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Der Weihnachtsmarkt spaltet den Gemeinderat in Grafing: In Zukunft soll der Markt 14 Tage am Marktplatz stattfinden. Doch ob Standbesitzer das mitmachen, ist noch unklar. Sie könnten sich für andere Märkte entscheiden, die länger dauern und damit mehr Gewinn bringen. 

Dämpfer für Werbering

Grafinger Stadtrat: Jetzt doch Weihnachtsmarkt im Stadtzentrum - aber nur 14 Tage 

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Endgültige Absage an den früheren Grafinger Weihnachtsmarkt: Der Stadtrat entscheidet, dass nur noch zwei Wochen am Marktplatz Buden stehen sollen. Standbesitzern könnte das zu wenig sein. Eine Odyssee.

Grafing - Ob es in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt im Grafinger Stadtzentrum geben wird, ist trotz der Entscheidung des Stadtrats unklar. Das Gremium hat sich mit großer Mehrheit für einen verkürzten Weihnachtsmarkt entschieden. Nur mehr 14 Tage sollen Buden in den kommenden drei Jahren am Marktplatz stehen und dortige Parkplätze belegen. Früher waren es knapp drei Wochen. 

Doch den Betreibern der Stände könnte das zu wenig sein. Zumindest hat das der Werbering als Organisator des Marktes bereits angekündigt. Peter Schölzel, Chef des Werberings, sagte noch während der Sitzung des Stadtrates am Dienstagabend: „Ad hoc kann ich nicht sagen, ob Standbesitzer für zwei Wochen kommen.“ 

Wegen Befangenheit: CSU-Stadtrat bekommt Redeverbot

Die Sitzung ist der Höhepunkt eines anhaltenden Streits, der einen großen Keil zwischen die Grafinger getrieben hat. Über 40 Zuhörer drängten sich in den Sitzungssaal. Das eine Lager ist für einen langen Markt im Stadtzentrum, das andere Lager, unter ihnen Geschäftsinhaber am Marktplatz, dagegen. Sie fürchten massive Umsatzeinbußen im Dezember, der einer der umsatzstärksten Monate sei, wie beispielsweise Michèle Ludewig in der Sitzung sagte. Sie betreibt einen Weinladen am Marktplatz. Ganz anders sieht es Carolin Glück: Sie verkauft Crêpes am Markt. Wenn es diesen nicht mehr oder nur kurz gibt, habe sie keinen Umsatz mehr. 

Weil eine erste Abstimmung gegen den Markt im Kulturausschuss wegen Befangenheit des CSU-Stadtrats Franz Saißreiner ungültig war - Saißreiner hat eine Metzgerei am Marktplatz - musste der Stadtrat neu abstimmen. Dieses Mal ohne Saißreiner, der außerdem Redeverbot bekam. Mit 10:8 Stimmen lehnte das Gremium den Antrag des Werberings ab. 

Vor allem für Stadträte aus den Fraktionen von CSU, SPD und Freien Wählern waren die knapp drei Wochen, die der Markt dauern sollte, zu lang. Weil so Parkplätze im Zentrum wegfallen und weniger Kunden in die Geschäfte am Marktplatz kommen würden. Unternehmer dort sehen den Markt als geschäftsschädigend. Insbesondere Franz Saißreiner hatte im Vorfeld energisch diese Meinung vertreten. 

„Ein Kompromiss ist nicht ehrlich“

Ein zweiter Antrag kam im Gremium besser an. Die Freien Wähler schlugen vor, den Markt für die Jahre 2018, 2019 und 2020 nur zwei Wochen auszurichten. Es sei ein Kompromiss, den man eingehen müsse. Diese Meinung vertraten nicht wenige Stadträte. Bis auf Marlene Ottinger (BfG) und Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) gab es keine Gegenstimmen. 

Obermayr hatte vor der Abstimmung noch versucht, die Stadträte für einen längeren Markt, wie es ihn die letzten Jahre vor 2017 - der Markt fiel da aus - gab, zu überzeugen. Insbesondere deswegen, weil 700 Grafinger für einen solchen Markt unterschrieben haben. „Die müssen wir registrieren“, sagte die Rathauschefin, die mit ihrer Meinung aber recht alleine gelassen wurde. Nur Ottinger sprang in die Bresche: „Ein Kompromiss ist nicht ehrlich.“ Nur ein langer Markt sei das. 

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