Walter Schmidtke, auf dem Foto im „Il Ristorante am Marktplatz, in Grafing
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„Wir vermissen unsere Gäste“ steht auf den Plakaten die die Bayernpartei um Stadtrat Walter Schmidtke, auf dem Foto im „Il Ristorante am Marktplatz, in Grafing an Gastronomen verteilt. Die Aktion soll auf die soziale Bedeutung der Wirtschaften hinweisen.

Plakat-Aktion für Stammtische, Gastronomie und andere geschlossene Betriebe

Grafinger Bayernpartei setzt sich ein: „Wir für unsere Wirte“

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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„Wir für unsere Wirte“: Das ist ein Spruch auf den Plakaten mit denen die Grafinger Bayern-Partei auf die soziale Bedeutung der Wirtschaften hinweisen will.

Grafing – Die Corona-Pandemie hat zahlreiche Auswirkungen auf das menschliche Miteinander. Eine davon ist der Verlust von persönlichen Kontakten. Das ist nicht für jedermann gleich schmerzlich. Aber die Kommunikation an den Stammtischen zum Beispiel ist gänzlich verstummt, dafür haben am größten Stammtisch der Welt, nämlich in den sozialen Medien, oftmals die Falschen die Lufthoheit übernommen. „Denen wollen wir nicht das Wort überlassen“, sagt Günter Baumgartner von der Bayernpartei Grafing.

Schriftliche Kurzbotschaften auf leeren Wirtshaus-Stühlen

Die Antwort des BP-Ortsverbandes heißt in dieser Situation: „Wir für unsere Wirte“. Am Donnerstag und Freitag vergangener Woche wurden in Grafing deshalb Plakate ausgegeben. „Die werden mir aus der Hand gerissen“, berichtet Walter Schmidtke (58), der für die Bayernpartei im Grafinger Stadtrat sitzt. Die schriftlichen Kurzbotschaften werden gut sichtbar in die Schaufenster geklebt oder sogar an leeren Stühlen in den Wirtshäusern befestigt. Baumgartner, Schmidtke und Simone Binder vom BP-Ortsverband verteilen derzeit 200 Exemplare – ohne Parteiwerbung. Auf den großen Zetteln steht: „Nicht wegen Reichtum geschlossen“ oder „Wir vermissen unsere Gäste“ und auch „Wir brauchen eine Perspektive“.

Das trifft nicht nur den Nerv der Gastronomen, sondern auch anderer, die vom Lockdown betroffen sind. Kino zu, Fitness-Center zu, Friseur zu, Kosmetikstudio zu, Einzelhandel zu. Alle haben existenzielle Sorgen.

Der Bayernpartei geht es aber nicht primär um Ausgleichszahlungen oder entgangene Einnahmen. „Wäre das der Fall, hätten wir geschrieben: Wir vermissen unseren Umsatz.“ In einer Erklärung zur aktuellen Initiative heißt es: „Unsere Gastronomie ist eben nicht nur der Fleck,, wo wir uns mit Schweinsbraten und Veggieburger versorgen, sondern der Fleck, an dem wir uns sozial mit Nachrichten und Meinungen austauschen. Da wird gelacht, diskutiert, gegrantelt und gekartelt, diese Aktionen sind für viele Menschen substanziell und werden dementsprechend vermisst.“

Die Bayernpartei glaubt: Wirtshäuser sind sicher

Schmidtke sagt: „Die Wirtshäuser sind kein Corona-Hotspot, sondern ein sozialer Hotspot.“ In den Gasthäusern seien samt und sonders erfolgreiche Hygienekonzepte entwickelt und penibel umgesetzt worden, die sich für jedermann sichtbar bewährt hätten. Trotzdem kam der Lockdown auch für sie. „Leider hat sich jedes Kino und jeder Kiosk besser auf die prognostizierte zweite Welle vorbereitet als unsere Staatsregierung, die seit Monaten mit viel Aktionismus und mit wenig Konzept arbeitet. Was uns dabei besonders stinkt, ist, dass genau damit den unsäglichen Verschwörungstheoretikern in die Hände gespielt wird.“

Stufenpläne für die Zeit nach dem Lockdown müssen her

Genau diese nämlich, so argumentieren Binder, Baumgartner und Schmidtke, würden davon profitieren, dass sich „unser soziales Leben auf die sogenannten sozialen Medien reduziert.“ Es werde deshalb Zeit, diese Diskussion wieder in den öffentlichen Raum zu verlagern – eben auch an die Stammtische im Landkreis Ebersberg. Für Schmidtke wäre es jetzt schon notwendig, „durchdachte Stufenpläne für die Zeit nach dem Lockdown“ zu entwickeln. „Damit Kultur, Sport und Gastronomie wissen, was auf sie zukommt.“

Der Stadtrat erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Bayernpartei in der jüngsten Ratssitzung einen Vorschlag zur Ausweitung der Gutscheinaktion zur Unterstützung der heimischen Gastrobetriebe eingebracht habe. Sein Vorschlag jetzt richtet sich an alle Bürger: „Holen wir uns, so oft es der Geldbeutel zulässt, unser Essen bei der örtlichen Gastronomie, verschenken wir Gutscheine fürs Kino, behalten wir unsere Jahreskarten für den EHC Klostersee und freuen wir uns an dem Programm, das die Stadthalle immer wieder aus dem Hut zaubert.“

Menü zum Mitnehmen ist nur eine Notlösung

Einen persönlichen Wunsch hat der Grafinger auch: „Ich möchte mit meiner Frau mal wieder zum Schweinsbraten-Essen gehen und ein Kesselfleisch macht man sich auch nicht selbst.“ Das Menü zum Mitnehmen sei aber leider nur eine Notlösung, meint Baumgartner: Das Essen komme manchmal lauwarm zuhause an und nebenbei werde auch noch eine Menge Plastikmüll produziert.

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