Kuh
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Eine Kuh fiel einer der Verfolgungsjagden zum Opfer. Sie wurde notgeschlachtet.

Verfolgungsjagd mit der Polizei

Flucht mit 250 km/h: Raser jagt über Bauernhof - für eine Kuh endet das tödlich

  • vonRaffael Scherer
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Ein Autofahrer (22) ist auf der Flucht vor der Polizei über einen Bauernhof gerast. Für eine Kuh endete der Schreck mit der Notschlachtung.

Grafing – Durchbrochene Polizeisperren, Beamte, die sich hinter Leitplanken in Sicherheit bringen, mehrere erfolgreiche Fluchten vor den Ordnungshütern mit bis zu 250 km/h: Ein Autofahrer aus Grafing ist mehrfach Polizeikontrollen entkommen, weil er davonraste. Am Dienstag, 12. Januar, musste sich der 22-Jährige vor dem Amtsgericht Ebersberg verantworten.

Bereits seit April 2019 versuchte die Polizei, den Fahrer des roten Audi A3 zu kontrollieren. Obwohl das Auto auf der Fahndungsliste stand, gelang es den Beamten erst im August des gleichen Jahres, den Fahrer ausfindig zu machen. Grund: Er war stets schneller als die Polizei.

Grafing: Wilde Verfolgungsjagd auf der Autobahn - Raser flieht vor der Polizei

In einer Juni-Nacht 2019 kommt es zur wilden Verfolgungsjagd. Ein Polizeibeamter fährt gegen 22.30 Uhr privat auf der A95. Im Baustellenbereich bei Seeshaupt (Lk. Weilheim-Schongau) blendet ihn von hinten der Fahrer eines roten Audi A3 mit der Lichthupe und überholt sofort. Dabei entstand eine „Druckwelle wie bei einem vorbeifahrenden Lkw“, sagt der Polizist im Zeugenstand. Der Beamte kann nur mit großer Mühe sein Auto unter Kontrolle halten. Mit einem Notruf informiert er die Kollegen.

Grafinger umfährt Straßensperren - mit Audi über den Bauernhof gerast

Doch die Verfolgung der Polizeibeamten verläuft trotz Straßensperren erfolglos. Denn der Grafinger umfährt sie kurzerhand, mit einem Reifen auf dem Grün neben der Fahrspur. Dabei bringt er zwei Beamte dazu, hinter die Leitplanke zu flüchten.

Zur nächsten Verfolgungsjagd kommt es schon fünf Tage später. Wie ein Weilheimer Verkehrspolizist berichtet, hätten Kollegen mit zwei Fahrzeugen den Audi in die Mitte genommen und ihn so auf einen Autobahnparkplatz gedrängt. Dort, so der Weilheimer, sei er ihnen erneut mit Vollgas entwischt.

Weil sie sich erschreckte: Kuh auf Ebersberger Hof verletzt sich und muss geschlachtet werden

Deshalb warten daraufhin vor der Tiefgarage des Rasers in Grafing weitere Polizeibeamte. Als der Mann samt Audi gegen 3.30 Uhr daheim eintrifft, bemerkt der Fahrer die Polizei und „gibt Vollstoff“, so der Beamte. Er habe versucht, mit seinem Kollegen den Audi zu verfolgen, habe jedoch keine Chance gehabt. Das Auto sei bestimmt 250 km/h schnell gewesen. Bei einem Bauernhof zwischen Halbing und Motzenberg (Ebersberg) verlieren die Polizisten ihn dann aus den Augen. Kurz darauf meldet sich der Bauer bei der Polizei, dass ein roter Audi A3 über seinen Hof geschossen sei. Eine seiner Kühe erschrickt so sehr, dass sie sich am Euter verletzt und deshalb notgeschlachtet werden muss. Sachschaden 1300 Euro.

Grafing: Raser gesteht Drogengebrauch - Geständnis wirkt mildernd auf Urteil

Der Angeklagte erklärte am Dienstag vor dem Amtsgericht die Taten zunächst mit seinen privaten Umständen. Er habe zur damaligen Zeit Ärger mit seiner Verlobten gehabt, sowie ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern. Deswegen habe er täglich Marihuana geraucht. Die nächtlichen Fahrten quer durch Oberbayern habe er immer dann unternommen, wenn er nicht schlafen konnte. „Es ist ja nichts passiert“, sagte er noch im August 2019 bei der Hausdurchsuchung. Jetzt da er wieder arbeiten könne und einen Sohn habe, habe er sein Leben wieder unter Kontrolle.

Der Staatsanwalt machte klar, dass nur ein Geständnis den 22-Jährigen vor dem Gefängnis bewahren könne. Der Grafinger ließ sich darauf ein, bekannte sich zu allen Vorwürfen und stimmte zu, dass sein Audi eingezogen wird. Richter Markus Nikol verurteilte den Raser schließlich zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur dreijährigen Bewährung. „Es ist reiner Zufall, dass ,nur‘ ein Tier zu Schaden gekommen ist“, sagte er zum Schluss. Sowohl das eigene Leben, als auch das vieler anderer habe er durch seine Fahrweise gefährdet. Zusätzlich ordnete Nikol zwei Jahre Führerschein- und Fahrerlaubnisentzug an und die Teilnahme an einer Drogenberatung.

Raffael Scherer

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