Die Mauer im Stadtpark, aufgestellt von der CSU, ist vielen Grafingern ein Dorn im Auge.
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Die Mauer im Stadtpark, aufgestellt von der CSU, ist vielen Grafingern ein Dorn im Auge.

Stadtrat arbeitet heftig kritisierte Aktion im Stadtpark auf

CSU-Mauer im Grafinger Stadtpark: Jetzt soll’s ein Arbeitskreis richten

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Die Mauer im Grafinger Stadtpark, aufgestellt von der örtlichen CSU, erhitzt weiter die Gemüter. Jetzt wird auch noch eine Arbeitsgruppe eingesetzt.

Grafing – Die Idee dahinter war ja ein bisschen nachvollziehbar: Vier junge Bäume würden mit ihrem späteren Wachstum symbolisieren, wie Deutschland und Europa nach der Wiedervereinigung zusammenrückt. Weil aber im Zentrum des gepflanzten Quadrats im Grafinger Stadtpark eine Mauer steht, an der ein Bronze-Schild die Namen von vier CSU-Politikern trägt, kam schnell der Verdacht auf, dass hier nicht der Wiedervereinigung an sich, sondern eher der Partei der Christsozialen ein Denkmal gesetzt werden sollte, ja dass die CSU gewissermaßen im Handstreich die Wiedervereinigung lokal für sich okkupiert hatte. Darauf hagelte es öffentliche Kritik, die jetzt im Stadtrat aufgearbeitet wurde.

Konzertierte Aktion der anderen Stadtrats-Parteien

Dass der Punkt auf der Tagesordnung landete, war eine konzertierte Aktion von Bayernpartei, Grünen, Freien, der Linken und der SPD. Sie hatten sich wegen der Gestaltung des Stadtparks mit einem Antrag an die Verwaltung gewandt. Bürgermeister Christian Bauer (CSU), der als „Hausherr“ des städtischen Areals letztlich die Verantwortung für die Hauruck-Aktion in Händen hielt, räumte zu Beginn der Diskussion ein: „Die Betonstele wurde kritisiert.“ Dabei, so der Bürgermeister, sei die Absicht dahinter gewesen „ein wachsendes Denkmal zu schaffen“. Auf einen sinngemäßen Einwand aus dem Gremium die Betonstele betreffend, die ja tatsächlich kaum wachsen dürfte, schob Bauer nach: „Ein wachsendes und sich veränderndes Denkmal.“ Denn, wenn auch in Grafing Graffiti nicht überall auf ungeteilte Freude stoßen, so waren sie hier doch ausdrücklich erwünscht gewesen. Junge Leute sollten an der Betonwand mit Lackspray ihren Gedanken zur Wiedervereinigung ihren freien Lauf lassen können. Das taten sie dann auch – mit roter Farbe etwa und dem Schriftzug: „Populismus a la CSU“, wie noch zu sehen ist.

Auch CSU-Bronzeschild übersprüht

Natürlich wurde auch das Bronzeschild schnell übersprüht – was nicht ganz im Sinne der Erfinder war. Dort hatten sich nämlich schon die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler, der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz, der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber und eben CSU-Bürgermeister Christian Bauer verewigt, als diejenigen, die am 3. Oktober die vier Bäume gepflanzt hatten.

Bürgermeister: Stadtrat nicht rechtzeitig informiert

Bürgermeister Bauer räumte im Stadtrat freimütig ein: „Der Stadtrat wurde von mir nicht rechtzeitig informiert und beteiligt, dafür habe ich mich entschuldigt.“ In der Fraktionssprechersitzung vor der eigentlichen Stadtratszusammenkunft war man überein gekommen, das in den Brunnen gefallene Kind der CSU mit vereinten Kräften wieder rauszuholen. Dazu soll jetzt ein Kollektiv gebildet werden, der Beschluss dazu fiel einstimmig und lautet wörtlich so: „Der Stadtrat beschließt eine Arbeitsgruppe, bestehend aus je einem Mitglied der im Stadtrat vertretenen Parteien und unter Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit zu bilden, um eine gemeinsame Lösung für das Gedenken für die 30 Jahre Wiedervereinigung im Stadtpark zu finden.“

Diskussion brachte Leben in den „toten“ Stadtpark

Immerhin ist mit der Diskussion tatsächlich so etwas wie Leben in den Grafinger Stadtpark gekommen, bei dem es bislang kaum gelungen ist, ihn mit eben solchem zu erfüllen, und das, obwohl dort zum Beispiel eine ganz passable Boule-Bahn zum Spiel einladen würde.

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