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Bürgerversammlung bringt‘s ans Licht

Berufsschule in Grafing-Bahnhof: Aufschrei der Anwohner

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„2100 Schüler, den Ort zerreißt’s. Das ist zu viel für uns“: Noch ist nicht einmal die Standortfrage genau geklärt, da melden sich bereits Gegner einer möglichen Berufsschule in Grafing-Bahnhof zu Wort.

Grafing-Bahnhof – Bei der Bürgerversammlung im Feuerwehrhaus in Nettelkofen gaben sie ihrer Sorge Ausdruck, dass die Bildungseinrichtung zusätzlichen Verkehr in den ohnehin erheblich belasteten Ort ziehen könnte. „Das ist ja doch eine große Kiste“, lautete eine skeptische Wortmeldung.

Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) war bemüht, die Bedenken zu zerstreuen. Und sie hatte dabei eine Reihe von Argumenten. Kolportiert wurde in der Versammlung nämlich eine Zahl von 400 zusätzlichen Fahrzeugen pro Tag, die durch den Ort an- und mittags wieder abfahren würden.

Diese Zahl, so Obermayr, beruhe lediglich auf einer Schätzung, die für den bereits wieder verworfenen Standort in Pöring vorgenommen wurde. Der wäre aber einen Kilometer von der S-Bahnlinie entfernt gewesen, erläuterte die Bürgermeisterin. In Grafing-Bahnhof würden die Schüler aus der S-Bahn aussteigen und wären nach ein paar Gehmetern im Schulgebäude. „Da fahren nicht alle mit dem Auto, das sind Auszubildende“, gab Obermayr zu bedenken.

Wer selbst einen Mechatroniker-Azubi in der Familie hatte, wird vermutlich bestätigen können, dass die Schüler zur Fahrt in die benachbarte Berufsschule in Wasserburg Fahrgemeinschaften bilden, was die Anzahl der Autos wieder erheblich reduziert. Das machen die Azubis aus Kostengründen und in Wasserburg auch deswegen, weil die dortige Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln einem Vergleich mit dem Standort in Grafing-Bahnhof in keinster Weise standhalten würde. „Vom Ostbahnhof aus ist man in 17 Minuten in Grafing-Bahnhof. Das schafft man mit dem Auto gar nicht“, sagte Obermayr.

Die Rathauschefin informierte die Bürger darüber, dass die etwas über 2000 Schüler, die die Bildungseinrichtung insgesamt besuchen würden – wenn sie denn Realität wird – „nicht jeden Tag da“ sind. „Die Schätzung von 400 Autos kommt nicht von uns“, sagte die Bürgermeisterin, aber natürlich würden da „auch Parkplätze hinkommen“. „In einer Tiefgarage könnte man die unterbringen“, schlug ein Bürger vor. „Grafing-Bahnhof ist ein Schüler-Umschlagplatz“, gab ein anderer zu bedenken.

Obermayr wiederholte auch in Nettelkofen, was sie bereits bei den Bürgerversammlungen in Grafing und in Oberelkofen gesagt hatte. Der Landkreis Ebersberg sei der einzige Landkreis in Bayern, der bislang keine eigene staatliche Berufsschule habe. Deshalb habe sich die Stadt dafür beworben. Die Bürgermeisterin verspricht sich davon auch einen positiven Effekt für viele Firmen im Landkreis Ebersberg, die zunehmend Schwierigkeiten haben, überhaupt neue Auszubildende zu finden und die Arbeitskräfte im Anschluss an den Ort zu binden. „Solche Leute brauchen wir“, gab sie zu bedenken. Die Berufsschule würde auf den ganzen Landkreis ausstrahlen, meinte Obermayr sinngemäß. Diesen Argumenten sind nicht alle Bürger zugänglich. Nachdem sich die Gemeinde Zorneding um den Standort beworben hatte, formierte sich Widerstand in der Bevölkerung. Auch dort war der zusätzliche Verkehr ein Gegenargument. Die Kommune zog ihre Bewerbung schließlich zurück. Der Standort in Grafing-Bahnhof wäre verkehrsmäßig ungleich besser zu erschließen. Im Gespräch ist dabei auch eine Fläche westlich der Gleise im Anschluss an die neu dort angelegten Park&ride-Plätze. Schüler, die die Bahn benutzen, würden im Ort gar nicht auftauchen, außer zum Brotzeitholen.

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