Illustrationsfoto zum Thema Gewalt
+
Fünf Fans des EHC Klostersee stehen vor Gericht, weil sie auswärtige Schlachtenbummler verprügelt haben.

Fünf junge Männer stehen vor Gericht, weil sie Schlachtenbummler des Gegners überfielen

EHC-Fans außer Rand und Band: Auf Gewalt folgen Haftstrafen

Fünf Fans des EHC Klostersee standen vor Gericht, weil sie nach einem Spiel auf zwei Schlachtenbummler der gegnerischen Mannschaft losgegangen waren und sie verletzten. Im Raum stand auch der Vorwurf des Raubs.

Grafing – „Das habe ich mir heute ganz anders vorgestellt“, hörte man einen der fünf Verteidiger murren, während Richter Markus Nikol den Saal zur Urteilsfindung verlassen hat. Dass sich der Prozess am Ebersberger Amtsgericht um fünf Fans des EHC Klostersee, die im November 2019 zwei Schlachtenbummler des EC Pfaffenhofen überfallen hatten, über sieben Stunden hinziehen würde, hätten auch die anderen Verteidiger im Saal nicht erwartet.

Die damals zwischen 20 und 28 Jahre alten Männer hatten nach dem Sieg der gegnerischen Mannschaft zwei Fans im Dunklen aufgelauert, um ihnen deren Fanmaterial abzunehmen. So haben sie versucht, einem der beiden Pfaffenhofener Fans den Rucksack vom Rücken zu ziehen, weil sich darin dessen Zaunfahne befand, was der aber nicht zulassen wollte. Beide Pfaffenhofener lagen schließlich am Boden, einer von beiden wurde noch am Boden von den Grafinger Fans getreten.

Angeklagte sind geständig, bestreiten aber Tritte gegen Kopf

Das gaben die fünf Angeklagten reumütig zu. An diesem Tag im November seien sie stark alkoholisiert gewesen, zum Teil hätten sie auch unter Drogeneinfluss gestanden. Es seien jedoch nur Tritte gegen den Körper gewesen.

Die Aussage des 25-jährigen Opfers hörte sich anders an: Er habe ausschließlich Tritte gegen den Kopf gespürt. „Einmal habe ich die Augen aufgemacht, da habe ich einen Schuh richtig auf mich zukommen sehen, dann war’s schon wieder schwarz“, erklärte das Opfer vor Gericht. Schwerere Verletzungen habe er aber nicht davon getragen: „Vor allem Hämatome und zwei Tage Kopfschmerzen.“

Opfer: „Ich hege keinen Groll“

Direkt nach der Aussage des Wolnzachers entschuldigten sich alle fünf Angeklagten bei ihm. Der 25-Jährige erwiderte: „Ich hege gegen diese Personen keinen Groll. Für mich ist die Sache erledigt.“ Eine Sache musste er dann aber doch noch wissen: „Was ist mit der Fahne passiert?“ Das konnten ihm die Grafinger aber auch nicht mehr genau sagen. Dem zweiten Opfer aus Schrobenhausen hatten die Angeklagten den Fan-Schal vom Hals gezogen. Auch er erlitt dabei keine schweren Verletzungen, lediglich eine Rötung am Hals.

Schließlich waren noch drei Mitglieder des Grafinger Fanclubs als Zeugen geladen, die konnten sich vor Gericht aber nicht mehr genau an das Geschehen erinnern. Keiner von ihnen sei dabei gewesen, habe wenn überhaupt nur etwas im Vorbeigehen gesehen.

Die Grafinger Fans entschuldigten sich erneut. „Was hat das alles mit Ihnen gemacht?“, fragte die Verteidigerin eines der Angeklagten ihren Mandanten. „Es hat mich sehr erwachsen gemacht“, erwiderte dieser. Darin waren sie sich auch alle einig. Sie sehen ihren Fehler ein und hätten sich von der Gruppierung distanziert. Seit dem Vorfall besuchten sie keine Eishockey- sowie Fußballspiele mehr. „Ich bin ein total anderer Mensch geworden“, sagte einer von ihnen. „Es tut mir brutalst leid“, ein anderer.

Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt

Das Urteil: Zwischen sieben Monaten und einem Jahr und sechs Monaten, jeweils auf Bewährung, für Raub und gefährliche Körperverletzung. Außerdem eine Geldauflage von 800 bzw. 1000 Euro für drei von ihnen. Auch wenn es keine Absprache zur Gewalt gegeben habe, so habe es jedem der Angeklagten klar sein müssen, dass die Pfaffenhofener ihr Material nicht freiwillig hergeben würden. Dass es keine schweren Verletzungen gab, sei Glück gewesen. Richter Nikol erklärte aber, er sehe, dass die Angeklagten auf dem „Weg in die richtige Richtung“ seien.

Noch mehr Nachrichten aus der Region Ebersberg lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Helena Grillenberger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare