Ein Coronavirus-Test.
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Ein Coronavirus-Test.

Rundum-Quarantäne

Corona-Fall nach Abi-Reise: 92 Schüler betroffen - so verteidigt sich jetzt der Veranstalter

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Nach einer privat organisierten Korfu-Reise von Abiturienten aus Grafing und Vaterstetten wurde ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet. Es folgte eine Rundum-Quarantäne und eine Sonderschicht des Gesundheitsamtes.

  • Ein Abiturient vom Max-Mannheimer-Gymnasium Grafing ist positiv auf das Coronavirus getestet worden.
  • Insgesamt waren 92 Schüler der Gymnasien Vaterstetten und Grafing auf Abschlussfahrt auf Korfu.
  • Sie alle mussten zunächst in Quarantäne, nun gibt es vorsichtige Entwarnung.
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Update 16.44 Uhr: Insbesondere von Elternseite rührt sich Kritik am Reiseveranstalter „Crystal Tours“, der für die Grafinger und Vaterstettener sowie für eine ganze Reihe von Schulen in Oberbayern Abschlussfahrten organisiert hat. „Das ist eine reine Sauf- und Partyveranstaltung“, sagt eine Mutter, deren Tochter ihre Mitfahrt kurz vor dem Start wegen Gesundheitsbedenken stornierte. Nun würden gut 50 Prozent Stornokosten fällig. 

Auf seiner Website wirbt „Crystal Tours“ für seine zehntägigen Korfu-Abireisen „inklusive Party- und Erlebnisprogramm“ mit Feiern im Club, am Strand oder auf dem Partyboot. „Seid ihr bereit für die totale Eskalation?“, heißt es in einem Instagram-Beitrag Mitte Februar.

Video: Wegen Corona - Abizeugnis per Drive-in in Oranienburg

Grafing/Vaterstetten: Corona-Fall nach Abi-Reise - Veranstalter verteidigt sich

Auf Anfrage der Ebersberger Zeitung betont ein Gesellschafter des Unternehmens aber, man habe sich bei den Reisen an die gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland, Griechenland und den Transitländern gehalten; die Abiturienten beispielsweise auf Maskenpflicht im Bus und Abstandsregeln hingewiesen. Auch habe das Unternehmen Partys von geschlossenen Clubs in offene Örtlichkeiten verlegt. „Rechtlich legitim und durchführbar“ nennt der Gesellschafter die Reise. 

Es seien ohnehin nur rund 320 statt der sonst üblichen 1000 Schüler mitgereist. Zudem habe man die Programmgestaltung entzerrt. Nur zu vernünftigem Verhalten könne man die Abiturienten nicht zwingen. „Das ist Sache der jeweiligen Person.“ Überhaupt könne es sein, dass sich der Erkrankte bereits vor der Reise infiziert habe – die Inkubationszeit betrage bis zu 14 Tage. 

Update 14.59 Uhr: Gute Nachrichten aus dem Gesundheitsamt Ebersberg: Die 39 Mitschüler des Grafinger Abiturienten sind allesamt negativ getestet worden. Das bestätigte soeben das Landratsamt. 38 von ihnen müssen trotzdem 14 Tage in Quarantäne bleiben - sie gelten als Kontaktpersonen der Kategorie 1, weil sie mit der erkrankten Person im  Reisebus saßen. Zwei entschieden sich für einen Flug statt für die lange Überfahrt mit der Fähre - für sie ist die Quarantäne aufgehoben. Die übrigen Schüler werden am Donnerstag, 16. Juli, nochmals getestet. Auf die Quarantäne hat das keine Auswirkungen.

Gesundheitsamt nach Abi-Reise: Drei Schüler abgetaucht - konnten bisher nicht getestet werden

Auch in Vaterstetten kann man durchatmen: Alle Tests seien negativ ausgefallen, auch jene, der zwölf Schüler, die im Nachbarlandkreis München leben. Das verkündete die Schulleitung heute in einem Rundschreiben. Damit ist die Corona-Quarantäne für die Abiturienten aufgehoben, da sie nicht als Kontaktpersonen erster Kategorie eingestuft sind.

Allerdings trübt eine Nachricht aus dem Landratsamt die Stimmung: Bei zwei Reiseteilnehmern vom Gymnasium Vaterstetten stehe das Testergebnis noch aus, drei habe das Gesundheitsamt noch nicht erreichen können. Sollte sich bei einem der fünf doch noch ein positiver Test einstellen, würde, so das Landratsamt, für alle 52 eine zweiwöchige Quarantäne fällig. Und auch das Landratsamt München betont, dass es über negative Testergebnisse nicht informiert werde. Bisher habe sich aber immerhin kein positiver Fall unter den zwölf mitgereisten Schülern aus seinem Einzugsgebiet ergeben. 

Grafing/Vaterstetten - Eine Reise auf eine griechische Insel war dann doch noch drin: 92 Abiturienten, 40 vom Max-Mannheimer-Gymnasium Grafing und 52 vom Humboldt-Gymnasium Vaterstetten, waren trotz der Corona-Widrigkeiten Ende Juni zu einer privaten, zehntägigen Abschlussfahrt nach Korfu aufgebrochen. Das könnte sich nun zumindest für einen Teil von ihnen rächen.

Bei einem Schüler, der bei der Rückkunft im Bus nach Grafing gesessen sei, hätten sich Symptome einer Coronavirus-Erkrankung eingestellt. Ein anschließender Test sei positiv ausgefallen, bestätigt Evelyn Schwaiger, Sprecherin im Landratsamt Ebersberg. 

Ein positiver Coronavirus-Test: 92 Schüler in Quarantäne

Alle 92 Schüler mussten daraufhin in Quarantäne und wurden auf das Coronavirus getestet. Das Gesundheitsamt arbeitete übers Wochenende durch, um mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen und Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Zudem sei das zuständige Gesundheitsamt am Sitz des Reiseunternehmens informiert worden, das die Fahrten organisiert habe. Es handle sich um einen Betrieb außerhalb des Landkreises Ebersberg, der Abiturreisen für Schüler im gesamten Großraum München anbiete.

Kritik nach Abi-Reise: „Hygienemaßnahmen sind nicht eingehalten worden“

„Hygienemaßnahmen sind nicht eingehalten worden“, sagt die Landratsamts-Sprecherin über die Reise. Ob die Schüler und/oder das Reiseunternehmen deshalb juristische Konsequenzen fürchten müssten, sei ihr nicht bekannt. „Priorität hat jetzt die medizinische Seite, der Infektionsschutz“, sagt Schwaiger.

Corona-Fall nach Abi-Reise: Aufatmen in Vaterstetten

Ein erstes Aufatmen gibt es nun am Gymnasium Vaterstetten. Alle Tests an den mitgereisten Schülern seien negativ ausgefallen, sagt Schulleiter Rüdiger Modell. Das habe die Schule Dienstagfrüh mitgeteilt bekommen. Die Abi-Feierlichkeiten könnten wie geplant stattfinden: „Für uns ist die Sache vom Tisch.“ 

Aus dem Landratsamt hieß es zunächst, einzelne Tests stünden noch aus, die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung sei aber gering. Für die negativ getesteten Abiturienten aus Vaterstetten sei die Quarantäne aufgehoben. Getestet habe man sie, weil die Vermutung nahe liege, dass sich die Grafinger und die Vaterstettener trotz getrennter An- und Abreise bei Veranstaltungen auf der Insel begegnet seien, so Schwaiger.

Abi-Feier in Grafing fällt wohl kleiner aus

In Grafing gestaltet sich das komplizierter. Da die Schüler des Max-Mannheimer-Gymnasiums mit der infizierten Person in einem Bus saßen, gelten sie als Kontaktpersonen der Kategorie 1. Das bedeutet: auf jeden Fall 14 Tage Quarantäne, auf jeden Fall einen weiteren Corona-Test vor deren Abschluss, so Landratsamts-Sprecherin Schwaiger. In der Inkubationszeit kann ein Corona-Test trotz Ansteckung negativ ausfallen. Das heißt auch, dass die Betroffenen aller Voraussicht nach nicht an der Abiturfeier mit Zeugnisverleihung am Freitag teilnehmen dürfen, bestätigt Schulleiter Paul Schötz. 

Erste, einzelne Tests auch in Grafing negativ

Die ersten vier Tests an den Abiturienten seiner Schule, die mit nach Korfu gereist waren, seien zum Glück negativ ausgefallen, so Schötz weiter. Die weiteren Ergebnisse erwartet er im Lauf des Dienstags. Erst dann könne die Schule reagieren, was  weitere Maßnahmen angeht. „Wir warten ab und hoffen, dass es bei einem Fall bleibt“, sagt Schötz. Gerüchte, wonach einige weitere mitgereiste Abiturienten Ansteckungssymptome gezeigt hätten, bestätigten weder die Schulleiter noch das Landratsamt.

Coronavirus im Landkreis Ebersberg: Die Lage im Ticker

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