Amtsgericht Ebersberg

Bewährungsstrafe für Drogendealer

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Ein Grafinger verkauft 170 Gramm Marihuana. Vor Gericht schweigt er, bis die Beweislast immer größer wird.

Ebersberg – Immer wieder muss Richter Markus Nikol nachfragen: „Kennen Sie den Angeklagten? War er es, von dem Sie das Marihuana gekauft haben?“ Antworten bekommt Nikol nur spärlich von dem Zeugen, der selbst im vergangenen Jahr in München wegen Drogenbesitzes vor Gericht stand. Der Nachname des Dealers, von dem er gekauft hatte, stimmt mit dem des Angeklagten überein. Das gibt der Zeuge, ein Zornedinger (19), zu.

Dennoch sei er sich nicht sicher: 50 zu 50, dass es der Angeklagte sei, von dem er das Marihuana gekauft habe, sagt der Mann. Genau wisse er es aber nicht mehr. Am Mittwoch wird im Amtsgericht Ebersberg gegen einen 25-Jährigen aus Grafing verhandelt. Die Staatsanwalt beschuldigt ihn des vorsätzlichen Handels mit nicht geringen Mengen Rauschgift. Einige hundert Gramm Marihuana hat er laut Anklage verkauft.

Schweigen ist nicht Gold

Markus Nikol versucht die Drogen-Deals zu rekonstruieren, bei denen es um Geldbeträge bis in die Tausend Euro gegangen sei. Doch er tut sich schwer, denn Schweigen wird während der Verhandlung zur Routine: Auch ein anderer Zeuge, der zurzeit eine Haftstrafe wegen Handels mit Drogen in der JVA Stadelheim verbüßt, verweigert auf fast jede Frage von Nikol die Aussage. „Ich mache keine Angaben. Dazu will ich nichts sagen“, wiederholt er.

Ihm wird vorgeworfen, von dem Angeklagten mehrmals Marihuana gekauft zu haben, zweimal 35 und einmal 100 Gramm, um es dann gewinnbringend weiterzuverkaufen. Bei der Polizei und bei seiner eigenen Verhandlung habe dieser den beschuldigten Grafinger belastet und eingestanden, bei ihm gekauft zu haben, teilt ein Polizeibeamter mit. Also bohrt Nikol nach: „Sie können nur die Aussage verweigern, wenn Sie sich selbst belasten, also: Kennen Sie den Angeklagten?“ Dann: „Ja“. Haben Sie Angaben in Ihrer Hauptverhandlung über ihn gemacht?“ Jetzt: „Möglicherweise.“

Die Beweislast gegen den Angeklagten wächst. Der ermittelnde Drogenfahnder der Kripo Erding erklärt vor Gericht, dass es „präzise Aussagen“ des Zeugen, der in Haft sitzt, gebe, die den Beschuldigten belasten. Die Deals, so schildert der Beamte, seien bei dem Angeklagten zu Hause in Grafing über die Bühne gegangen. Bei einer Hausdurchsuchung 2016 fand die Polizei 3,5 Gramm Marihuana, einige Gramm Marihuana-Tabak, ein Gramm Ecstasy, 0,1 Gramm Amphetamin und 25 Hartkapseln, teilweise gefüllt mit einem „kristallinen Pulver“.

Bewährungsstrafe: Ein Jahr und acht Monate

Der Angeklagte sagt dazu nichts. Markus Nikol unterbricht die Sitzung; gemeinsam mit dem Staatsanwalt und dem Strafverteidiger verständigen sich die Juristen. Dann die Wendung. Der Grafinger räumt Teile der Anklage ein, und lässt über seinen Anwalt Florian Alte ein Geständnis verlesen – Richter Nikol kommentiert: „Spät, aber nicht zu spät.“

Das Schöffengericht verurteilt den 25-Jährigen wegen vorsätzlichen Handels und Besitzes von Drogen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Außerdem muss er 250 Sozialstunden ableisten. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Nikol sagt: „Bewährung heißt, es wird Vertrauen in Sie gesetzt. Weitere Straftaten heißt, Sie müssen in Haft.“ Der Dealer sagt nichts und nickt nur.

Rubriklistenbild: © dpa

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