eine Beerdigung ist ein Ereignis. Und als solches muss es organisiert werden. Und das ist gar nicht so leicht, weil die Zeit drängt. „Die Bestattungsfrist beträgt 96 Stunden“, berichtet die 26-Jährige. Heißt: „Eine Leiche muss spätestens 96 Stunden nach Feststellung des Todes bestattet sein oder, wenn sie nach den Bestimmungen dieser Verordnung überführt werden soll, auf den Weg gebracht werden.“ So steht es in der Bayerischen Bestattungsordnung. „Für eine Hochzeit hat man so lange Zeit zu planen, für eine Beerdigung nur so kurz“, hat ein Angehöriger eines Verstorbenen einmal bedauernd zu der jungen Frau gesagt. „Das hab ich mir gemerkt.“ Pfarrer, Grab, Trauerfeier, Musik, Blumen, Verabschiedung vom Toten in einem eigens dazu geschaffenen Raum: Alles muss klappen. Es gibt keine Wiederholung. Und dass alles reibungslos funktioniert, ist Annabelle Imhoffs Auftrag und auch ihr Anspruch an sich selbst.

Farbe stimmt nicht, beim Foto des Verstorbenen? „Das machen wir noch einmal“, bestimmt die Juniorchefin kurzerhand, als ihr ein Angestellter das Foto zeigt. Fällt es manchmal nicht schwer, dauernd trauernde Menschen zu begegnen? „Manchmal schon, wenn es junge Eltern sind“, sagt sie freimütig. „Aber das Gefühl, anderen in einer schweren Stunde beistehen zu können, überwiegt bei Weitem. Man kommt den Menschen sehr nahe.“

Freunde ohne Berührungsängste

In ihrer Freizeit unterscheidet sich die Grafingerin nicht von Gleichaltrigen. Momentan sind die Maibaumstüberl angesagt. Annabelle Imhoff wohnt über dem Bestattungszentrum in Grafing-Bahnhof, in dem ihre Mutter Angela nach einem Kauf des Gebäudes ihr Unternehmen betreibt. Und dass sie Bestatterin ist, finden die Freunde von Annabelle „eher interessant“. Berührungsängste gegenüber ihrem Beruf gebe es nicht. „Das ist nicht so, dass die sagen: O Gott, jetzt müssen wir die Annabelle abholen – nur weil ich über dem Bestattungsinstitut wohne.“

Nach Hauptschule und Quali hat Imhoff zuerst eine Ausbildung als Fitnesskauffrau absolviert. Die kaufmännische Ausbildung daraus kann sie jetzt gut gebrauchen. Danach folgte eine Station als Golfplatzmanagerin in Schloss Egmating. „Mein Chef hat damals schon gehofft, dass ich dableibe als Golfplatzmanagerin“, berichtet sie von ihrer Entscheidung, schließlich „von jetzt auf gleich in den Betrieb der Mama einzusteigen. Ich hab’ gesehen, dass sie immer später fertig geworden ist, weil die Arbeit so viel wurde“.

Einmal Bestatter, immer Bestatter: Imhoffs Betrieb hat fünf festangestellte Arbeitskräfte, „die sind zum Teil länger dabei, als ich auf der Welt bin. Das war am Anfang gar nicht so einfach.“ Schwierigkeiten habe es deswegen schon gegeben, räumt die 26-Jährige ein. Inzwischen hat sich die Zusammenarbeit mit den Kollegen aber eingespielt.

Auch Mutter Angela Imhoff ist eine „Quereinsteigerin“. „Nach einer Ausbildung zur Hotelfachfrau bin ich in den elterlichen Betrieb gegangen“, berichtet sie. Die Grafinger werden sie zum Teil noch als Wirtin des „Kegelkeller“ in Erinnerung haben. Das ist Geschichte. Inzwischen ist sie zusammen mit ihrer Tochter eine erfolgreiche Unternehmerin. Und das ist bestimmt kein Zufall.

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