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Jahrzehntelang blieb die Idylle in Bachhäusl unbehelligt, obwohl es sich um Schwarzbauten handelt.

Am Bachhäusl hat Grafing einen Kompromiss gefunden

Happy End im Kleingarten

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Grafing - Aus der Traum: Die Gartenlauben in Bachhäusl müssen zurückgebaut werden auf das gesetzlich erlaubte Maß. Sie dienten ihren Besitzern teilweise sogar als Wohnsitz. Jetzt gibt es strenge Auflagen. Und die Verwaltung hat dabei ein Ass im Ärmel. 

Zur Vorgeschichte: Jahrzehnte lang blieb die Idylle unbehelligt. In den 1970er Jahren gab es bereits einmal den Versuch, die Schwarzbauten zu beseitigen. Warum entsprechende Bemühungen der Kreisbehörde damals im Sande verliefen, lässt sich nach gut vier Jahrzehnten nicht mehr feststellen. Die Besitzer der Anlagen freuten sich jedenfalls darüber nach dem Motto: „Wir stören dort draußen doch niemanden.“

Vermutlich kamen die Anstrengungen der Stadt Grafing, den illegalen Zustand irgendwie zu legalisieren, gerade zum „richtigen“ Zeitpunkt. Denn die bestehenden Anlagen hätten sonst als tatsächlich vorhandene Bebauung berücksichtigt werden müssen mit der Folge, dass im weiteren Umgriff Wohnbebauung ermöglicht worden wäre. Und der Baugrund in Grafing ist derzeit knapp wie noch nie.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses wurden jetzt die entscheidenden Weichen gestellt, mit denen alle Besitzer von Gartenlauben sich einverstanden erklärten. Nur ein Fall ist noch ungeklärt, weil ein Grundstück inzwischen sogar vererbt wurde an eine Erbengemeinschaft. „Der Erbschein fehlt noch“, berichtete Bauamtsleiter Josef Niedermaier. Erbengemeinschaften können schwierige Verhandlungspartner werden. Aber für diesen Fall hat die Verwaltung eben besagtes As im Ärmel. Denn das jetzt angestrebte „Gartenhausgebiet Bachhäusl“ wird nur dann rechtwirksam, wenn alle Grundbesitzer zusammen die Voraussetzungen dafür schaffen und die neuen Bedingungen anerkennen. Was, wenn nicht? Dann müssen alle Anlagen ausnahmslos beseitigt werden, das Grundstück würde wieder zum landwirtschaftlichen Nutzgrund. „Wir sind auf die Solidarität aller angewiesen“, erklärte Niedermaier dazu.

Was soll in der Kleingartenanlage künftig erlaubt sein? Der von der Verwaltung ausgearbeitete Kompromiss geht weit über das hinaus, was anfänglich angestrebt worden war. Denn die Häuschen dürfen eine maximale Grundfläche von 30 Quadratmetern haben, wie Niedermaier erläuterte. Ursprünglich war einmal die Rede von nur zehn Quadratmetern gewesen. Dauerhaftes Wohnen freilich ist verboten. „Vielleicht schläft man da im Sommer auch mal mit einem Schlafsack drin, aber das schafft kein qualifiziertes Baurecht“, erläuterte die Verwaltung den Bauausschussmitgliedern. Klar verboten sind auch „Feuerungsstellen“. Eine Holzlege muss noch entfernt werden und auch die Stellplätze müssen rückgebaut werden.

Die Kleingärtner können trotzdem mit dem Auto auf ihre Grundstücke fahren, denn die Stadt hat versprochen, dass der Feldweg dorthin weiter erhalten bleibt – „mit einer wassergebundenen Fahrbahndecke“.

Mit der jetzt angestrebten Lösung können offensichtlich alle Beteiligten leben. Die Verwaltung hat das „auf hohem Niveau gelöst“, lobte Ausschussmitglied Max Graf von Rechberg (CSU), der sonst staatlichen Lenkungsmaßnahmen eher kritisch gegenübersteht.

Wenn jetzt alle Kleingärtner unter einen Hut gebracht werden können, steht der weiteren Idylle am Bachhäusl nichts mehr im Weg.

Rein rechtlich wurde mit der Aktion niemand obdachlos gemacht. Denn die dauerhafte Wohnnutzung war bisher bereits illegal.

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