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Steht leer und kein Einheimischer will sie führen:  die Schlossgaststätte in Unterelkofen. 

In Unterelkofen bei Grafing

Gaststätte findet keinen Pächter - oder: Der Traum vom Schweinebraten

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Was gehört zu einem Dorf? Die Kirche und der Wirt. In Bayern hat zwar jeder noch so kleine Weiler nach wie vor ein Gotteshaus, die einheimischen Wirte aber sind auf dem Rückzug. Jede vierte Ortschaft ist inzwischen ohne Gastwirtschaft. Und manche werden angeboten wie Sauerbier, und trotzdem findet sich kein bayerischer Pächter.

Unterelkofen – So einen Fall gibt es auch im Landkreis Ebersberg, in Unterelkofen. Asiaten, Inder, Italiener: „Bewerber gab es schon viele“, berichtet Wildbräu-Chefin Swantje Schlederer. Max Graf von Rechberg, Besitzer des Gebäudes, sagt aber: „Ich will nur einen Bayern als Wirt.“

Seit Ende vergangenen Jahres ist die Schlossgaststätte in Unterelkofen geschlossen. Der Biergarten ist verwaist. Die Stammkundschaft hat Ausweichquartiere bezogen. Das „Wirtshaus, in schönster Lage und großem Biergarten“ in Unterelkofen ist für 1900 Euro Pacht zu haben, tut die Brauerei Wildbräu in einer Anzeige im Internet kund, die im Januar veröffentlicht wurde samt Telefonnummer der Brauerei. „Neben den zahlreichen Stammgästen genießen die vielen Ausflügler das schöne Ambiente. Wir suchen ein aktives Pächterehepaar, welches liebevoll die Gäste betreut. Ein extra Ausschank für den Biergarten ist vorhanden“, heißt es da.

Bei der Lagebeschreibung wird mit der „unmittelbaren Nähe zum Schloss Elkofen und zum Golfclub Elkofen“ geworben. Aber obwohl das „traditionell eingerichtete Gasthaus“ mit zwei Gasträumen im Innenbereich über etwa 70 Plätze verfügt und im „schönen Biergarten“ noch weitere 150 Außensitzplätze dazukommen, und im Dachgeschoss „eine große Wohnungen für den Wirt“ vorhanden ist, findet sich nach Auskunft von Bräuin Swantje Schlederer kein einheimischer Wirt.

Zwar hatten sich auf die Anzeige, die seit Januar im Netz steht, viele Bewerber gemeldet, ein Pachtverhältnis wurde nicht daraus. „Mein Wunsch wäre, dass das ein Bayer ist, der einen anständigen Schweinebraten machen kann“, sagt Rechberg über seine Vorstellungen. Seit dem Jahr 1962 hat er die beliebte Gaststätte an die Brauerei Wildbräu verpachtet, die jetzt tatsächlich Schwierigkeiten hat, einen einheimischen Wirt zu finden. „Wir sind seit vielen Jahren mit der Familie Schlederer befreundet“, berichtet Rechberg. Über das künftige Pachtverhältnis entscheide man deshalb gemeinsam. „Die Investitionen muss ja ich machen“, sagt der Besitzer des Schlosses Elkofen und berichtet davon, dass in das alte Haus erst „ein neues Bad und ein paar neue Fenster eingebaut worden seien. In dem Gebäude ist zwar eine 150 Quadratmeter große Wohnung für den Wirt vorhanden. „Der ist aber deshalb freilich ständig Ansprechpartner“, sagt Rechberg. „Das muss heutzutage einer auch mögen“, räumt er ein.

Die Wirtschaft hat schon viele Pächter gesehen, einige davon waren sehr erfolgreich. Besonders der Gründungsvorstand des RSC Elkofen, Helmut Jocher, der eigentlich einen Malerbetrieb in München hatte, gehört mit seiner Frau Anneliese in diese Riege, ebenso wie zuvor die Familie Ametsbichler und natürlich Manfred Schuster, der als gelernter Koch mit seinen bayerischen Gerichten seine Gäste restlos überzeugte. Es gab auch Wirte, die scheiterten. Legendär waren die Boccia-Turniere, die im Biergarten stattfanden und von Gunnar und Wolfram Pletzer organisiert wurden. An diese Traditionen möchte Max Graf von Rechberg wieder anknüpfen.

Vorher allerdings muss aufgeräumt werden. Der letzte Pächter hat alle seine Sachen dagelassen, berichtet der Graf. „Von der Wäsche bis zum Computerspiel, steht alles noch da“, meint er. Nach einem Urlaub sei der Wirt einfach nicht mehr zurück gekehrt.

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