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Objekt der Begierde: Die Parkplätze im Grafinger Zentrum fallen für die Zeit des Weihnachtsmarktes weg. 

Erosion im Einzelhandel

Das Image Grafings ist ramponiert

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Tut die Stadt Grafing genug für ihr Image? Und: Was muss unternommen werden, um weitere Erosionsprozesse im Einzelhandel zu stoppen? Das waren Kernpunkte einer Diskussion im Arbeitskreis Wirtschaftsförderung.

Grafing – Diese Diskussion ließ an Deutlichkeit nichts vermissen. Es wurde Klartext geredet. Auslöser war einmal mehr die in der Vergangenheit sehr emotional geführte Debatte um den Fortbestand des Weihnachtsmarktes am Marktplatz und dabei vor allem die Frage, inwieweit man den Geschäftsinhabern im Grafinger Zentrum die Belegung der dortigen Parkplätze im umsatzträchtigen Advent zumuten darf. Für die Betroffenen sprach CSU-Stadtrat Franz Saißreiner: „Der Weihnachtsmarkt ist uns wichtig, aber wir brauchen halt die Parkplätze. Draußen am Bahnhof ist es auch nicht so schiach“, plädierte er für einen dauerhaften Umzug an den neuen Standort. Dort war der Markt in abgespeckter Form im vergangenen Jahr abgehalten worden, was viele Grafinger jedoch bedauerten. Das konnte man zahlreichen öffentlichen Wortmeldungen deutlich entnehmen.

Die Meinung der Geschäftsleute am Marktplatz ist dabei keine einhellige. Franz Kellner, Geschäftsführer des Modehauses Obermaier, sagte: „Der Weihnachtsmarkt am Marktplatz ist für Grafing ein tolles Flair. Das Ganze hat heuer gefehlt. Das Bild, das Grafing abgegeben hat, war desaströs.“

In diese Kerbe schlug auch Wolfram Staude für den örtlichen Tourismusverein: „Ich habe es als Katastrophe empfunden, dass er nicht stattgefunden hat. Wir sind doch eine Handelsstadt“, meinte er.

Peter Schölzel, der Vorsitzende des Grafinger Werberinges, dessen „Kind“ der Weihnachtsmarkt ist, zeigte in der Diskussion einmal mehr Kompromissbereitschaft, wies gleichzeitig aber darauf hin, dass „alle Möglichkeiten inzwischen durchdiskutiert“ worden seien. „Der Aufwand ist dem Werbering auch irgendwann einmal zu groß“, gab er zu dem Vorschlag zu bedenken, den Markt zeitlich auf etwa zwei Wochen einzukürzen. Schölzel verwies zudem darauf, dass die Fieranten irgendwann nicht mehr mitmachen würden, wenn ihnen der zeitliche Rahmen zu gering erscheint. „Letztes Jahr hat sich keiner mit Ruhm bekleckert“, blickte CSU-Stadtrat Josef Carpus auf die Entwicklung zurück, an deren Ende das Ende des Weihnachtsmarktes am Marktplatz stand. „Das hat sich unschön hochgeschaukelt“, räumte Schölzel mit Blick auf Diskussionsbeiträge in den sozialen Medien ein. Kellner wies darauf hin, dass es Städten wie Rosenheim oder Wasserburg auch gelinge, einen dauerhaften Weihnachtsmarkt im Zentrum zu veranstalten. „Die verstellen dabei auch keine Parkplätze“, gab Saißreiner zurück. „Wir sollten nicht versuchen, diesen Markt zu verhindern“, meinte Yukiko Nave (Bündnis für Grafing).

In dem von Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) abgefragten Stimmungsbild ergab sich nach der Diskussion ein Verhältnis von 9:2, den Markt wieder am Marktplatz durchzuführen, wenngleich auch wesentlich kürzer als bisher. Auf dieser Basis wird weitergearbeitet.

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