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Hier wurden über 400 000 Euro vergraben. Die Stadt verlegte in der Wasserburger Straße eine neue Wasserleitung.

Trinkwassernotverbund: Wer soll was bezahlen und wieviel?

Grafinger weisen Ebersberger Kritik zurück

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Nichts vorbereitet, Stillstand seit Jahren, zu wenig Engagement beim Wassernotverbund: So oder ähnlich lautete die Kritik im Technischen Ausschuss der Stadt Ebersberg. Gemeint waren die Grafinger Nachbarn. Ist dieser Rüffel gerechtfertigt? „Nein“, sagt Bürgermeisterin Angelika Obermayr.

Grafing – Eigentlich hätte der Tagesordnungspunkt Wassernotverbund mit der Kreisstadt Ebersberg in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses in Grafing im nichtöffentlichen Teil behandelt werden sollen. Die öffentlich von den Ebersbergern geäußerte Kritik wollte die Bürgermeisterin aber nicht auf sich sitzen lassen und bat deswegen um Abstimmung, den Punkt öffentlich zu verhandeln. Dem wurde stattgegeben. Und dabei stellte Obermayr (Grüne) eine geschickte Rechnung auf: Die Ebersberger hätten in die Vorbereitung des Notverbundes bisher 511 000 Euro investiert, die Grafinger hingegen 681 000 Euro.

Mit eingerechnet ist da die Erneuerung der Leitung in der Wasserburger Straße und die wurde ohnehin mal fällig. Auf einer Skizze war aber zu sehen, dass diese Leitung im Notverbund eine wichtige Rolle spielen wird. Allerdings war der Grafik auch zu entnehmen, dass der Großteil des Notverbundes noch gebaut werden muss, und das wird teuer – was die Zurückhaltung auf beiden Seiten etwas erklärt. Denn insgesamt müssen für diesen doppelten Boden bei der Wasserversorgung 5,5 Millionen auf den Tisch gelegt werden.

Der Knackpunkt dabei ist die Kostenaufteilung. Die Ebersberger Stadträte streben an, dass jeder seine ihm entstehenden Kosten selbst trägt, die Grafinger hingegen argumentieren anders: „Wir wollen eine Kostenverteilung nach Vorteilsmaßstab“, stellte Bauamtsleiter Josef Niedermaier klar. „Das wollen wir abgebildet haben.“

Dabei sind die Grafinger in der komfortableren Lage. Denn deren Wasserversorgung wurde von der Regierung von Oberbayern als „uneingeschränkt versorgungssicher“ eingestuft. Das kühle Nass kommt aus mehreren Brunnen, und selbst wenn einer ausfallen würde, käme dieser Mangel in den Grafinger Haushalten überhaupt nicht an. Außerdem hat sich die Stadt schon einen bestens funktionierenden Notverbund mit der Nachbargemeinde Aßling zugelegt, der Zusammenschluss mit Ebersberg wäre demnach redundant.

„Das ist nicht unsere Schuld, das liegt auch daran, dass wir uns über die Aufteilung der Kosten nicht einigen können“, erläuterte Obermayr, warum sich die Verhandlungen von der ersten Idee weg inzwischen bereits über 15 Jahre hinziehen. Ein Verhandlungsangebot lag schon auf dem Tisch und das hätte vorgesehen, dass die Ebersberger 57 Prozent der Kosten, die Grafinger hingegen nur 43 Prozent des 5,5 Millionen hohen Investitionsaufwandes übernehmen.

Grundsätzlich bereit sind die Stadträte aber, dem Nachbarn unter die Arme zu greifen und das ist wohl auch bitter nötig. Denn in der Sitzung des Technischen Ausschusses der Stadt wurde deutlich, dass Ebersberg zum jetzigen Zeitpunkt gerade einmal eine 15-stündige Reserve hat. Wenn deren Wasserversorgung ausfällt, fallen die Hähne in der Kreisstadt also nach einem guten halben Tag trocken. Und das ist ein Zustand, der auf Dauer nicht so bleiben kann.

Warum ein Notverbund überhaupt notwendig ist, erläuterte Niedermaier im Bauausschuss näher: Es ging um die Risiken eines Terroranschlages etwa mit Chemikalien auf eine kommunale Wasserversorgung oder auch nach einem großen Ölunfall. So betrachtet, zahlt es sich aus, dass Grafing in der Wasserversorgung frühzeitig und weitflächig diversifiziert hat. „Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass unsere Versorgung zusammenbricht“, meinte Obermayr.

Zumindest was den Übergabepunkt betrifft, ist man sich weitgehend einig: Er käme ungefähr auf Höhe Gsprait zu liegen. Da das Grafinger Wasser aber nach Ebersberg hochgepumpt werden müsste, und die Ebersberger die Nutznießer dieser technischen Einrichtung wären, formulierte Ratsmitglied Max Graf von Rechberg die Haltung der Bauausschussmitglieder in dieser Frage so: „Die Pumpe ist Ebersberger Sache.“

So gehen die Verhandlungen jetzt in die nächste Runde.

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