Ein Schild weist auf den Freundschaftspark von Poing und Porec hin
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Einen Freundschaftspark gibt es im kroatischen Porec anlässlich der Partnerschaft mit der Gemeinde Poing.

...und bei euch so?

Corona: So geht es den internationalen Partner-Gemeinden

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Landkreis – Die Welt kämpft mit dem Coronavirus – und auch wenn der Blick zurzeit vor allem den Ereignissen daheim vor Ort gilt, halten die Städte und Gemeinden im Landkreis Ebersberg Kontakt mit ihren Partnergemeinden im Ausland. Ein Blick in die verschiedenen Länder.

Ostra

Margret Bartoli hat kürzlich einen Brief aus Ostra, der italienischen Partnergemeinde Markt Schwabens, bekommen. Von einer Freundin Mitte 30, die sich aus Angst vor einer Ansteckung kaum nach draußen traut. „Das hat mich gleich mit ganz traurig gemacht“, sagt Bartoli, ehemalige Vorsitzende des Partnerschaftskomitees.

Wappen von Ostra

Ihre Nachfolgerin, Silke Staab-Thuro bestätigt, dass Ostra wesentlich härter von dem Virus gebeutelt wird als im Frühjahr 2020. Eine italienische Austauschteilnehmerin, die bereits in Markt Schwaben zu Besuch war und Gäste aus Deutschland beherbergte, sei mit Ende 60 an Covid-19 gestorben. Die Region „Marken“ rund um die 6500-Einwohner-Gemeinde nahe dem Adria-Hafens Ancona ist mit Inzidenzwerten über 250 mitten in der dritten Welle – Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr inklusive. „Was vor einem Jahr in der Region Mailand passiert ist, hat die Menschen traumatisiert“, sagt Staab-Thuro. Sie hält per E-Mail und Facebook den Kontakt. Die geselligen Italiener litten unter der Situation, ertrügen sie aber pragmatisch.

Im Mai hätten die Markt Schwabener gern eine italienische Delegation bei sich begrüßt. „Utopisch“, konstatiert Staab-Thuro. Angedacht seien Video-Veranstaltungen.

Alem Katema

Die Hochebenen Äthiopiens sind im Vergleich zu Mitteleuropa wie eine andere Welt. Das gilt auch für die Coronavirus-Situation, berichtet Alexander Bestle, der sich seit Jahren für die Partnerschaft der 30 000-Einwohner-Stadt mit der Gemeinde Vaterstetten einsetzt. „Die Menschen leben damit“, sagt er. Es gehe nicht anders. Bestle erinnert sich an ein Videotelefonat mit einem Bekannten vor Ort, der hustend und schwitzend vor dem Bildschirm saß. Corona, stellte sich später heraus. Präventive Tests und Kontaktnachverfolgung gibt es nicht.

Partnerschaftswappen von Alem Katema und Vaterstetten

Der Partnerschaftsverein finanzierte Masken, Handwaschstationen, Desinfektionsmittel. Einen Lockdown habe es in Äthiopien nie gegeben, die Schulen seien im Frühjahr und Sommer 2020 zu gewesen. Nun müssen Kinder ab sechs Jahren dort Maske tragen.

Insgesamt beobachte das Krankenhaus keine höhere Sterblichkeit – das könne am niedrigeren Durchschnittsalter, dem Klima und der Abgeschiedenheit der Stadt liegen, mutmaßt Bestle. Die Risikopatienten, die in Deutschland besonders gefährdet seien, kenne Äthiopien kaum: Was hierzulande Vorerkrankung heißt, ist in Äthiopien oft ein Todesurteil. Auffällig aber: Es gebe weniger andere Infektionskrankheiten. „Die Hygienemaßnahmen wirken.“

Saint Marcellin

Zwischen 18 und 6 Uhr herrscht in Grafings französischer Partnergemeinde Saint Marcellin Ausgangssperre. Die Inzidenz bewegt sich bei 180 aufwärts, die britische Corona-Variante grassiert. Schulen sind durchgehend offen geblieben, aber der Wochenmarkt, soziales Zentrum des Ortes nahe Grenoble, ist auf ein paar Gemüsestände zusammengeschrumpft. „Ziemlich schlecht“ sei die Stimmung vor Ort, bedauert Udo Helmholz vom Partnerschaftskomitee. Die Franzosen ärgern sich über die langsame Impfkampagne: Nur 75 Spritzen pro Woche verabreiche das Zentrum in Saint Marcellin.

Wappen von Saint Marcellin

Trotzdem hofft Helmholz auf Besuch aus Frankreich im Herbst, bei besserer Lage. Ein davor geplantes Konzert der beiden Musikschulen ist geplatzt. „Sie schläft derzeit“, sagt Helmholz über die Städtepartnerschaft.

Carrigaline

Kirchseeons Altbürgermeister Udo Ockel hat immer wieder per Video-Schalte Kontakt in die irische Partnergemeinde. Teils sei der Lockdown in Irland strikter und zeitlich länger gewesen als in Bayern – insgesamt sei die Lage aber vergleichbar, das zeige das allerseits wissende Nicken im Video-Chat, wenn es um die Maßnahmen gehe.

Wappen von Carrigaline

In der 2. Welle habe Irland wesentlich höhere Infektionszahlen verzeichnet. „Die haben das aber ganz gut weggesteckt“, berichtet Ockel. Trotzdem: Heuer werde es keinen großen Vor-Ort-Besuch geben. Weder in Carrigaline noch in Kirchseeon.

Porec

Dem Hoffen auf einen guten Start in die Tourismussaison gilt in Poings kroatischer Partnerstadt Porec das Hauptaugenmerk. Es habe keine Ausgangssperre gegeben, aber bis auf den Lebensmitteleinzelhandel seien die Geschäfte geschlossen gewesen, berichtet Niko Sadric, der per (Video-)Telefon den Kontakt in die istrische Hafenstadt hält. Der Chef des Poinger Hofes ist der Sohn von Ivo Sadric, der die Partnerschaft damals initiiert hatte.

Wappen von Porec

Zur Impfung müssten die älteren Bürger derzeit in die Hauptstadt Zagreb fahren, demnächst werde die Kampagne ausgeweitet. An Porec seien die Probleme anderer Landesteile mit dem Virus weitgehend vorübergegangen, was zu gewisser Corona-Skepsis beigetragen habe. Die täglichen Neuansteckungen, die die Provinz Istrien meldet, liegen sei Wochen im einstelligen Bereich. Getestet werde wenig, merkt Sadric an. Im Sommer hoffe man auf gegenseitige Besuche.

Alle Nachrichten aus dem Landkreis Ebersberg bei der Ebersberger Zeitung.

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