1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg
  4. Grafing

Holz-Boom: Hohe Nachfrage trotz steigender Kosten - „Gar nicht so leicht, zu bekommen“

Erstellt:

Von: Raffael Scherer, Helena Grillenberger

Kommentare

Brennholz: Vor dem Einsatz in Kamin oder Kachelofen stehen etliche Arbeitsschritte an.
Brennholz: Vor dem Einsatz in Kamin oder Kachelofen stehen etliche Arbeitsschritte an. (Symbolbild) © DPA

Den Kamin anzuheizen wird immer teurer. Brennholz-Händler im Landkreis Ebersberg machen dabei verschiedene Gründe für die Preissteigerung aus.

Ebersberg – Soweit das Auge reicht: Steigende Preise. Egal ob bei Strom, Benzin, Lebensmittel oder Öl. Und jetzt auch noch Holz. Es diesen Winter schön warm in der Wohnung zu haben, kostet mehr denn je. Trotzdem heizen derzeit immer mehr Menschen im Landkreis Ebersberg den Kamin an.

Holz-Boom in Bayern: Brennholz sorgt für Gemütlichkeit

„Wir hatten zwei schwache Winter“, erklärt sich Stefanie Putz von „Der Holz Max“ aus Dichau (Grafing) die gestiegene Brennholz-Nachfrage. „Viele haben wahrscheinlich die warmen Winter über nicht so viel geheizt“, vermutet sie. Hannes Obermaier von gleichnamigen Brennholzverkauf in Nettelkofen (Grafing) vermutet, dass die Menschen wohl eher der Gemütlichkeit wegen mit Holz heizen – und nicht wegen steigender Ölpreise: „Am Wochenende, wenn sie’s zuhause schön haben wollen“, meint er, komme eben das Brennholz zum Einsatz.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Ebersberg-Newsletter

Im Landkreis Ebersberg wird immer mehr Holz verheizt - trotz steigender Preise

Größte Veränderung im Heizverhalten der Menschen: Laut Obermaier werden in den Haushalten kleinere Mengen als bisher verheizt. Das liege zum einen an den kleineren Haushalten, vermutet er, zum anderen auch an den neueren, besseren Öfen. Denn bei diesen geht weniger Wärme verloren. Nur die Wenigsten würden aus finanziellen Gründen mit Holz heizen, sagt Obermaier. „Das macht ja auch Arbeit. Aber wenn die Ölpreise weiter steigen, dann schaut das schnell wieder anders aus.“

Aber nicht nur das Öl, auch Holz wird immer teurer – nicht nur das Bau-, sondern auch das Brennholz. „Das Trocknen wird teurer“, erklärt Josef „Brennholzsepp“ Spitzl aus Wiesham (Grafing). „Die Maschinen brauchen viel Strom und der Diesel wird teurer.“ Das schlage sich dann eben auch auf die Verkaufspreise nieder. Aber: „Im Endeffekt ist Holz so wie es ausschaut billiger wie letztes Jahr, auch wenn es teurer geworden ist“, erklärt er. Das liege daran, dass die zehn bis 15 prozentige Preissteigerung beim Holz viel geringer ausfalle als bei den meisten anderen Energiequellen: „Wenn die zwischen 30 und 80 Prozent rauf gehen und Holz um zehn, dann ist Holz immer noch günstiger“, erklärt Spitzl.

Preissteigerung von Brennholz: Nachfrage nach Buchenholz am höchsten

„Es ist gar nicht so leicht, Holz vom Ebersberger Forst zu bekommen“, sagt der Wieshammer. Allem voran brauche es dicke Buchen, Denn im Landkreis gebe es hauptsächlich Fichten und Eichen. Zwar sei es kein Problem, Holz aus dem Ausland zu bestellen, er wolle aber lieber Holz aus dem heimischen Landkreis verkaufen.

„Der Großteil unseres verwendeten Brennholzes kommt aus Rumänien, der Ukraine und den umliegenden Staaten“, erklärt Marinus Krauß, Schreiner, der an der Technischen Hochschule in Rosenheim gerade seinen Techniker macht. „Etwa ein Drittel der gesamten Holzernte in Deutschland ist Energieholzanteil“, sagt er. Damit sei die aktuelle Preisentwicklung beim Brennholz eben auch von der Preisteigerung im Bauholz und Industrieholz abhängig.

„Man kann nicht sagen, was die Holzpreise gemacht hätten, wenn es keine Pandemie geben würde“

Unter anderem durch die Corona-Pandemie verzeichnete die Holzindustrie im vergangenen Jahr einen starken Preisanstieg. „Das Rekordhoch für Bauholz im vergangenen Jahr beeinflusst damit also auch die Preise für Industrie- und Energieholz“, so Krauß. Die Lagerhaltung der Zwischenhändler bis das Holz dann schließlich nach Deutschland kommt würde demnach erklären, warum der Preis erst in diesem Winter ansteigt.

Auch Stefanie Putz aus Dichau meint: In gewisser Weise habe die Preissteigerung beim Brennholz durchaus mit der Pandemie zu tun. Sie stellt jedoch klar: „Aber man kann nicht sagen, was die Preise gemacht hätten, wenn es keine Pandemie geben würde.“

Auch Bauherren und Kunden bekommen steigende Preise zu spüren. Ein Experte verrät Gründe für teuren Bau.

Noch mehr Nachrichten aus der Region Ebersberg lesen Sie hier.

Auch interessant

Kommentare