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„Je teurer der Sprit, umso teurer die Fracht“: Explodierende Benzinpreise schocken Unternehmen

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Von: Raffael Scherer

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Eine Tankstelle bei Nacht und ihre Preisanzeige.
Ein wahr gewordener Albtraum für viele Autofahrer: Die Spritpreise an den Tankstellen im Landkreis steigen und steigen, wie im Bild an der OMV-Tankstelle in Ebersberg. Diesel: 1,549 Euro. Super: 1,739 Euro. © Stefan Roßmann

Die Preise für den Liter Diesel gehen steil bergauf. Die heimischen Konzernen beobachten den Trend mit großer Sorge. Und kritisieren die Tatenlosigkeit der Politik.

Landkreis – Zwischen 1,50 und 1,60 Euro kostet mittlerweile der Liter Diesel. Diese rasante Preissteigerung bringt die Transportunternehmen im Landkreis zum Ächzen: Nicht nur Lkw, Taxi oder Bus, sondern auch aufs Auto angewiesene Pfleger, Dienstleister und Handwerker mit langen Arbeitswegen sind betroffen.

„Wenn ich 60 000 Liter Diesel für meine 20 Lkw im Monat brauche und sich der Spritpreis um 35 Cent erhöht, sind das Mehrkosten von rund 250 000 Euro im Jahr“, fasst Ignaz Fuchs von der gleichnamigen Spedition in Nettelkofen (Stadt Grafing) zusammen. Deshalb fahren die Speditionen nur bei zuvor vereinbarten, veränderbaren Kraftstoffzuschlägen, sogenannten „Dieselfloatern“, erklärt er. „Je teurer der Sprit, umso teurer die Fracht“, so Fuchs. Um etwa 15 Prozent seien bei ihm die Frachtpreise heuer bereits gestiegen, in den Jahren zuvor waren es im Vergleich rund drei Prozent.

Steigende Dieselpreise: Dank fehlender Infrastruktur können Busbetriebe nicht auf Elektromotor umstellen

Das wirkt sich wiederum auf die belieferten Unternehmen aus, die deshalb die Preise ihrer Produkte erhöhen müssen: „An Weihnachten wird es dann noch extremer, weil da noch mehr Nachfrage herrscht und die Lieferketten noch mehr einbrechen“, prognostiziert Fuchs. Denn zusätzlich herrscht nicht nur in Großbritannien Fahrermangel: „In Deutschland gehen etwa 80 000 Fahrer ab“, sagt Fuchs. Bei ihm kämen deshalb etwa drei Viertel der Angestellten aus Osteuropa.

„Die Dieselpreise sind fernab von Gut und Böse“, findet Thomas Harant, Geschäftsführer des Busunternehmens Larcher Touristik in Markt Schwaben. Im Gegensatz zu den Speditionen bewirbt sich seine Firma meist um mehrjährige Aufträge, wie etwa Linienbusse für den MVV. Der damals kalkulierte Dieselpreis war jedoch viel niedriger, als die derzeitigen Kosten: „Das heißt, dass wir draufzahlen“, so Harant. Denn eine Echtzeitanpassung des Spritpreises sei in den Verträgen nicht möglich. „Bei uns im Landkreis Ebersberg gibt es im Moment keine Infrastruktur, um etwa einen Busbetrieb elektrisch betreiben zu können“, kritisiert Harant die momentane Politik.

Steigende Spritpreise: Taxiunternehmen überlegen bereits in andere Landkreise zu ziehen

Dabei sei das Unternehmen durchaus offen für alternative Antriebe wie Strom oder Wasserstoff: „Wir wollen diesen Weg gehen, aber aus unserer Sicht kann man nicht die Dieselpreise erhöhen und gleichzeitig keine Alternativen anbieten.“ Laut ihm sei neben Personalmangel Diesel der größte Kostenblock des Busunternehmens: „Wenn das so weitergeht, wird es kritisch!“

Währenddessen hat Selahattin Kirci mit seinem Taxiunternehmen in Ebersberg gar keine Möglichkeit, irgendwie auf die steigenden Kosten zu reagieren: „Unsere Preise sind staatlich gebunden, die Tarife schreibt uns das Landratsamt vor“, sagt er. Die Kosten des Unternehmens, inklusive der Spritpreise, seien in den vergangenen Jahren stets gestiegen, reagiert habe der Landkreis darauf aber nicht: „Jeder Unternehmer hier überlegt sein Taxiunternehmen stillzulegen oder umzuziehen, weil die Kosten immer weiter steigen, ohne dass wir etwas dagegen tun können“, sagt Kirci. Die benachbarten Landkreise München, Rosenheim und Erding hätten die Tarife in den vergangenen Jahren reformiert, nur in Ebersberg habe sich seit Jahren nichts getan, bemängelt er. Da müsse sich endlich etwas bewegen.

Hoher Preis für Diesel: Hier ist der Sprit am günstigsten

Am billigsten tankt es sich, außer im Ausland, im Vergleich meist an den freien Tankstellen: „Es gibt keine Regel, aber wir sind immer um so zwei drei Cent günstiger als die Markentankstellen“, erklärt Manfred Singer von den gleichnamigen Tankstellen in Grafing und Tulling. Ihm ist in den vergangenen Wochen aufgefallen, dass neuerdings die meisten Kunden lieber gleich komplett volltanken: „Sie bevorraten sich“, schätzt er und befürchtet für die kommenden Monate: „Die jetzigen Preise sind noch nicht das Ende der Fahnenstange.“

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